Berlin - Kaum ist die Nachricht bekannt, dass Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) seinen bisherigen Baustaatssekretär Epharim Gothe, 49, entlässt, da gibt es auch schon einen Nachfolger: Für die Umsetzung der ehrgeizigen Wohnungsneubaupläne des rot-schwarzen Senats in den kommenden Jahren wird künftig Engelbert Lütke Daldrup zuständig sein – ein erfahrener Stadtplaner und Dozent, der bei Ex-Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bereits Staatssekretär war und sich mit der Berliner Planung bestens auskennt. Zuletzt war der 57-Jährige Chef der Internationen Bauausstellung Thüringen.

Die genauen Gründe für die Entlassung Gothes, des ehemaligen Baustadtrats des Bezirks Berlin-Mitte, bleiben allerdings bisher im Dunklen. Senator Müller wollte sich am Nachmittag äußern, aus seiner Verwaltung hieß es vorerst nur, Gothe habe gute Arbeit geleistet. Auf die Frage, warum er dann gehen muss, wenn sich seine Aufgaben doch gar nicht geändert haben, gibt es nur vage Antworten. Gothe sei besonders gut in der Kommunikation und der Vermittlung unterschiedlicher Interessen bei großen und kleinen Projekten. Jetzt gehe es aber um die sichtbare Umsetzung konkreter Baupläne mit den Instrumenten Wohnungsbaufonds und Stadtentwicklungskonzept 2030. Dafür brauche man einen erfahrenen Organisator, hieß es.

Gothe wechselt als Beamter möglicherweise wieder zurück in die Stadtentwicklungsverwaltung. Er war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Gothe tat sich als Stadtrat unter anderem hervor, als er im Streit über die Wohnbebauung am Mauerpark für einen Kompromiss zwischen Parknutzer- und Investoreninteressen warb. Auch verhalf er dem Sozialprojekt „Schokoladen“ in Mitte, das von Schließung bedroht war, zu einer Lösung mit Hilfe einer Stiftung.

Mit Gothe verlässt bereits der sechste Staatssekretär die rot-schwarze Landesregierung. Erst vor wenigen Wochen musste Kulturstaatssekretär André Schmitz seinen Posten wegen einer Steuerbetrugsaffäre aus dem Jahr 2012 räumen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte davon gewusst, an Schmitz aber festgehalten.

Arbeitssenatorin Dilek Kolat hatte 2013 bereits ihren Staatssekretär für Arbeit, Farhad Dilmaghani, fristlos entlassen. Das Vertrauensverhältnis sei gestört, hieß es damals. Mit dem Wechsel an der Spitze der Wirtschaftsverwaltung von Sybille von Obernitz (parteilos) zu Cornelia Yzer (CDU) im Jahr 2012 mussten auch die Staatssekretäre Christoph von Knobelsdorff und Nicolas Zimmer ihre Posten räumen. Zimmer, einst CDU-Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus, wurde Chef der Technologiestiftung Berlin. Von Knobelsdorff klagt zurzeit auf Übergangsgeld für seine zehnmonatige Amtszeit. Der Staatssekretär für Soziales, Michael Büge (CDU), wurde 2013 von Senator Mario Czaja (CDU) entlassen, weil Büge seine Mitgliedschaft in einer rechtsnationalen Burschenschaft trotz gegenteiliger Ankündigung nicht aufgeben wollte.