Berliner Kleingartenanlagen: Hier sind besonders häufig Einbrecher unterwegs

Kleingärten sind die grünen Sommer-Paradiese der Berliner, aber leider auch Paradiese für Einbrecher. Sie klauen Gartenwerkzeug und TV-Geräte, manche schlagen die Lauben-Einrichtung kurz und klein. Bei etwa jedem 30. Berliner Kleingärtner wurde 2017 eingebrochen, aber auch in dieser Datschensaison gibt es krasse Fälle. Eine Statistik zeigt jetzt, wo die Einbrecher am häufigsten zuschlagen.

Das bevorzugte Jagdrevier der Lauben-Knacker ist der Bezirk Pankow. Mit 351 Fällen im Jahr 2017 führt er die neue Negativ-Liste der Innenverwaltung an. Fast genauso viele Taten (321) gibt es in Tempelhof-Schöneberg , wo Henry Dinter die Kolonie Grüne Aue leitet. Der 61-Jährige kennt das Problem: „Es gibt zwei Arten von Einbrüchen, solche mit Vandalismus und solche mit anschließender Übernachtung.“ So verrückt es klingen mag: Betrunkene Amateure sind offenbar viel häufiger als Profis, die gezielt Wertsachen abgreifen und türmen.

Zu den Hotspots der Lauben-Langfinger gehört auch Charlottenburg-Wilmersdorf (280 Fälle). Wie es ist, wenn die Einbrecher kommen, erlebte dort Thomas Stolpe (Kolonie „Am Stichkanal“ in Charlottenburg-Nord). Seine Frau und er entdeckten zwei Männer, die in ihrer Laube schliefen. Stolpe schloss die Gauner ein und rief die Polizei. Auch das Vereinsheim der Kolonie wurde mehrmals Ziel von Einbrechern. Zur Abwehr wurde der Zaun mit Nato-Stacheldraht gesichert.

Die Berliner Zeitung fragte bei der Polizei an, ob auch schon ein Einbruchstrend für 2018 vorliegt. Ergebnis: In 17 Berliner Ortsteilen gab es bereits 20 und mehr Taten (Stichtag: 26. Juli). Die meisten Vorfälle wurden in Schöneberg (79), Baumschulenweg (62), Lichterfelde (54), Heinersdorf (47) und Karlshorst (46) registriert. Im stark belasteten Ortsteil Schöneberg weisen die Kleingartenanlagen Spreewald (14), Lindenhain (13) und Wiedervereinigung (10) bisher die meisten Lauben-Einbrüche auf.

 Die Resultate zeigen, dass die Taten im Ost-West-Vergleich ziemlich gleichmäßig über die Stadt verteilt sind. Insgesamt gab es im Jahr 2017 genau 2220 Laubeneinbrüche in den 890 Kolonien mit 71 473 Parzellen. Im ersten Halbjahr 2018 zeichnete sich laut Polizei ein Rückgang um gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Dennoch ist jeder einzelne Fall einer zu viel: „Seelisch belastend ist es vor allem, wenn Fremde die eigene Wäsche durchwühlen“, sagt Henry Dinter von der Kolonie Grüne Aue. Das könne „ein richtiges Trauma“ sein.

Viele Gärtner sind von den Einbrüchen so desillusioniert, dass sie keine Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. In Einzelfällen wird den Tätern Alkohol hingestellt, damit sie besänftigt sind und nichts verwüsten.