Berliner Kältehilfe: Trotz Minusgraden bleiben viele Obdachlosen-Schlafplätze frei

Mehrere Tausend Obdachlose leben nach Schätzungen in Berlin. Der Großteil von ihnen bleibt auch bei Minusgraden lieber auf der Straße. Viele Betten der Kältehilfe bleiben nachts frei.

Im Schnitt etwa 220 freie Schlafplätze

Trotz der nächtlichen Minusgrade bleiben zahlreiche Plätze für Obdachlose in den Einrichtungen der Berliner Kältehilfe frei. „Im Schnitt gibt es pro Nacht etwa 220 freie Schlafplätze. Wir hoffen, dass noch mehr Menschen das Angebot wahrnehmen“, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Berliner Sozialverwaltung, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Insgesamt stellt die Kältehilfe rund 1200 Plätze bereit. Neben Schlafplätzen gibt es auch Nachtcafés, in denen Obdachlose ein warmes Essen bekommen und sich aufwärmen können.

Zusätzlich suchen laut Kneiding pro Nacht etwa 50 Obdachlose an zwei sogenannten Kältebahnhöfen - dem U-Bahnhof Moritzplatz und dem U-Bahnhof Lichtenberg - Unterschlupf.

Container und Zelte als Wärmestube

Das Angebot an den Bahnhöfen soll weiter ausgebaut werden. So seien an beiden Bahnhöfen bis Ende Januar Container oder Zelte geplant, um dort einen warmen Aufenthaltsort zu schaffen. Toiletten gibt es bereits. Sozialarbeiter und ehemalige Obdachlose kümmern sich um die Menschen vor Ort.

Auch die Kälte- und Wärme-Busse von Stadtmission und DRK steuern laut Kneiding die Bahnhöfe regelmäßig an und versuchen, Obdachlose in Kältehilfe-Einrichtungen zu bringen. „Aber es gehen nur vereinzelt Obdachlose mit“, sagte Kneiding. Nicht jeder wolle mit anderen Menschen in einem Raum übernachten.

Kneiding rief die Berliner dazu auch, ebenfalls die Wärme- und Kältebusse zu kontaktieren und Obdachlose mit Hilfebdarf zu melden. „Sie sollten aber vorher mit den Obdachlosen sprechen“, empfahl Kneiding.

Möglicherweise gab es am Wochenende den ersten Kältetoten der Saison in Berlin: Am Sonntagmorgen fand eine Passantin die Leiche eines Mannes auf einer Parkbank im Stadtteil Gesundbrunnen. Eine Ende der Woche geplante Obduktion soll laut Polizei Aufschluss über die Todesursache geben.

Kältebus oder Wärmebus anrufen

In den nächsten Tagen bleibt es in der Region frostig, vor allem nachts: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt in der Region Tiefsttemperaturen zwischen minus 4 Grad und minus 8 Grad voraus. Dabei bleibt es trocken.  

Wer Obdachlose sieht, die Hilfe brauchen, sollte nicht zögern, den Kältebus oder den Wärmebus anzurufen. Der Wärmebus vom Deutschen Roten Kreuz fährt täglich von 18 bis 24 Uhr durch. Zu erreichen ist er unter 0170/9100042. Der Kältebus der Berliner Stadtmission fährt jeden Tag von 21 bis 3 Uhr. Die Rufnummer: 0178/5235838. Falls ein Obdachloser nicht mehr ansprechbar ist, rufen Sie den Notruf an. (dpa)