Berliner Landesschülersprecher Konstantin Gülden: „Ein kostenloses Interrail-Ticket wäre toll“

Berlin - Leidenschaftlich – mit diesem Wort lässt sich Konstantin Güldens Verhältnis zu Europa am besten beschreiben. Gülden ist 18 Jahre alt und der oberste Schülersprecher von Berlin. „Ich liebe die Europäische Union“, sagt er über sich und steht damit repräsentativ für die überaus große Mehrheit der deutschen Jugendlichen, die die EU positiv bewerten.

„Ich mag die Freizügigkeit, ich finde es gut, dass man in vielen Ländern mit der gleichen Währung zahlen kann und es keine Grenzen mehr gibt“, sagt Gülden, der in diesem Jahr am Hans-Carossa-Gymnasium im Spandauer Ortsteil Kladow sein Abitur machen wird. „Und innerhalb der EU haben keinerlei Kriege mehr stattgefunden.“ Das sei vielen schon zu selbstverständlich. Gülden, der Biologie und Politik als Leistungskurse hat, freut sich auch, dass die EU bald die Roaming-Gebühren abschafft. Überfällig sei das.

Aber auch er sieht nicht alles durch die rosa Brille. „In der EU gibt es noch erhebliche Demokratiedefizite.“ Das EU-Parlament habe zu wenig zu sagen, zu viel werde von der Kommission entschieden. Mitunter fühle sich der Bürger ohnmächtig gegenüber Brüssel. Der Vorsitzende des Landesschülerausschusses glaubt aber, dass die meisten seiner Altersgenossen die EU ähnlich positiv sehen. „Das große Angstthema meiner Generation ist der derzeit der Rechtspopulismus. Die Angst davor, dass alte Zustände wiederkehren“, sagt Gülden, der bereits eine eigene Firma gegründet hat, die Websites einrichtet.

Zwar würden die meisten Schüler über Donald Trump oder Wladimir Putin eher lachen. Aber am merke schon, dass sich etwas verändere, auch in manchen osteuropäischen EU-Staaten. Dass die Jugendlichen in der Slowakei, in Polen und Tschechien derart gegen Flüchtlinge sind, stimmt ihn bedenklich. Womöglich habe das mit den vielen Umbrüchen der vergangenen Zeit und der angespannten wirtschaftlichen Lage zu tun.

In Berlin seien der Umweltschutz und die Digitalisierung weitere große Themen für heutige Jugendliche. Konstantin Gülden kann sich später gut vorstellen, auch mal im EU-Ausland zu studieren. Seine europäische Lieblingsstadt ist allerdings London. Sehr bedauerlich sei es, dass Großbritannien die EU verlassen werde. „Es wird dann ja auch schwieriger, sich Bildungsabschlüsse gegenseitig anerkennen zu lassen.“ Englisch kann er ganz gut, an Französisch, der zweiten offiziellen EU-Sprache, ist er gescheitert. „Obwohl ich das Land sehr mag“, sagt er. Stattdessen hat er Spanisch gelernt.

Wunsch: Politik als Pflichtschulfach

Als Schülervertreter setzt sich Gülden seit langem dafür ein, dass Politik reguläres Pflichtschuljahr an den Berliner Schulen wird. „Viele Schüler wissen zu wenig über die parlamentarische Demokratie und politische Prozesse“, sagt er und findet, dass dies auch mehr Verständnis für die EU schaffen würde. Ansonsten plädiert er dafür, Austauschprogramme für Schüler und Studierende weiter auszubauen.

„Das Erasmus-Programm ist so eine tolle Sache“, findet er. Und dann gebe es noch eine ganz besondere Idee, die er unterstützt, um junge Menschen für Europa zu begeistern: „Jeder EU-Bürger sollte zu seinem 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket geschenkt bekommen.“ Dann könnten alle jungen Leute Europa bei einer Rundreise erkunden. Von Spanien über Frankreich und Italien bis nach Polen, Tschechien oder Bulgarien.