Berliner Karnevalszug: Schunkelmusik in Zimmerlautstärke

Berlin - Schon in den vergangenen Jahren war er nicht das lautstärkste Ereignis, doch in diesem Jahr soll der Berliner Karnevalszug noch leiser werden. Die Senatsumweltverwaltung teilte den Veranstaltern mit, dass der Umzug am 12. Februar vom Kurfürstendamm zum Ernst-Reuter-Platz nicht lauter als 70 Dezibel sein darf. Das entspricht einem handelsüblichen Staubsauger. Als Begründung schrieb die Behörde, der Zug sei eine „als störend einzustufende Veranstaltung“.

Bei der Lautstärke könnten die ersten drei Reihen die Musik hören, weiter hinten stehende Menschen aber würden nichts verstehen, sagt Eddi Braun, Präsident des Festkomitees Berliner Karneval e.V.. „Aber wir lassen uns den Zug nicht nehmen.“

Die Vorschrift geht auf das 2010 in Kraft getretene Immissionsschutzgesetz zurück. Es besagt, dass nur Veranstaltungen, die von historischer, kultureller oder sportlicher Bedeutung sind, das Lärmlimit mit Genehmigung überschreiten dürfen. Der im Mai stattfindende Karneval der Kulturen darf somit genauso seine Bässe aufdrehen wie der Christopher Street Day im Juni. Letzterer wird nicht als Volksfest, sondern als Demonstration für die Gleichbehandlung Homosexueller eingestuft.

Karnevalspräsident Braun kann nicht verstehen, warum diese beiden Umzüge laut sein, die Jecken hingegen ihr „Berlin heijo“ nur flüstern dürfen. „Der Karneval ist längst in Berlin angekommen und wird von den Berlinern gerne angenommen.“ Laut seinen Angaben standen im vergangenen Jahr mehr als eine Million Schaulustige an der Strecke, viele von ihnen verkleidet. „Wenn noch vor ein paar Jahren das Kostüm verschämt unterm Mantel versteckt wurde, so sieht man jetzt beim Karneval in der U-Bahn eine ganze Menge verkleideter Leute“, so Braun. Das sei doch ein Zeichen dafür, dass der Karneval für Berliner längst kein Kuriosum mehr sei. Umso unverständlicher für ihn, dass die Organisatoren nicht mehr Unterstützung durch die Stadt erführen. Während in Köln, Düsseldorf und Cottbus die Festzüge finanziell von der Verwaltung unterstützt werden, müssen die Berliner Karnevalsvereine die Kosten komplett tragen, auch für die Straßenreinigung.

Trotzdem nicht weniger Publikum erwartet

Im vergangenen Jahr durfte der Zug die Lärmgrenze noch überschreiten, da er schon angemeldet worden war, bevor das betreffende Gesetz in Kraft trat. Dieses Jahr habe man sich um eine Ausnahmeregelung bemüht, sie aber nicht erhalten. Einen Einspruch gegen die Entscheidung wollen die Organisatoren aber nicht einlegen. Man wolle sich an die Vorschriften halten. Dafür nehmen sie Schunkelmusik in Zimmerlautstärke in Kauf.

Trotz dieser Einschränkung erwartet das Veranstaltungskomitee ebenso viel Publikum wie zuvor, das das Prinzenpaar anschauen und die 55 Tonnen Kamelle fangen will. „Zu dem Zug kommen Menschen, die sich für Karneval interessieren, die stehen zu uns auch, wenn es leiser wird“, sagt Braun.

Abzuwarten bleibt jedoch, ob auch bei gedrosselter Musik Stimmung aufkommen wird. Denn eine extra vom Senat beauftragte Firma, soll die Lautstärkeregler auf den Festwagen abkleben und verplomben. Der Vizepräsident des Faschingskomitees, Klaus Heimann sagte, man müsse sich angucken, ob der Karnevalszug so „überhaupt noch Sinn macht“.