Berlin - Für das Museum der Moderne im Kulturforum soll noch in diesem Herbst der erste Spatenstich getan werden. Mit der Fertigstellung des Gebäudes wird 2026 gerechnet. Das sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Hermann Parzinger, am Dienstag bei der Vorstellung der Pläne.

Weil Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zuvor verkündet hatte, dass sich die zunächst auf 200 Millionen Euro veranschlagten Ausgaben für das Projekt nun auf 450 Millionen Euro erhöhen, geriet die Präsentation der Pläne zur Rechtfertigung der Kostensteigerung. Parzinger sagte, dass der Bund das Geld für den Neubau investieren wolle, sei „ein großartiges Zeichen für die Kulturnation Deutschland und auch für den Museumsstandort Berlin“.

Die Baukosten beliefen sich auf 364 Millionen Euro. Hinzu kämen 52,2 Millionen Euro, die für künftige Baukostenerhöhungen eingeplant würden sowie eine Risikovorsorge in Höhe von 33,8 Millionen Euro.

Die Summe von 200 Millionen Euro sei vor fünf Jahren genannt worden, als es noch keinen Entwurf für das neue Museum und damit keine Berechnungsgrundlage für den Bau gegeben habe, führte Parzinger ins Feld. Auch zu den 200 Millionen Euro hätten steigende Baukosten und eine Risikovorsorge hinzugerechnet werden müssen.

Museum der Moderne soll unterirdisch mit der Neuen Nationalgalerie verbunden werden 

„Dennoch, es ist eine Menge Geld, ganz klar“, räumte Parzinger ein. Deswegen sei es wichtig, deutlich zu machen, warum der Bau notwendig sei. Da in der benachbarten Neuen Nationalgalerie nur ein Bruchteil der Sammlung der Moderne des 20. Jahrhunderts dauerhaft gezeigt werden könne, sei der Neubau erforderlich. Die Neue Nationalgalerie und das Museum der Moderne sollen unterirdisch miteinander verbunden werden.

„Unsere Sammlung hat sich seit den 1960er-Jahren durch die Zusammenlegung der Sammlungen aus Ost und West, durch zahlreiche Ankäufe und Schenkungen mindestens verdreifacht, aber sie ist zerrissen, über viele Standorte verteilt und aus Platzgründen immer nur in Ausschnitten zu sehen“, sagte der Leiter der Neuen Nationalgalerie, Joachim Jäger. Vieles schlummere im Depot.

„Es wird mit dem Neubau möglich sein, die Kunst des 20. Jahrhunderts von Max Beckmann zu Bruce Nauman, von Kurt Schwitters zu Jason Rhoades als Kontinuum zu erfahren“, so Jäger. „Der künftige Standort für die Kunst des 20. Jahrhunderts wird nicht nur die Neue Nationalgalerie mit dem Neubau verbinden, auch die Werkkonvolute der Sammlungen Pietzsch, Marx und Marzona erhalten ideale Präsentationsräume“, sagte Jäger. Überdies habe auch der Maler Gerhard Richter zugesagt, eine große Zahl von Werken für das neue Haus zur Verfügung zu stellen. Arbeiten aus dem Kupferstichkabinett und der Kunstbibliothek sollen die Präsentation abrunden.

Die Linke im Bundestag mag sich trotz großer Künstlernamen nicht einfach mit der Kostensteigerung abfinden. „Uns wurde eine günstige ,Scheune‘ für 200 Millionen Euro versprochen und wir bekommen jetzt ein Museum, für das wir auch ein neues Schloss bauen könnten“, sagt die Berliner Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch in Anspielung auf die Architektur, die manchen Kritiker an eine Lagerhalle in der Landwirtschaft erinnert. „Es kann nicht sein, dass sich der Preis noch vor dem ersten Spatenstich mehr als verdoppelt“, stellt die Linken-Abgeordnete fest.

Museum der Moderne: Zwei oberirdische und zwei unterirdische Geschosse geplant 

„Darüber werden wir im Haushaltsausschuss sprechen müssen.“ Der Neubau für das Museum der Moderne soll nach Plänen des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron entstehen, die durch den Umbau der Tate Gallery of Modern Art in London im Jahr 2000 international bekannt wurden. Sie haben sich 2016 mit ihrem Entwurf für einen hallen-ähnlichen Bau mit Spitzdach durchgesetzt, der auf einem freien Grundstück zwischen der St. Matthäus-Kirche und der Potsdamer Straße geplant ist. Auf dem 10.200 Quadratmeter großen Baugrundstück soll laut SPK eine Nutzfläche von 16.000 Quadratmetern entstehen, davon rund 9000 Quadratmeter Ausstellungsflächen.

Architekt Jacques Herzog verteidigte am Dienstag die neue Preiskalkulation. Ein großer Teil der Kosten habe mit dem hohen Aufwand zur Klimatisierung und dem Schutz der Räume zu tun, sagte er. Aber nicht nur die Preise haben sich geändert. Die Architekten mussten auch die Grundfläche um rund 15 Prozent verkleinern, um den Abstand zur St. Matthäus-Kirche und zu der als Naturdenkmal geschützten Platane an dem Standort zu vergrößern.

Um die benötigten Museumsflächen unterbringen zu können, soll nun mehr in die Tiefe gebaut werden. Neben zwei oberirdischen sind zwei unterirdische Geschosse geplant. Architekt Herzog interpretiert die Anordnung der Geschosse auf ganz eigene Weise. „Das eigentliche Raumkonzept des Gebäudes ist ein Haus als ein Raum“, sagte er.

Es gebe also nicht, „wie kolportiert wurde“, Tiefgeschosse. Alles sei oben. „Du befindest dich, auch wenn du unten bist, in diesem einen Raum“, sagte er. Zur Erklärung fügte Herzog hinzu: „Künstler haben es gar nicht gern, wenn sie an weniger guten Orten sind.“

Arno Lederer, der Vorsitzende der Jury, die den Entwurf von Herzog & de Meuron 2016 zum Sieger kürte, spart nicht mit Lob für das Projekt. Die Fassade sei „sehr, sehr fein gearbeitet“. Der Bau konkurriere nicht mit Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie und nicht mit Hans Scharoun, dem Architekten der Philharmonie. Die einfache Form des Museums der Moderne könne „wahrscheinlich am leichtesten“ zwischen den Häusern vermitteln, sagte er.