Sie sind klimatisiert, werden von Videokameras überwacht, sie sollen leiser als ihre Vorgänger sein und 40 Jahre halten. Die neuen S-Bahnen, für die am Dienstag der Kaufvertrag unterschrieben wurde, sollen den Fahrgästen viele Vorteile bieten. Doch für die Steuerzahler hat die Investition, die auf 900 Millionen Euro beziffert wurde, eine negative Seite. Sie wird den S-Bahn-Betrieb auf einem großen Teil des Netzes stark verteuern. Die Grünen sprachen vom „miesesten S-Bahn-Deal aller Zeiten“. Neue, qualitativ hochwertige Züge seien nun mal teuer, sagte dagegen Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD).

2012 hatten Berlin und Brandenburg ein Drittel des S-Bahn-Verkehrs ausgeschrieben. Der Wettbewerb sollte dazu führen, dass bessere und dauerhaftere Züge eingesetzt werden. Zunächst wurde mit fünf Bietern gesprochen, so Gaebler. Am Ende habe nur noch ein Unternehmen an dem Verfahren teilgenommen. Wer das war, kann man sich denken: Die S-Bahn Berlin GmbH erhielt den Zuschlag für den Vertrag, der von 2021 bis 2035 gilt.

Klimatisierung in allen Wagen

Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wird weiterhin die Ringlinien S 41 und S 42 sowie die S 46, S 47 und S 8 betreiben. Am Dienstag hat es die ersten 106 Züge bestellt. Das Konsortium Stadler Pankow/ Siemens liefert 85 vier- und 21 zweiteilige Einheiten – 382 S-Bahn-Wagen. Die ersten zehn Wagen sollen 2020 kommen, die letzten 2023.

Künftig kostet jeder Kilometer, den ein Zug auf den fünf Linien zurücklegt, für die Länder 15,66 Euro, sagte Jan Werner vom Beratungsunternehmen KCW. Zum Vergleich: Nach dem jetzigen Vertrag werden pro Zugkilometer 8,96 Euro fällig, würde er fortgeschrieben, wären es 10,67 Euro. „Es ist nicht von der Hand zu weisen: Es gibt eine Preisdifferenz“, so Werner. Die Kosten für die Fahrzeuge seien dafür verantwortlich, sagte er.

Die S-Bahnen müssen 229 Anforderungen erfüllen. So müsse es an den Türen zu den Rollstuhlplätzen ausfahrbare Schwellen geben, die den Spalt zwischen Bahnsteig und Zug zum Teil überbrücken. Die Länder forderten auch Außenlautsprecher und große Mehrzweckabteile. Luxuriös sind die Wagen aber nicht. Sie bekämen keine „Super-Duper-Klimaanlage“, so Gaebler. Die Klimatisierung sorge nur dafür, dass es zwischen Drinnen und Draußen drei Grad Celsius Differenz gibt.

Längere Züge auf dem Ring

Ziel ist auch, dass auf den fünf Linien mehr Wagen als heute eingesetzt werden. Für die Fahrgäste auf dem Ring heißt das, dass dort längere Züge unterwegs sind – mit acht statt wie heute mit sechs Wagen.

Der neue Vertrag sieht vor, dass die S-Bahn-Züge auf den fünf Linien in Berlin 115,1 Millionen und in Brandenburg 12,5 Millionen Kilometer utücklegen. Dafür zahlt allein Berlin rund 1,8 Milliarden Euro.

Doch so stark wie auf dem Ring und im Südosten würden die Betriebskosten anderswo nicht steigen, sagte Gaebler. Auf den übrigen Linien sollen die Züge der Baureihe 481 im Einsatz bleiben. Das halte die Kosten niedrig. Unterm Strich müsse Berlin für den gesamten S-Bahn-Verkehr von 2017 bis 2035 im Schnitt 25 Millionen Euro mehr pro Jahr zahlen. Die im Vergleich zu einer Fortschreibung des Vertrages höheren Kosten würden aber durch erhöhte Zahlungen des Bundes fast aufgefangen, hieß es.