Berlin - Dennis Buchner hat einen Ruf zu verlieren. Aus seiner Zeit als Landesgeschäftsführer der Berliner SPD gibt es eine illustre Liste an Schimpfworten, mit denen er in den sogenannten sozialen Medien die politische Konkurrenz bedachte. „Idioten“, „Lügner“, „Arschlöcher“, „Gehirnamputierte“, „Hetzer“, „Orks“. Ach, man könnte ewig so weitermachen. 

Das ist jetzt ein paar Jahre her. Buchners Amtszeit endete Ende 2016, weil der damalige Parteichef Michael Müller ihn nicht mehr haben wollte. Buchners Ambitionen hat der Rauswurf nicht geschadet. Im Gegenteil: Michael Müller ist so gut wie weg, abgeschoben in den Bundestag. Und Dennis Buchner, ein erklärter Anhänger von Franziska Giffey, wurde am Dienstag von der SPD-Abgeordnetenhausfraktion als neuer Parlamentspräsident vorgeschlagen. Die Wahl des 44-Jährigen bei der konstituierenden Sitzung am Donnerstag nächster Woche gilt als sicher.

Buchner soll Nachfolger von Parteifreund Ralf Wieland werden

Der gebürtige Lübecker studierte Politologie in Bonn und Potsdam. Nach seinem Eintritt in die SPD und Jobs für Abgeordnete und Parteifunktionäre ließ er sich 2011 erstmals ins Abgeordnetenhaus wählen - als Direktkandidat in Pankow. Dieses Mandat hat er seitdem stets verteidigt. Seit zehn Jahren ist Buchner sportpolitischer Sprecher, seit neun Jahren gehört er auch dem Parlamentspräsidium an. Jetzt soll er Nachfolger von SPD-Urgestein Ralf Wieland werden.

Als Sportpolitiker plagt sich Buchner seit Jahren mit den Plänen für Abriss und Neubau des Jahn-Stadions in Prenzlauer Berg herum. Den Wünschen von Hertha BSC nach einem Auszug aus dem Olympiastadion und dem Neubau eines eigenen, privaten Stadions steht der erklärte Fan des 1.FC Köln seit Jahren mit einer Mischung aus Teilnahmslosigkeit und Indifferenz gegenüber. Das, so sagt er, sei nun wirklich und ausschließlich Sache des Vereins. 

So oder so wird sich das Abgeordnetenhaus auf einen ganz anderen Präsidenten-Typus einstellen müssen. Oder, um es mit Dennis Buchner in einem Tweet im Februar zu sagen: „Masturbieren gern weiter. Aber mit den Wi***ern von der AfD sollten wir Schluss machen. Möglichst schnell, sonst wird das Hirn leer.“ So etwas hat man von Ralf Wieland nie gehört oder gelesen. Bei dessen letzter Sitzung gab's Applaus von allen Fraktionen.