Maria am Ostbahnhof / Maria am Ufer

„Die Maria“ war ein Ort, der liebevoll und rau zugleich war. Eine Konzert- und Partylocation mit einem wunderbar zarten Namen. Am Ostbahnhof, wo sie bis 2001 in der alten DDR-Paketpoststelle residierte, habe ich sie leider nicht erlebt, dafür am Ufer der Spree – was zum Glück nicht weit entfernt war. Als Heimstatt der Techno-Szene galt sie immer, für mich aber sind die Konzerte in dieser alten Fabrikhalle in besonderer Erinnerung geblieben. Da war dieses Gefühl, irgendwo am Stadtrand gelandet zu sein, obwohl man mittendrin war in der City.

Die roten Buchstaben des Namenszuges ragten verheißungsvoll vom Dach in den Berliner Nachthimmel. Nur wenige Meter entfernt klopfte die Geschichte der geteilten Stadt mit der East Side Gallery an. Man wusste das fahle Mondlicht auf der Spree, während man in der „Maria“ der Welt entfloh. Besonders schön war‘s im Herbst: Drinnen war ich von durchdringenden Gitarren-, Bass- oder Pianoklängen umhüllt, während draußen Regen gegen die Betonwände peitschte. Unvergessen ein Abend im November 2004, weil alles genau so war und einfach stimmte: Bei einem Konzert der Hamburger Band „Kante“. Hach! Mandy Ganske-Zapf

Wann?
Die „Maria“ gab es von 1998 bis 2001 als „Maria am Ostbahnhof“ und von 2003 bis 2011 als „Maria am Ufer“.

Wo?
„Maria am Ostbahnhof“ war in der alten DDR-Paketpoststelle am Stralauer Platz 34 und als „Maria am Ufer“ an der Schillingbrücke.

Warum geschlossen?
„Die Maria“ war einer der ersten Clubs an der Spree in Friedrichshain. Nach dem Abriss der alten Paketpoststelle kam Ende 2002 der Umzug ans Spreeufer. Die Fabrikhalle der „Maria am Ufer“ am neuen Standort sollte im Jahr 2011 eigentlich den Bauplänen eines Investors weichen. Der Mietvertrag lief aus, es schien auf Abriss hinauszulaufen. Daraus wurde bis heute nichts – danach kam das „Magdalena“ als Nachfolgerin an Ort und Stelle, darauf folgte das Reggae-Partydomizil "Yaam" (seit 2014), das durch den Umzug vor der Schließung bewahrt wurde.

Publikum/Musikrichtung
Die Technoszene fand sich in der „Maria“ gern ein, wenn Fritz Kalkbrenner, Paul Kalkbrenner, T. Raumschiere oder die Gebrüder Teichmann am Mischpult standen. Außerdem war es eine angesagte Location für Live-Musik aller Art von Pop, Rock bis Death Metal. Das Publikum querbeet.

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Dschungel

Wir waren sehr jung, studierten in Berlin und trugen Brille - also ganz schlechte Voraussetzungen, um vor den gottgleichen Türstehern des Dschungels zu bestehen und eingelassen zu werden. Meine Freundin und ich verbrachten ganze Sonnabende damit, uns für den Abend zu stylen. Was anziehen? Wie die Haare frisieren? Wie das Gesicht möglichst abgefuckt, aber dennoch gut aussehend schminken? "Das ist die Eintrittskarte für den Dschungel!" war eine vollkommen akzeptierte Begründung, wenn es darum ging, Klamotten, Schuhe oder Lidschatten zu kaufen.

Und damit dann frühestens um Mitternacht, besser noch später, an den Wittenbergplatz zu pilgern. Das unsichere Kichern in eine blasierte Divenhaltung verwandeln, an der Tür klingeln und rein in diese im Vergleich zu heutigen Locations relativ kleine Disco. Ja, das sagten wir damals noch, denn den Begriff Club verwendete man nur im Zusammenhang mit dem Golfsport, für den sich in Deutschland aber ohnehin niemand interessierte.

Drinnen war alles ziemlich dunkel, die Tanzfläche hinten winzig, die Musik sehr laut. Auf der oberen Ebene war es immer voll und viel zu eng. Das Barpersonal behandelte uns junge, unbekannte, nicht aufgesexte Frauen mit größtmöglicher Arroganz. Die Luft war praktisch sauerstofffrei, weil praktisch alle rauchten. Wir auch.

