Mauerstücke oder Berliner Bären aus Plüsch? Die beliebten Hauptstadt-Souvenirs könnten schon bald ernstzunehmende Konkurrenz bekommen. Zumindest wenn es nach Tobias Oertel geht. Der Chef einer Berliner Vertriebsfirma für Kondome und Gleitmittel möchte nächstes Jahr sechs Millionen seiner „Berlin-Condome“ in der Hauptstadt verteilen. Dabei handelt es sich zunächst um ganz normale Verhütungsmittel, wie sie auch in Drogerien oder an Automaten erhältlich sind. Aber auf die Verpackung kommt es an. Die soll mit einem einheitlichen Berlin-Logo versehen sein. Und das Ganze gäbe es auch noch umsonst.

Tobias Oertel treibt diese Idee seit nunmehr einem Jahr voran. „Kondome symbolisieren vor allem Weltoffenheit und einen unverkrampften Umgang mit Sex. Daher passen sie besser zu Berlin als Miniaturfernsehtürme aus Plastik“, findet der Unternehmer. Das nötige Kleingeld für die Produktion will Oertel bei Berliner Unternehmen einsammeln. Die Kondome finanzieren sich ausschließlich über Sponsoren, die auf der Verpackung für sich werben können. Doch bis dahin dürfte es noch ein langer Weg sein. Lediglich fünf Werbepartner hat er bisher für die Idee gewonnen. Zur erfolgreichen Umsetzung wären aber zwölf nötig, erklärt der Unternehmer.

Unterstützung aus der Politik

Daher wirbt er auch in der Berliner Politik und Verwaltung für seine Hauptstadt-Gummis. Offenbar mit Erfolg: Bei der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz ist die Idee bereits auf offene Ohren gestoßen. „Gerade weil die Idee innovatives Stadtmarketing mit Maßnahmen zur Prävention von Aids verbindet, finden wir sie äußerst interessant“, bekräftigt die Sprecherin Sabine Kneiding. Thomas Isenberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Berliner SPD geht sogar noch weiter: „Die beiden Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Gesundheit müssen endlich ihre Köpfe zusammenstecken, um eine solche Idee auch umzusetzen.“

Vorbild New York City

So ungewöhnlich die Berliner Idee auf den ersten Blick erscheinen mag. Eigentlich ist sie nur abgeguckt von einer anderen Metropole: New York City. Dort wird das „NYC Condom“ seit 2007 von den Gesundheitsbehörden kostenlos in der ganzen Stadt verteilt. Die Verpackung haben die New Yorker praktisch im Alleingang kreiert. Letztes Jahr konnten alle Einwohner Vorschläge für ein neues Design einreichen. Unter den Einsendungen wählten sie schließlich ihren Favoriten aus. Jetzt ziert alle Verpackungen ein übergroßes, buntes „Start“- Symbol, wie es weltweit an Computern und anderen elektronischen Geräten zu finden ist.
Vielleicht versteht man diese Symbolik in Berlin als Weckruf für die eigenen Verhütungspläne.