Die Parzellen der Berliner Kleingärten werden in Zukunft kleiner. 
Foto: imago images/Sylvio Dittrich

BerlinBerlins Kleingärten stehen schon seit langem unter Druck. In einer wachsenden Stadt befinden sich die Grünflächen, die Berlin so besonders machen, inmitten zweier Interessensschwerpunkte. Auf der einen Seite sind Kleingärten heiß begehrt als potenzielles Bauland für Wohnungen, auf der anderen Seite sind sie grüne Oasen in einer Stadt, die vor herausfordernden Klimaveränderungen steht. Vor diesem Hintergrund hat die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr nun den Kleingartenentwicklungsplan 2030 (KEP) zum Beschluss im Abgeordnetenhaus vorgelegt. Was die grüngeführte Verwaltung unter Senatorin Regine Günther als Erfolg betrachtet, deuten Kleingartenverbände und Opposition eher als Stillstand.

„Von Entwicklung kann ich nicht so viel erkennen“, sagt Viola Kleinau. Sie ist  Vorsitzende des Bezirksverbandes  der Gartenfreunde Pankow e.V., gemeinsam mit den Verbänden aus Marzahn und Weißensee haben die Pankower einen Forderungskatalog zum Nachbessern aufgestellt.

Fristverlängerung statt Perspektive 

Im Kleingartenentwicklungsplan geht es um die Zukunft von 880 Berliner Kleingartenanlagen mit insgesamt rund 71.000 Parzellen. Seit 2014 werden Teile des Bestandes mit immer neuen Schutzfristen gesichert. Und auch im neuen KEP wird für zehn Prozent der Parzellen kein dauerhafter Schutz ausgewiesen, sondern lediglich eine Fristverlängerung bis 2030.

Immerhin für vier Fünftel aller Kleingartenflächen weist der KEP eine hohe bis sehr hohe Bedeutung im urbanen Kontext aus, so heißt es im Pan. Will sagen: Sie sind schutzwürdig für das Stadtklima, weil sie Kühlung, Versickerung und Verdunstung fördern, oder eine wichtige Rolle bei der wohnortnahen Versorgung mit Grünanlagen spielen. 82 Prozent der Gärten werden dauerhaft gesichert.

Dennoch steht ein Fünftel der Flächen weiter zur Disposition. 353 landeseigene Parzellen müssen in jedem Fall weichen – wie etwa die Kleingartenkolonie Nordkap (36 Parzellen) in Wedding für eine Klinik-Erweiterung, oder die 37 Parzellen der Kleingartenanlage „Hamburg“ in Pankow, die einer Kunsthochschule Platz machen müssen. „Mit jeder Legislaturperiode sind die Kleingartenflächen bisher weniger geworden“, sagt Viola Kleinau. In einer Liste haben die Kleingärtenverbände den weiter drohenden Verlust beziffert: Allein in Pankow sind demnach 2535 Parzellen bedroht, 2547 in Treptow Köpenick, 1064 in Lichtenberg. Auch die Größe einer Parzelle soll sich in Zukunft eher verringern. Von derzeit im Schnitt 342 auf künftig 250 Quadratmeter. Aus zwei werden drei, aus drei dann vier – so wie es passt. „Ein Taschenspielertrick, um die Zahl der Kleingärten in Berlin künstlich hoch zu halten“, kritisiert Jochen Brückmann (53) vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN).

15 Prozent der Berliner Kleingärten sind per B-Plan gesichert

„Gerade mal 15 Prozent der vorhandenen Kleingartenanlagen sind in Bebauungsplänen zur dauerhaften Sicherung festgeschrieben“, schreiben sie. Der KEP 2030 enthalte weder konkrete Sicherungsziele, noch Leitlinien und auch keine verbindliche Berliner Ersatzflächenkonzeption. Das Ziel, welches im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, nämlich alle Kleingärten dauerhaft zu sichern, werde verfehlt. Man hoffe nun auf das Kleingartenerhaltungsgesetz. „In diesem muss sich Berlin endlich dazu bekennen, welche Flächen es als Kleingartenflächen in der Stadt behalten will“, so Kleinau.

Die Nachfrage nach einem Stück Grün in der Nähe der Wohnung oder der Arbeitsstelle ist unvermindert da und in Corona-Zeiten sogar noch gestiegen. „In Alt-Pankow haben wir derzeit 1700 Bewerber auf der Liste“, sagt Viola Kleinau. In Weißensee sähe es ähnlich aus.

Damit die geplanten Vorhaben für ein grünes Berlin mit Kleingärten nicht nur Papier verbrauchen, fordern die Kleingartenverbände im Nordosten, konkrete Modellprojekte anzugehen: es müsse mindestens ein konkretes neues Wohnquartier benannt werden, in welches kleingärtnerisch nutzbare Flächen integriert werden sollen. Auch solle ein Modellprojekt für die Schaffung eines Kleingartenparks benannt werden.

Von der Opposition kommt hingegen ein anderer konkreter Vorschlag: Stefan Evers, Generalsekretär der Berliner CDU bringt die Gründung einer Stiftung Berliner Stadtgrün ins Gespräch. Unter deren Dach könnten die landeseigenen Flächen dauerhaft verwaltet und gesichert werden. „Seit 2014 wollte man das Instrument Schutzfrist beseitigen, doch auch sechs Jahre später bedient sich der KEP dieses Mittels“, ärgert er sich. Berlin hat eine Gesamtfläche von rund 89.000 Hektar. 2900 Hektar davon sind Kleingartenfläche – sie werden die Politik und Gärtner auch in Zukunft noch beschäftigen.