Das Stammpublikum war viel älter als wir, und keineswegs waren jede Nacht Berühmtheiten dort. Manchmal aber doch. So auch an jenem Abend, als wir aufgeheizt vom legendären „Sign o' the Times“ Konzert von Prince zum Weitertanzen in den Dschungel fuhren. Prince trafen wir dort nicht, dafür tanzte ich irgendwann mit Mick Hucknall, der am selben Abend mit Simply Red in der Stadt gespielt hatte. Mensch, war das aufregend! Antje Kraschinski

Wann?

1978 bis 1993

Wo?

Nürnberger Straße 53

Warum geschlossen?

Von der Realität überholt: Statt in engen Clubs tanzten die meisten in den 1990er Jahren lieber auf der Straße bei der Loveparade - oder wenigstens in viel größeren Locations.

Publikum/Musikrichtung

Das Publikum war vor allem eines: cool. Viele Promis wurde gesichtet, David Bowies Besuche im Dschungel sind inzwischen Teil der Geschichte West-Berlins. Die Musik: Alles, was damals zum Tanzen antrieb und nicht in den Charts zu finden war.

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Bar 25 / Kater Holzig

2004 stellten ein paar Hedonisten Bretterbuden und ausrangierte Autoscooter an der Spree auf und bespielten sie bis in die späten Nachmittagsstunden mit melodischen Wummerbässen – fertig war die Bar 25.

Aus dem Mythos der Berliner Partyszene (dem der Dokumentarfilm „Tage außerhalb der Zeit“ ein Denkmal gesetzt hat), in dem die Nächte niemals endeten, wurde im Laufe der Jahre ein mittelständisches Unternehmen mit Club, Zirkus, strenger Tür und einem Restaurant, in dem schon mal Minister aßen. Nur gehörte das Gelände, ein Filetstück des Bauprojekts Mediaspree, eigentlich der BSR. Und so war 2010 Schluss.

Auf der anderen Spreeseite ging es weiter: Der Club hieß nun Kater Holzig und bot neben der altbewährten Abenteuerspielplatz-Holzhütten-Ästhetik auch einen Ort für Kultur - von der Fil-Show bis zu Flohmärkten, Swing-Tanzkursen, kulinarischen Genüssen im Restaurant Katerschmaus und dem Saunawagen im Schnurrbad. Nicht zu vergessen die legendäre Party „Sasomo“: Samstagsonntagmontag.

All das gibt es jetzt auch wieder, im Nachfolger-Nachfolger-Club Kater Blau, Fotoautomat und Feuerstelle inklusive. Aber während das Zwischennutzungsprojekt Kater Holzig noch vom Zauber der Vergänglichkeit zehrte, scheint der Charme nun verflogen – irgendwie wirkt die Neuauflage mehr wie ein Abziehbild als wie die Wiederherstellung der ursprünglichen Utopie. Maike Schultz

Wann?
Eröffnet im Juli 2011, nur einen Katzensprung vom Vorgänger entfernt auf der gegenüberliegenden Flussseite. Zum letzten Mal gefaucht im Januar 2014: Nach Silvester feierte der Club sieben Tage am Stück den Abschied. Um dann im August auf dem alten Bar-Gelände als Kater Blau wiederaufzuerstehen.

Wo?
In der Michaelkirchstraße 23, auf dem Gelände einer alten Seifenfabrik, wo 1991 schon der Warehouseclub „Planet“ und 1993 der „Earth Club“ residierten. Jetzt wieder an der Holzmarktstraße 25.

Warum geschlossen?
Der Kater Holzig war von Beginn an nur als Provisorium gedacht, der Mietvertrag zeitlich begrenzt. Und die Betreiber-Familie aus inzwischen rund 50 Gesellschaftern und Angestellten schaffte es tatsächlich, das Gelände ihrer geliebten „Villa Kunterbunt“ zurückzuerobern: Sie holten sich das Grundstück in einem Bieterverfahren über eine Schweizer Stiftung und haben es nun gepachtet. Auf 18.000 Quadratmetern entsteht dort mit dem Mörchenpark ein Kreativdorf, das Technoclub, Hotel, Studentenwohnungen, Ateliers, Einkaufsläden, Park und sogar eine Kita beherbergt.

Publikum
Dasselbe schrullige Feiervolk, das schon die Bar 25 besucht hatte – erweitert um Massen von Glitzer-geschminkten Partygängern, die vom Hype um das Original angelockt wurden. Und ihre Konfettibeutel im MDMA-Rausch dann oft draußen beim Warten entleerten, weil die Schlange so lang war.

