Berlin - Bus- und Bahnfahrten in Berlin und Brandenburg sollen im Sommer teurer werden. Geplant ist, die Fahrpreise zum 1. August zu erhöhen. Am morgigen Mittwoch will der Beirat der Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) darüber beraten. „Abonnenten werden geschont“, sagte der VBB-Chef Hans-Werner Franz. Dafür müssen Gelegenheitskunden mit spürbaren Fahrpreissteigerungen rechnen – aber auch Schüler.

Der Berliner Zeitung liegt das Tarifkonzept vor. Danach sollen die Fahrpreise in Berlin im Durchschnitt um 2,6 Prozent steigen. Das gilt für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die S-Bahn Berlin, die Deutsche Bahn (DB) Regio und alle anderen Nahverkehrsunternehmen. Einige der geplanten Tariferhöhungen gehen jedoch über den Mittelwert hinaus. So soll der Einzelfahrschein für Berlin (Berlin AB) statt 2,30 künftig 2,40 Euro kosten – rund vier Prozent mehr.

Auch teurere Schülertickets

Für die Umweltkarte für Berlin und Umland (Berlin ABC) wollen die Betriebe 95 Euro nehmen, für das Ticket für Berlin 77 Euro – ebenfalls rund vier Prozent mehr. Zum Vergleich: Vor 14 Jahren kostete eine Monatskarte für Berlin noch umgerechnet 47,55 Euro. Geplant ist auch, im August die Schülertickets erneut zu verteuern – in Berlin von 27 auf 28 Euro. Sie waren auf Druck des Senats, der Familien nicht belasten will, bei vorangegangenen Preiserhöhungen öfter ausgespart worden. Dagegen soll das Jahres-Abo lediglich um 2,2 Prozent verteuert werden: auf 710 Euro. „Wir wollen Stammkunden, die uns lange treu sind, nicht so sehr belasten“, sagte ein Manager. Auch die Vier-Fahrten-Karte wird nur wenig teurer. Sie soll künftig 8,40 Euro kosten, eine Verteuerung von fünf Cent pro Fahrt.

Der VBB-Facharbeitskreis Tarif und Vertrieb hatte die Preisliste Anfang Februar vorgelegt. Zu den Details wollte sich Verbund-Chef Franz am Montag noch nicht äußern. Er wies aber darauf hin, dass die endgültige Entscheidung über die neuen Tarife erst im VBB-Aufsichtsrat fallen wird – Mitte März. Es sei bereits vorgekommen, dass die Politik Änderungen durchgesetzt habe. Der Verbund repräsentiert Berlin und Brandenburg sowie die 14 Landkreise und vier kreisfreien Städte in Brandenburg.

Doch auch für Franz steht fest, dass die Preise steigen müssen. Die jüngste Anhebung wurde zum 1. Januar 2011 wirksam, liegt also länger zurück. Seitdem wurde die Energie drastisch teurer. Die BVG verbraucht pro Jahr fast 50 Millionen Liter Diesel. Allein von 2009 auf 2010 stiegen ihre Ausgaben für Kraftstoff um 16,2 Prozent, dann noch einmal um 14,3 Prozent.

Der Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller (SPD), stellte angesichts des Streits um höhere Löhne bei der BVG und der S-Bahn-Probleme in Frage, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für Preiserhöhungen ist. „Die BVG muss nachweisen, dass die Erhöhungen wirtschaftlich erforderlich sind“, so seine Sprecherin Petra Rohland. Intern hieß es, dass bei einem längeren BVG-Streik Tarifanhebungen schwer durchsetzbar wären.

„Ein Vorstoß zur Unzeit“

„Das ist ein Vorstoß zur Unzeit“, kritisierte Stefan Gelbhaar von den Grünen. Der Lohnstreit bei der BVG sei noch nicht beendet. Er forderte die Verkehrsbetriebe auf, ihre Kalkulationen offenzulegen. „Einnahmeerhöhungen sollten nicht über höhere Fahrpreise, sondern durch mehr Fahrgäste erzielt werden“, so der Linken-Verkehrspolitiker Harald Wolf. Höhere Preise seien auch deshalb schwer vermittelbar, weil die S-Bahn nur eingeschränkt leistungsfähig ist.
„Die S-Bahn kann immer noch nicht so viele Züge, wie sie versprochen hatte, auf die Strecke schicken“, sagte Frank Böhnke vom Deutschen Bahnkunden-Verband. „Und bei der BVG sind die Straßenbahnen und Busse nicht schneller geworden.“ Für eine Erhöhung der Fahrpreise gebe es „keinen zwingenden Grund“.