Nach der ausschweifenden Party Berliner Polizisten, die zu einem G20-Einsatz nach Hamburg geschickt worden waren, demonstrieren die Polizeiführungen Hamburgs und Berlins plötzlich Einigkeit.

„Nach jetzigem Stand ist klar: Disziplinarwürdig ist an diesem Verhalten nichts“, sagte der Sprecher der Berliner Polizei, Winfrid Wenzel, in der RBB-Abendschau. Es gebe keine Belege, keine Aussagen von Zeugen, keine Videoaufnahmen oder Fotos, die „in irgendeiner Weise disziplinare Folgen“ haben müssten. Es gebe keinen Anlass für Bewertungen, die im Zusammenhang mit einem „Sexskandal oder Orgien stehen würden“. Diese Einschätzung sei „nahezu hundert Prozent im Einklang mit dem, was die Hamburger Polizei umfassend und akribisch ermittelt“ habe, sagte er. Hamburgs Polizeisprecher Timo Zill sagte dieser Zeitung: „Wenn die Polizei Berlin zu dem Schluss gekommen ist, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, werden wir weiter gewohnt gut mit den Berliner Kollegen zusammenarbeiten.“

„Aus Hamburger Sicht ist diese Angelegenheit somit abgeschlossen“

Die Hamburger Polizei hatte sich zuvor anders geäußert. Sie hatte die drei Berliner Einsatzhundertschaften und den Führungsstab in der vergangenen Woche nach Hause geschickt. Grund war eine Party, die die Beamten in der 70 Kilometer entfernten Unterkunft in Bad Segeberg veranstaltet hatten. Die Hamburger warfen ihnen „unangemessenes Verhalten“ vor und erklärten: „Der Polizeiführer hat entschieden, diese Kräfte, die bislang noch nicht in Hamburg eingesetzt waren, mit sofortiger Wirkung wieder aus dem Einsatz zu entlassen.“ Der Polizeiführer habe damit deutlich gemacht, dass ein derartiges Verhalten von Polizeibeamten nicht akzeptabel sei.

Am Dienstag wandte sich Polizeipräsident Klaus Kandt in einem Rundschreiben an seine Kollegen. Von den Vorwürfen bleibe kritikwürdiges Verhalten einiger Einsatzkräfte außerhalb des Dienstes wie Lärm und Urinieren auf dem Unterkunftsgelände, schrieb Kandt. „Alle anderen in den Raum gestellten Vorwürfe (Sachbeschädigungen, übermäßiger Alkoholgenuss, sonstiges strafrechtlich relevantes Verhalten) haben sich nicht bestätigt.“ Die Geschehnisse zeigten allerdings auch deutlich, wie schnell das Verhalten einzelner das Ansehen der Polizei auf den Prüfstand stellen könne.“ Kandt schreibt auch, dass es sensibilisierende Gespräche zum Thema „Rolle und Selbstverständnis der Polizei“ gebe: „Aus Hamburger Sicht ist diese Angelegenheit somit abgeschlossen.“

Der private Wachdienst, der die Unterkunft bewachte, soll vom Hamburger Einsatzleiter angewiesen worden sein, die 210 Polizisten aus Berlin auszuspionieren und jede Auffälligkeit zu fotografieren. „Niemand verspricht mir die Aufklärung, ob der Sicherheitsdienst die Anweisung bekam, uns in der Freizeit auszuspionieren“, sagte ein Vorgesetzter der Berliner Beamten.

Lange Konflikte

Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen Berlin und Hamburg sollen nach Aussagen mehrerer Polizeibeamter alte Querelen zwischen den Polizeien beider Stadtstaaten sein. Zudem gebe es Differenzen über die Einsatztaktik. „Während sich die Berliner auf beweissichere Festnahmen von Störern spezialisiert haben und schon lange nicht mehr Wasserwerfer einsetzen, werfen die Hamburger lieber Wasser, auch weil das nicht so hässliche Bilder wie bei Festnahmen gibt“, sagt ein Bereitschaftspolizist.

„Das werde unter Hamburger Kommando dieses Mal auch so sein. Das sehe man auch an der viel zu klein dimensionierten Gefangenensammelstelle, die dort eingerichtet wurde. Ein Sprecher der Hamburger Polizei bestätigte, dass die Sammelstelle Platz für 400 Insassen hat. Viele Festnahmen bei 8000 erwarteten gewaltbereiten Demonstranten seien also von nicht vorgesehen, mutmaßt der Berliner Bereitschaftspolizist.