Musikrichtung
Elektro, House, Afterhour, Minimal Techno

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Far Out

Das „Far Out“ war in den 80er Jahren Kult. Jeder hatte irgendeine Meinung zu dieser Discothek (ja, so hieß das damals noch); die einen verabscheuten den Laden, weil er von den Sannyasins, den Anhängern Bhagwans betrieben wurde. Die anderen suchten genau das: das Spezielle, das Ungewöhnliche. Schon die helle Einrichtung unterschied sich von anderen Discotheken, ganz zu schweigen von dem überdimensionalen Bild des Gurus an der Wand und den in orange gekleideten Mitarbeitern, die mit ihren obligatorischen Holzketten unverkennbar waren.

Die Musik lag im Mainstream, die gute Laune beim Tanzen war Programm. Um Punkt Mitternacht gab es immer ein Lied für die Angestellten, gefolgt von einem Walzer und dem nahtlosen Übergang zu Rock und Pop.

Der Laden war nicht sonderlich groß und immer brechend voll. Auf der kleinen Tanzfläche war es eng, vor allem bei den vielen Tänzern, die sich mit vollem Körpereinsatz der Musik hingaben. Wem es zu warm wurde, der zog die Schuhe aus; barfuß zu tanzen, hatte durchaus seinen Charme.

Vor rund zehn Jahren hat das „Far Out“ geschlossen, ein Überbleibsel findet man dienstags im Maxxim an der Joachimsthaler Straße mit einer „Far Out Ü30 Party“. Das Erstaunlichste daran ist, dass man die Tänzer aus den 80ern dort wiederfindet. Nur sind sie alle ein wenig älter geworden. Wie ich auch. Antje Trölsch

Wann?
1983 bis 2006

Wo?
Am Lehniner Platz am oberen Ende des Kurfürstendamms gegenüber der Schaubühne

Warum geschlossen?
Im September 2006 war das „Far Out“ insolvent und schloss daher die Türen – immerhin erst 16 Jahre nach dem Tod von Bhagwan – dem Begründer einer Sekte, deren Anhänger Sannyasins genannt wurden.

Publikum/Musikrichtung?
Bunt gemischtes Publikum

Berühmte Stammgäste?
WestBam soll mal vorbeigeschaut haben, um einen Blick auf das Tanzvolk zu werfen.

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Knaack Klub

Ach, das Knaack – es war eine Hausmarke im Winsviertel. Der Laden eröffnete 1952 als Jugendklub und sollte sich zum ältesten Ostberliner Livemusikclub entwickeln. Rockgruppen spielten kleine Konzerte, eigene Musik, populäre Songs aus dem Osten von "Renft" bis "City", aber auch Cover-Songs aus dem Westen. Schon in den 70er Jahren begann der zarte Wandel in Richtung Diskothek, in die sich jedoch erst mit der Wende 1989 die ganze Palette internationaler Musik fürs Berliner Partyvolk ergießen konnte. Legendär war dann schnell die „Darmwäsche“ im Keller, mit Alternative-Rock und Crossover. Independent gab es vor allem auf dem zweiten Floor von "The Smiths" bis "Pixies", ganz oben lief Pop und Rock für jedermann.

So begannen die 90er. Bis 2010 hatte das Knaack mit gutem Musik- und DJ-Repertoire stets seinen festen Platz in der Berliner Clublandschaft. Trotzdem kam dann nach 58 Jahren das Ende. Das war unfreiwillig. Mitarbeiter des Bauamtes hatten vergessen, dass in einem nebenstehenden Neubau spezielle Schallschutzwände errichtet werden müssten. Über die nächtlichen Bässe aus dem Knaack beschwerten sich die neuen Nachbarn, die DJs durften nur noch leise Musik (mit einem Lärmmessgerät auf dem Pult!) spielen - doch mit dezenter Kuschelmusik lässt sich kein Club betreiben.

Namensgeber war übrigens der Kommunist und NS-Widerstandskämpfer Ernst Knaack (1914 bis 1949). Nach ihm wurde die naheliegende Knaackstraße benannt - und der Klub. Nun soll der Klub bald zurückkehren, und zwar an einem neuen Standort am Mauerpark in der Eberswalder Straße. Zurzeit verhandelt der Bezirk mit den Knaack-Leuten über das Grundstück, der Bezirk fühlt sich offenbar schuldig wegen der Schließung. Die Architekten haben schon einen Bau entworfen. Bis zur Eröffnung kann es aber noch ein Weilchen dauern. Mandy Ganske-Zapf und Stefan Strauß

Wann?
1952 bis 2010

Wo?
Greifswalder Straße 224

Warum geschlossen?
Lärmschutzklagen zwangen die Betreiber in die Knie, die schließlich frustriert den Laden schlossen.

