Berliner Parkanlagen: Fußball zwischen Grabsteinen

Berlin - Rücksichtsvoll sollen die Besucher sein, die alten Grabsteine inmitten der neuen Spielgeräte seien noch „Orte der Andacht und Trauer“, so steht es in der Parkordnung von Berlin neuester Grünanlage an der Heinrich-Roller-Straße in Prenzlauer Berg. Hunde sind verboten, Grillen und Partys auch. Nachts sind die Tore verschlossen.

Leise-Park heißt das 6 600 Quadratmeter große Areal auf dem Friedhof St. Marien und St. Nikolai. Es gibt dort Hängematten, Hochstände, Podeste und Spielgeräte inmitten von Grabsteinen und Steinplatten. Ein Rundweg mit Bänken führt über das Gelände mit vielen alten Bäumen, es gibt Liegewiesen und viel Platz für Picknick, Fußball und Versteckspiele.

Den Namen Leise-Park haben sich die Anwohner ausgedacht. Ohne ihren Protest würde es den Park im dicht besiedelten Wohnviertel rund um die Winsstraße gar nicht geben. Mit 237 Einwohnern pro Hektar ist die Bewohnerdichte dort fast doppelt so groß wie im übrigen Prenzlauer Berg.

Die Geschichte des Leise-Parks begann vor fünf Jahren. Damals erfuhren die Anwohner, dass die Evangelische Kirche ein Teilstück ihres Friedhofes verkaufen will. Wohnhäuser sollten entstehen. Empörter Nachbarn gründeten die Bürgerinitiative Rollerfriedhof. Sie forderten, das Grün zu erhalten.

Sie hängten Transparente auf und schimpften auf die Kirche. „Ist Euch nichts mehr heilig als das Geld?“ steht noch immer an einem Balkon. 5 500 Menschen unterschrieben die Forderungen, die Listen bekam der Senat und reagierte. Für 1,9 Millionen Euro kaufte das Land Berlin 2010 die Friedhofsfläche.

Der Bezirk Pankow veranstaltete Workshops, die Bewohner planten ihren Park, den Charakter des Friedhofs wollten sie erhalten. 371 000 Euro kostete der Umbau, finanziert aus einem Förderprogramm. „Dieser Park ist etwas ganz Besonderes“, sagt Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung in Pankow.

In den vergangenen Jahren wurden in Berlin 15 Friedhöfe geschlossen. Es wird immer weniger Fläche benötigt, die Begräbniskultur ändert sich. Nur noch 30 Prozent der Berliner wünschen eine Erdbestattung – 12,6 Quadratmeter sind dafür vorgesehen. Urnengräber brauchen nur 2,9 Quadratmeter. Die Kirche verkauft die ungenutzten Flächen als Grünfläche oder Bauland.