Berliner Leben in Zahlen: 7006 Fälle von Benzinklau in Berlin - viel oder wenig?

Zahlen sind emotionslos. Erst wenn man sie miteinander in Beziehung setzt, sie vergleicht, werden sie, nun ja, lebendig. Plötzlich erzählen sie, ob es uns gut oder schlecht geht, was teuer und was billig ist. Kurz: Ob es eben „viel oder wenig“ bedeutet. Es geht um Fakten des Berliner Alltags. Diesmal: Sprit-Diebstahl an Tankstellen

Delikt: Man kennt solche Vorgänge vielleicht aus dem Fernsehen, wenn Bilder aus Überwachungskameras von Tankstellen gezeigt werden. Ein Auto fährt an die Zapfsäule, der Fahrer steigt aus und tankt. Bis dahin ganz normal, doch dann steigt der Fahrer wieder ein und rast davon – ohne zu bezahlen. Kein schöner Vorfall für den Tankstellenbesitzer oder -pächter, denn in der Regel kann er den Verlust abschreiben.

Häufigkeit: Tankbetrug ist keine Seltenheit in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 86.358 solcher Delikte angezeigt. Das war im Vergleich zum Jahr 2013 ein Rückgang um etwas mehr als fünf Prozent, geht aus einer Studie des Vergleichsportals billiger.de hervor. Der Schaden daraus für die Tankstellen-Betreiber geht in die Millionen.

Hochburgen: Nach der Zahl der Tankbetrug-Delikte liegt Berlin an erster Stelle: 7006 mal füllten hier die Diebe im vergangenen Jahr die Tanks, ohne zu bezahlen. Eine solch hohe Zahl erreicht keine andere Stadt in Deutschland – was kein Wunder ist angesichts der Zahl der Einwohner, der Durchreisenden und der Tankstellen. An zweiter Stelle steht die Hansestadt Hamburg, in der es offenbar auch nicht nur ehrbare Kaufleute gibt. Hier schlugen die Diebe 2 697mal zu. Köln auf Platz drei kommt auf fast 2000 Delikte. Ganz unten in der Tabelle der 115 von billiger.de untersuchten Städte steht Aalen mit 15 Diebstählen von Benzin oder Diesel im Jahr – bei 20 Tankstellen.

Tankstellen: Ein heißes Pflaster für die Besitzer und Pächter ist Berlin auch dann, bezieht man die Zahl der Diebstähle auf die vorhandenen Tankstellen. Im Durchschnitt wird jede Berliner Tankstelle 24 mal im Jahr von Tankbetrügern heimgesucht. Damit hat Berlin die höchste Klau-Quote. Solingen mit 20 Fällen pro Tankstelle und Frankfurt am Main sowie Bottrop mit je 17 Fällen folgen dahinter. Dagegen leben die Tankwarte in Bayreuth, Stralsund oder Pforzheim ruhiger: Dort müssen sie nur zweimal im Jahr Tankfüllungen unter Verlust verbuchen. Aalen kann auch auf die Ehrlichkeit der Autofahrer vertrauen: Pro Tankstelle gibt es weniger als einen Sprit-Diebstahl pro Jahr.

Spitzenfeld: Berechnet man die Diebstähle je 100.000 Einwohner, ändert sich am Städteranking für Berlin nicht so viel. Berlin verliert zwar seinen unrühmlichen Spitzenplatz mit etwa 206 Sprit-Klauaktionen je 100.000 Einwohner, liegt aber dennoch weit vorn im Spitzenfeld. Solingen schlägt die anderen Städte mit der Quote von 341, und das beschauliche Saarbrücken drängelt sich mit dem Wert 232 ebenfalls an der Hauptstadt vorbei. In Nürnberg sind die Autofahrer ehrlicher: Dort gibt es 69 Diebstähle bezogen auf 100.000 Einwohner. Wobei diese Quoten nur Näherungswerte bieten können: Denn sie berücksichtigen nicht die Zahl der Reisenden und der Gäste, die in die Städte kommen – und auch nicht den Aktionsradius der Täter.

Aufklärung: Ob die Täter ermittelt werden, ist regional sehr unterschiedlich. In Berlin betrug 2014 die Aufklärungsquote rund 22 Prozent. Nur etwas mehr als jede fünfte Straftat wurde also aufgeklärt. In Solingen lag die Quote noch niedriger bei etwas über 13 Prozent. Die Polizei in Gera wiederum schafft es, vier von fünf Sprit-Diebstählen aufzuklären. Weiden in der Oberpfalz sollten die Diebe ganz meiden: In 92 Prozent der insgesamt 37 Delikte wurden die Täter ermittelt.

Branche: „Auf dem Schaden bleiben die Tankstellen sitzen“, sagt Geschäftsführer Stephan Zieger vom Bundesverband Freier Tankstellen. Bei der geringen Marge zwischen Ein- und Verkauf von Benzin müsse man es schon verkraften können, wenn je Diebstahl 40 oder 50 Liter Sprit verloren gehen. Das Geschäft der Tankstellen ist ohnehin härter geworden. Viele überleben ja nur deshalb, weil sie aus den Shop-Angeboten mehr Umsatz und Gewinn ziehen.

Täter: Zieger sagt, es gebe den einen Täter-Typ, der sich „über irgendetwas ärgert und dann einfach abhaut“. Viel schlimmer seien die anderen – die professionell vorgehen und dabei unter anderem gestohlene oder falsche Kennzeichen und/oder geklaute Autos verwenden. „Die kriegt man nicht so einfach, die tun alles dafür, dass sie nicht erkannt werden“. Und die lassen sich auch nicht von den Überwachungskameras beeindrucken. Seiner Meinung nach spielt der Preis des Benzins eine untergeordnete Rolle beim Klauen. „Es hört einfach nicht auf, ein Problem zu sein“, sagt er.

Also: Viel oder wenig? Wenn jemand Angst wegen Tankdiebstahl haben sollte, dann sind es die Berliner Tankwarte. Vor allem die, an deren Tankstelle man schnell ran-, aber vor allem auch schnell wieder wegkommt.