Berlin - Seit über einer Woche können sich Berliner im Impfzentrum gegen das Coronavirus impfen lassen. Bisher sind es die über 80- und 90-Jährigen, die eine Einladung erhielten. Doch das Prozedere läuft für sie nicht so reibungslos ab, wie es die Senatsgesundheitsverwaltung gerne darstellt. Das liegt nicht nur an den zu geringen Impfstoffmengen, die die Hauptstadt mit wöchentlich knapp 29.000 Dosen erhält. Bereits die Terminvergabe wird für Senioren zum Problem, wie auch Mario Czaja, Präsident des Berliner Deutschen Roten Kreuzes (DRK), erfahren hat. „Ich habe gehört, dass Berliner bis zu zwei Stunden in der Leitung der Anmeldehotline warten mussten“, sagte er der Berliner Zeitung.

Der Unmut wächst. Berliner berichten, auch gegenüber dieser Zeitung, wie schwer es momentan ist, trotz Einladung einen Impftermin zu bekommen. „Weder funktioniert das Onlinesystem, noch ist es möglich, über die angegebene Rufnummer einen Termin zu erhalten“, klagt Christina M., die am Dienstag vergeblich versuchte, einen Termin für ihre Eltern, beide 84 Jahre alt, zu ordern.

Über technische Schwierigkeiten berichtet auch der 84-jährige Knut B., der am Dienstag seine Einladung bekam. „Seitdem versuche ich stündlich, über die Service-Website von berlin.de und die Hotline einen Termin zu buchen, kann aber nur in Erfahrung bringen, dass das Bestellsystem gestört ist“, sagt er.

Fehlermeldung beim Aufruf der Online-Buchung

Ein Selbsttest. Im Internet scheint es beim Aufrufen der Buchungsseite in der Tat Schwierigkeiten zu geben, die offenbar davon abhängen, welcher Online-Browser benutzt wird. Beim Verwenden mancher Browser wird nach Eingabe der Adresse service.berlin.de/corona eine Fehlermeldung angezeigt. Laut Detlef Cwojdzinski, Projektsteuerer Impfzentren Berlin, war einmal die Online-Terminvergabe für 30 und einmal für 40 Minuten nicht verfügbar.

Allerdings ist es wichtig, bei Angabe der Adresse konsequent die Kleinschreibung anzuwenden. Das Wort Corona darf zum Beispiel beim Browser Chrome nicht mit einem großem „C“ geschrieben werden. Klappt alles, wird zunächst das Corona-Serviceportal des Landes Berlin gezeigt. Allerdings muss der Nutzer sich durch die Seiten scrollen, bis er nach mehreren Informationen über den Impfvorgang am Ende der Seite den recht klein aufgeführten Link zur Terminbuchung findet. Doch auch bei der nächsten Seite ist der Impfkandidat längst nicht am Ziel. Ebenfalls recht klein steht dort am Ende der Link zum eigentlichen Buchungsportal des Dienstleisters Doctolib.

Dort stehen am Mittwochnachmittag drei Impfzentren zur Auswahl. Die Arena Berlin in Treptow, das bisher einzige Impfzentrum, gefolgt vom Erika-Heß-Stadion in Wedding, das am Donnerstag öffnet, und der Messehalle 21 auf dem Messegelände unter dem Funkturm, die ab 18. Januar als Impfzentrum zum Einsatz kommt. Der Versuch, einen Termin zu bekommen, klappt nur bei der Arena, bei den anderen Zentren erscheint eine Fehlermeldung. Nach ein paar Sekunden wird im Terminfenster für die Arena als nächstmöglicher Termin der 20. Februar um 15.45 Uhr angezeigt. Zwei Stunden später steht bei der Wiederholung des Testes plötzlich der 23. Januar mit Terminen um 16.45 Uhr und 17.15 Uhr im Feld.