Publikum/Musikrichtung
Jeder, der Bock hatte, in Prenzlauer Berg tanzen zu gehen. Auf drei Floors lief hier fast alles, was das Herz begehrt.

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Festsaal Kreuzberg

Er schwitzte, zog sich aus, sprang ins Publikum und kletterte das Geländer wie ein wilder Affe herauf. Für mich war es das beste Konzert, was ich je erlebt hatte: Les Savy Fav im Festsaal Kreuzberg, 2007. Frontmann Tim Harrington ist berühmt für seine Showeinlagen und kennt eines sicher nicht: Scham.

Ein Abend, den ich nie vergessen werde. Ich stand mit meiner besten Freundin direkt vor der Bühne, einmal berührte ich seinen schweißgebadeten Rücken. Ein Traum! Im Festsaal an der Skalitzer Straße habe ich mich immer wohl gefühlt. Die Menschen waren nett, die Konzerte meistens super, die Lage nahezu perfekt.

In der Nacht, als der Club durch ein Feuer zerstört wurde, war ich gerade mit Freunden unterwegs. Meine Freundin brach sich an diesem Abend in Friedrichshain den Fuß, wir fuhren alle ins Krankenhaus. Ich war leicht beschwipst. Und fand es ganz schrecklich, dass mein geliebter Festsaal in diesem Moment ausbrannte. Das mit dem Fuß war aber auch schlimm. Corinne Plaga

Wann?
Seit 2004 als Club genutzt - bis zum Brand im Juli 2013

Wo?
Skalitzer Straße 130

Warum geschlossen?
Nachdem der Festsaal im Juli 2013 abgebrannt war, scheiterte ein Wiederaufbau am Hauseigentümer, der dort ein Büro- und Geschäftshaus errichten will. Ursache für das Feuer war ein technischer Defekt. Nun suchen die Betreiber verzweifelt nach einer neuen Location.

Publikum/Musikrichtung
Indie-Rock/-Pop, Hardcore, Hiphop, es gab auch andere kulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel Modenschauen, Diskussionen und Filmvorführungen

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WMF

Das letzte WMF war schon so etwas wie sein eigenes Museum: ein Club in der achten Auflage, die Räume im alten Fernmeldeamt der DDR, der Tresen ein Relikt aus dem Palast der Republik, Schiebetüren aus der ehemaligen Stasi-Kaderschule im Haus am Köllnischen Park - das WMF war ein Stück Clubgeschichte aus der Zeit, bevor Clubs aus Holzbrettern gezimmert wurden. Stattdessen: dieser DDR-Schick, dazu futuristische Kuben an der Decke und eine Tanzfläche, so dunkel und vernebelt, dass man sich darauf verlieren konnte.

Es war irgendwie selbstverständlich, dass die Partys im letzten WMF ausschweifend wurden, das verlangte schon der Mythos, der Club übersprang quasi seine Aufwärmphase. Zur Eröffnung spielten Modeselektor, danach folgten Boys Noize, Major Lazer, Ellen Allien, die Sick Girks, Peaches, Puppetmastaz, Bands, von denen man heute viele nur noch auf großen Festivals sieht. Es war immer laut, immer schweißtreibend wild - und irgendwann war dann plötzlich wieder zu.

Aber auch das hatte ja immer zum WMF dazugehört, das 1990 das erste Mal in der alten Württembergischen Metallwarenfabrik in der Leipziger Straße aufmachte, dann in eine ehemalige Toilettenanlage am Potsdamer Platz umzog, in einen Packhof in der Ziegelstraße, ins Café Moskau und ins ehemalige Gästehaus des Ministerrates der DDR in der Johannisstraße. Ein Club auf Zeit, der die blinden Flecken der wiedervereinigten Stadt besetzte. Die sind nun langsam verschwunden - und mit ihnen Clubs wie das WMF. Anne Lena Mösken

Wann?
1990 bis 2010

Wo?
Es gab insgesamt acht Stationen, die Umzüge gehörten bald zum Markenzeichen des Clubs. Letzter Halt war im ehemaligen Fernmeldeamt in der Klosterstraße 44.

