Berliner Nahverkehr: Fast eine Milliarde Fahrgäste bei der BVG

Noch wird kalkuliert, noch werden die Bilanzen zusammengestellt. Doch es zeichnet sich ab, dass 2013 für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ein sehr erfolgreiches Jahr sein wird. So zeigen erste Rechnungen, dass die Zahl der Fahrgäste so stark gewachsen ist wie lange nicht. Sie hat einen deutlichen Sprung in Richtung Milliarde gemacht.

Auch die Fahrgelderträge sind deutlich gestiegen. Unterm Strich könnte das Landesunternehmen dieses Jahr mit einem niedrigeren Defizit abschließen als bisher bekannt geworden ist. „Schöne Erfolge“, lobt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. „Jetzt erwarten wir, dass mehr Busse und Bahnen eingesetzt werden – und es 2014 keine Fahrpreiserhöhung gibt.“

Die Stagnation ist vorbei, Berlins Wirtschaft wächst – stärker als im übrigen Bundesgebiet. Wohnungen werden gebaut, Arbeitsplätze geschaffen. Das verschafft dem Berliner Nahverkehr mehr Kundschaft.

Immer mehr Abonnements

War die BVG im vergangenen Jahr für 937 Millionen Fahrten genutzt worden, liegt die Zahl für 2013 um einen größeren zweistelligen Millionenbetrag darüber, heißt es intern. Die Zielmarke von einer Milliarde Fahrgäste pro Jahr, die BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta gesetzt hat, kommt früher als erwartet in Sicht.

Dank einer Tarifanhebung sind die BVG-Fahrgeldeinnahmen noch stärker gestiegen. Landeten im vergangenen Jahr rund 569 Millionen Euro in den Kassen, werden die Erträge 2013 die 600-Millionen-Marke übersteigen. Dass es mehr Berufstätige gibt, die den Nahverkehr regelmäßig nutzen, bekommen die Mitarbeiter in den Kundenzentren zu spüren: Die BVG verkauft immer mehr Abonnements. Hatte sie 2007 noch 193.000 Stammkunden, hat sich die Zahl ungefähr verdoppelt.

Zusätzliche Fahrten gefordert

Die positive Entwicklung schlägt sich in weiteren Kennzahlen nieder. So gehen die BVG-Finanzplaner davon aus, dass die Verschuldung in diesem Jahr kaum ansteigen wird. Ende des vergangenen Jahres beliefen sich die Kreditverbindlichkeiten auf fast 821 Millionen Euro. Das Defizit, das zunächst auf 54 Millionen Euro veranschlagt worden war, wird erheblich niedriger ausfallen. Zuletzt sprach die BVG-Chefin Nikutta von 40 Millionen Euro, neuerdings ist von 37 bis 38 Millionen die Rede.

Damit ist absehbar, dass sich die Vorstandsmitglieder erneut auf üppige Zusatzvergütungen freuen können. Im vergangenen Jahr hatte Nikutta zusätzlich zu ihrem Gehalt von 290.000 Euro 87.000 Euro Tantiemen erhalten, ihre Kollegen Henrik Falk (Finanzen) und Lothar Zweiniger (Personal) je 72.000 Euro.

Von dem Aufschwung müssten auch die Fahrgäste profitieren, fordert Jens Wieseke. Über Jahre hinweg sei das Verkehrsangebot nicht erweitert worden, inzwischen seien viele Strecken überlastet. „Die U 2 und die U 8 sind im Berufsverkehr voll, da wölben sich die Wagenwände im übertragenen Sinne nach außen“, sagt der Verbands-Vize.

Wie berichtet, will der Senat der BVG mehr Geld zahlen, damit sie zusätzliche Fahrten anbietet – im nächsten Jahr vier Millionen, dann 7,5 Millionen Euro. Doch die BVG tue sich schwer, heißt es. Fahrzeuge und Werkstattkapazitäten fehlen.