Die Zukunft der Cuvrybrache ist besiegelt. Deutschlands größter Online-Händler Zalando zieht auf das Grundstück, um das Investoren, Senat, Initiativen und obdachlose Besetzer jahrelang stritten. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände an der Kreuzberger Cuvrystraße laufen schon erste Bauarbeiten. Löcher im Zaun geben den Blick auf Bagger, Arbeiter, Baucontainer und geparkte Autos frei. „Ja, es ist richtig, wir werden dort Mieter“, bestätigt Zalando-Sprecherin Nadine Przybilski.

Der Bezug des „Cuvry Campus“ gehört zur Wachstumsstrategie des Online-Händlers. Der neue Standort bietet 34.000 Quadratmeter Bürofläche in zwei Gebäuderiegeln, die im Stil historischer Kontorhäuser errichtet werden. Der jetzige Eigentümer des Areals, die Nieto GmbH & Co. Verwaltungs KG, gibt an, dass es reine Büro- und Geschäftshäuser werden. Die Pläne, auf dem Areal auch Wohnungen zu bauen, sind endgültig vom Tisch.

Zalando stellt rund 1000 neue Mitarbeiter in Berlin ein

Für Zalando entscheidend war, dass das Cuvry-Grundstück nur zehn Minuten Fußweg vom künftigen „Zalando Campus“ an der Mercedes-Benz-Arena entfernt liegt. Dort wollte Zalando eigentlich ab 2018 seine Berliner Aktivitäten bündeln. Aber obwohl auch dort noch gebaut wird, zeichnete sich längst ab, dass der Platz nicht ausreicht. Der Konzern wächst so schnell, dass zusätzlich der Cuvry-Standort benötigt wird. „Die ersten Teams können voraussichtlich Ende 2019 dort einziehen“, sagt Sprecherin Nadine Przybilski.

Noch nicht entschieden wurde, welche Zalando-Abteilungen nach Kreuzberg aufs Cuvry-Gelände ziehen. Gleiches gilt für die Frage, ob die Standorte der Abteilung „Mode und Einkauf“ am Ostkreuz und der „Tech Teams“ an der Mollstraße in Mitte beibehalten werden. Derzeit sieht es so aus, als könnte Zalando sämtliche Flächen gut gebrauchen. Denn allein 2017 sollen 2000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, davon 1000 in Berlin. Dann hätte das 2008 als Start-up gegründete Unternehmen 6500 Arbeitsplätze in der deutschen Hauptstadt.

Senat wollte Wohnungsbau

Die Ankündigung von Zalando stößt beim Berliner Senat auf ein geteiltes Echo. Es sei zwar gut, so eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Als „Wunschvariante“ für die Entwicklung des Kiezes hatte das Land Berlin jedoch anderes im Sinn. „Die Gegend könnte günstige Neubauwohnungen, eine Kita und einen öffentlich zugänglichen Uferstreifen gut gebrauchen“, sagt die Sprecherin. Alle Versuche, den Eigentümer für ein solches Vorhaben zu gewinnen, seien aber gescheitert.

Auch juristisch steht der Umsetzung der Zalando-Pläne nichts im Wege. Es gibt eine etwa 15 Jahre alte Baugenehmigung, nach der eine reine Büro- und Geschäftsnutzung zulässig ist. Nach Angaben von Zalando wird allerdings auch die Einrichtung eines Kiez-Treffs geplant.