Wer diese Wohnung verlässt, muss sich keine Sorgen machen. Ein Knopfdruck gleich neben der Tür und alles ist sicher ausgeschaltet: der Herd, die Kaffeemaschine, das Bügeleisen. Der Kühlschrank bleibt natürlich an. Die intelligente Wohnung weiß, was Strom braucht und was nicht, wenn ihr Bewohner das Haus verlässt. Und sie kann noch einiges mehr. Ist irgendwas anders als sonst, wird automatisch eine Nachricht an Angehörige oder den Pflegedienst verschickt – zum Beispiel per SMS. Sensoren registrieren, wann das letzte Mal gelüftet wurde, ob sich der Bewohner lange nicht bewegt hat oder zu wenig Wasser aus Hahn und Dusche geflossen ist.

Ambient Assisted Living (AAL) heißt diese Technologie. Mit ihrer Hilfe sollen alte Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können – gut versorgt und betreut. Seit über demografischen Wandel und höhere Lebenserwartung diskutiert wird, widmen sich Ingenieure, Informatiker und andere Wissenschaftler zunehmend Technologien, die Hände, Augen und Ohren von Pflegekräften zumindest teilweise ersetzen können. Mehr als 125 Millionen Euro hat auch das Bundesministerium für Forschung in die Entwicklung von altersgerechten Assistenzsystemen investiert.

In Berlin ist die Technik von morgen jetzt in eine Musterwohnung in Marzahn eingezogen. Birgit Wilkes, Professorin für Telematik an der Technischen Hochschule Wildau südlich von Berlin, hat sie gemeinsam mit Firmenpartnern ausgerüstet. Auf 140 Quadratmetern sind 88 Assistenzsysteme eingebaut, die älteren Menschen ein selbstständiges Leben ermöglichen sollen.

Wilkes sitzt auf dem höhenverstellbaren Bett im Schlafzimmer und drückt auf einen Schalter am Nachtisch. Eine Lichtleiste kurz über dem Fußboden erhellt den Weg zum Badezimmer. „Manchmal reichen schon einfache Dinge, um den Alltag zu erleichtern“, sagt sie. Jedes Jahr sterben in Deutschland nach Angaben des Fraunhofer-Instituts rund 40 000 alte Menschen an den Folgen von Stürzen. „Gerade beim nächtlichen Gang auf die Toilette fallen ältere Menschen häufig hin, weil sie schläfrig sind“, sagt Wilkes. Das Licht habe auch psychologische Wirkung. Es gebe dem Bewohner ein sicheres Gefühl. Der Bettvorleger registriert zudem einen Sturz aus dem Bett und kann sofort Alarm schlagen.

Die Zahl älterer und alleinstehender Menschen nimmt stetig zu. 2030 werden allein in Deutschland rund 22 Millionen Menschen leben, die älter sind als 65 Jahre, berichtet das Statistische Bundesamt. Vor allem Frauen leben im Alter allein. Die meisten von ihnen möchten so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Nach Untersuchungen des Bundesbauministeriums stehen die Chancen dafür schlecht: Nur fünf Prozent von elf Millionen Seniorendomizilen sind altersgerecht gebaut – ohne Stufen, Schwellen und mit passenden Bädern. Doch durch neue Technik könnte man Hilfen individuell anpassen.

So kommt dem Bewohner in der altersgerechten Wohnung vieles entgegen, wonach er sich sonst recken und strecken müsste. Das Geschirr im Oberschrank fährt herunter, so dass man es sogar vom Rollstuhl aus erreichen kann. Das gilt auch für die Kleider oben im Schrank. Um Vorhänge am Fenster abzunehmen und zu waschen, muss man keine Leiter betreten – die Gardinenstange lässt sich elektrisch absenken. Heizkörper mit intelligenten Ventilen regeln sich selbst herunter. Jedes Zimmer wird nur auf Wohlfühltemperatur gebracht, wenn es auch benutzt wird.

+++ Im nächsten Abschnitt lesen Sie, wie die Wohnung gestaltet ist und wann sie besichtigt werden kann +++