Tim-Christopher Zeelen, Gesundheitsexperte der Berliner CDU-Fraktion, findet die Terminvergabe über das Internet zu umständlich, sie sollte vom Senat verbessert werden. „Kein Wunder, dass die ältere Menschen, die gerade geimpft werden sollen, zum Telefon greifen“, sagt er. Doch auch dieser vermeintlich leichtere Weg führt zu Problemen. Nach der Wahl der Hotline-Nummer bekommen Impfkandidaten bereits in der einminütigen Ansage zu hören, dass die Nummer „derzeit stark frequentiert wird und es daher zu längeren Wartzeiten kommen kann“.

Ein Mitarbeiter der Hotline, der in einem Callcenter in Brandenburg sitzt und anonym bleiben will, berichtet von einem großen Andrang von Berlinern. „In den vergangenen Tagen hatten wir bis zu 300 Anrufe täglich, die wir bearbeiten. Daher kam es schon vor, dass das System zusammenbrach.“ Die Gespräche mit den Menschen, die einen Impftermin haben wollen, dauerten bis zu 15 Minuten pro Anrufer. „Es müssen Daten aufgenommen werden, dazu kommt, dass viele Anrufer noch Fragen zur Impfung haben oder wie sie zum Impfzentrum kommen“, sagt der Mitarbeiter. „Das dauert und führt am Ende für die Nachfolgenden zu langen Wartezeiten in der Leitung.“

Für den CDU-Abgeordneten Zeelen sei auch die Durchführung der Hotline verbesserungswürdig. Das ständige Debattieren über den Impfbestand bringe derzeit keinen weiter. „Jetzt kommt es darauf an, das Impfen mit den vorhandenen Dosen für die Berliner zügig zu ermöglichen.“ Dies fange bereits bei der Terminvergabe an, so Zeelen.

Die Senatsgesundheitsverwaltung erklärt, dass die Impfungen in Berlin gut angelaufen seien. „In dieser Woche sind im Impfzentrum durchschnittlich etwas über 1000 Termine zur Impfung gebucht“, so ein Sprecher. Beim DRK, das die Einrichtung Treptow betreibt, weiß man aber auch, dass nicht alle kommen, die einen Termin haben. „In der vergangenen Woche sind bis zu zehn Prozent der angekündigten Menschen zum Impfen nicht erschienen“, sagt der Berliner DRK-Präsident Czaja. Über die Gründe kann Czaja nur Vermutungen anstellen. „Mancher fühlt sich über den Impfstoff nicht genug aufgeklärt, hat daher Ängste. Es können auch persönliche Gründe sein oder man will warten und gemeinsam mit seinem Partner zum Impfen gehen, wenn dieser eine Einladung hat.“

74 Prozent der Pflegeheim-Bewohner haben sich impfen lassen 

Die Senatsgesundheitsverwaltung erklärt, dass mit Stand vom Mittwoch die rund 31.600 in Berlin lebenden über 90-Jährigen Berliner zur Impfung eingeladen wurden. Ebenfalls wurden Einladungen an die etwa 62.400 Berliner versendet, die 85- bis 89 Jahre alt sind. Warten müssen noch die etwa 133.000 Berliner zwischen 80 und 84 Jahren. Der Versand der Einladungen konnte aufgrund der aktuell verfügbaren Menge an Impfstoff noch nicht begonnen werden, hieß es. Man bereite diesen aber aktuell vor.

Wie viele von denen, die bisher zum Impfen ins Impfzentrum eingeladen wurden, einen Termin buchten und diesen auch wahrnahmen, darüber schweigt die Behörde von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) trotz mehrerer Anfragen der Berliner Zeitung. Aus gutem Grund, wie Insider erklären. Sie vermuten, dass die Zahl derer, die sich einen Termin buchten, gerade einmal zwischen zehn und 20 Prozent liege.

Die Gesundheitsverwaltung teilt nur Zahlen über die Impfbereitschaft der Berliner aus den Pflege- und Altenheimen mit.  Diese klingen auch nach Erfolg. Dort seien durch die mobilen Impfteams bislang 21.428 Erstimpfungen durchgeführt worden, so ein Sprecher. „Das entspricht bei rund 29.000 Berlinern in Pflegeeinrichtungen einer Quote von etwa 74 Prozent.“