Warum geschlossen?
Das WMF zog nicht mehr die Massen in den Laden, dann kam die Kündigung vom Vermieter – und in diesem Fall keine Neuauflage mehr.

Publikum/Musikrichtung
Technoliebhaber, Szenepublikum und jeder, der sich vom Mythos angezogen sah

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Ackerkeller

Die richtige Mischung aus Jugendheim und Darkroom, Stadtteildisco und Indieschuppen war der Ackerkeller auf selbiger Straße in Mitte. Heute ist es kaum zu glauben, dass es an der Ackerstraße, nahe der „Seven Lounge“ der Moderatorin Mo Asumang, mal einen Club alternativer Machart gab. Der Ackerkeller war queer, lange bevor dieses Wort für alternative schwul-lesbische Kultur Mode wurde und Indie, bevor Schwule und Lesben den Indierock für sich entdeckten.

Als die erste Gentrifizierungswelle über Mitte rollte, wollte man auch auf der Ackerstraße den Ackerkeller nicht mehr haben, plötzlich war’s zu laut, wenn der kleine Club seine Abende hatte. Der Ackerkeller musste schließen und zog eine Zeit lang noch als Konzept durch andere Clubs. Mittlerweile ist die Ackerstraße so aufregend wie ein Parkplatz am Sonntagnachmittag, die Zeit von Clubs wie dem Ackerkeller aber ist ohnehin vorbei. Auch die „Seven Lounge“ gibt es längst nicht mehr. Marcus Weingärtner

Wann?
1992 bis 2009

Wo?
Ackerstraße 12, 2. Hinterhof

Warum geschlossen?
Der Ackerkeller fiel der Gentrifizierung in Mitte zum Opfer. Lärm war nicht mehr erwünscht.

Publikum
Twens, Feierlustige, schwullesbisches Publikum

Musikrichtung
einfach jede Musik, die auf die Tanzfläche zieht - von Oldies bis Rock und sogar Schlager

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Magnet Club

Der Magnet gehörte zu den traditionsreicheren Berliner Clubs. Als verlässlich gute Musik spielender Indierock-Schuppen blühte er in Kreuzberg in den Ex-Räumen des alten 103 noch mal richtig auf, nicht zuletzt dank seiner perfekten Lage zwischen den Indie-Konzertsälen Astra und Lido.

Als ehemalige Bewohnerin der Falckensteinstraße war ich oft und gerne im Magnet: Nach der Zoot-Woman-Show noch ne‘ Runde tanzen. Spontan bei der Mermaids-Party im Comet Club vorbeischauen (der sich die Räumlichkeiten mit dem Magnet teilte). Sich noch mal wie eine Studentin fühlen, bis der Schweißgeruch nicht mehr auszuhalten war, freitags beim Indie-Kollektiv. Eines der ersten Konzerte der Mighty Oaks erleben, lange bevor sie beim Lollapalooza-Festival vor Zehntausenden spielten. Ich sehe die engen, verwinkelten Räume noch vor mir: Unten Hauptfloor, oben Lounge-Bereich mit Raucherzimmer, und immer war es überall heiß. Maike Schultz

Wann?
Von 2001 bis 2010 residierte der Magnet in Prenzlauer Berg an der Greifswalder Straße, bis er aus Gründen der Gentrifizierung nach Kreuzberg umzog und dort für fünf weitere Jahre zu einem Zentrum der lokalen Indierock- und Hipster-Kultur wurde.

Wo?
Falckensteinstraße 48

Warum geschlossen?
Der Betreiber – eine Einzelperson, die ungenannt bleiben möchte und auch keine Gründe für die Schließung nennt – hat sich aus dem Magnet zurückgezogen. Der Betrieb geht aber nahtlos weiter: Seit dem 11. September läuft der Magnet-Nachfolgeclub Musik & Frieden, die auch die Partyreihe Indie-Kollektiv übernimmt. Neue Betreiberin ist die Konzertagentur Landstreicher Booking (Kraftklub, Casper, K.I.Z). Die offizielle Eröffnung von „Musik & Frieden“ ist für den 14. November geplant.

Publikum
Wer schon immer einen Erasmus-Studenten aus Skandinavien abschleppen wollte, war im Magnet genau richtig.

Musikrichtung
Indie, Rock, Live-Konzerte, donnerstags Space-Electro