BerlinDeutschland impft. Zunächst wird seit Sonntag das Serum gegen das Coronavirus bundesweit an die Bewohner der Alten- und Pflegeheime verabreicht. Aber auch die Mitarbeiter dieser Einrichtungen gehören zu den Ersten, die den Impfstoff bekommen können. Etwa 23.100 von ihnen arbeiten in den 313 Heimen der Hauptstadt (Stand 2019). „Nach ersten Rückmeldungen aus den Berliner Einrichtungen unseres Verbandes ist die Impfbereitschaft bei dem Pflegepersonal als sehr, sehr hoch einzuschätzen“, sagte Marie Sieprath, Vize-Landeschefin des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (BPA), der Berliner Zeitung.

In der Hauptstadt können sich derzeit die Pflegekräfte im Impfzentrum in der Arena Berlin in Treptow das Serum verabreichen lassen. Am Tag zwei der Impfungen gegen das Coronavirus trafen dort die Willigen, die einen Termin haben, alle halbe Stunde ein. Zu ihnen gehört Daniela Tarnow. Die 60-Jährige leitet die Seniorenresidenz Fürsorge im Alter in Steglitz mit 148 Bewohnern. In dem Haus arbeiten 106 Kollegen. Einen Corona-Fall gibt es nicht in der Einrichtung. Und das soll auch so bleiben, sagt Tarnow. „Die ersten Kollegen hatten schon am Sonntag hier einen Termin. Für sie sei es selbstverständlich gewesen, sich mit einer Spritze vor Corona zu schützen. Schon aus Fürsorgepflicht den Bewohnern ihres Hauses gegenüber, aber auch aus Eigenschutz.“

Seit Tagen wurden in den Berliner Einrichtungen die Mitarbeiter auf das Impfen vorbereitet. Die Leitungen der Häuser haben Listen mit den Namen der Beschäftigen, die sich freiwillig gegen Corona spritzen lassen wollen, an die Senatsgesundheitsverwaltung geschickt oder haben dies noch vor. „Im Gegenzug bekommen sie von der Behörde die Codes für die Mitarbeiter, mit denen sie über das Internet oder telefonisch einen Termin im Impfzentrum buchen können“, sagt BPA-Vize Sieprath.

Das tat auch Thomas Hase, der sich am Montag in der Arena den Impfstoff gegen das Covid-19-Virus verabreichen lassen will. Der 48-Jährige ist stellvertretender Pflegedienstleiter im Seniorenheim Walke in Lankwitz. 20 Mitarbeiter gebe es in der kleinen Einrichtung, auch sein Kollege Dennis Mwakapi sei heute zum Impfen gekommen.

Foto: Gerd Enfgelsmann
Heimleiterin Daniela Tarnow vor dem Impfzentrum in Treptow: „Für meine Mitarbeiter ist es selbstverständlich, sich und andere vor Corona zu schützen.“

„Impfen ist in meinen Augen die erste Bürgerpflicht, um mich und die Bewohner meines Heimes zu schützen“, sagt Hase. 44 Menschen leben in der Lankwitzer Einrichtung, die bisher noch coronafrei sei. „Morgen ist ein mobiles Impfteam in unserem Haus. Immerhin wollen sich 39 Bewohner impfen lassen“, erzählt Hase. Auch für Dennis Mwakapi war es selbstverständlich, schnell einen Impftermin zu buchen. Es gebe keine Alternative für das Impfen, sagt der 53-Jährige. „So kann ich sicher sein, keinen unseren Bewohner bei der Arbeit anzustecken.“ Über 150 Pfleger und auch Ärzte der mobilen Impfteams waren es, die bereits am ersten Impftag in das Impfzentrum in Treptow kamen, berichtet Mario Czaja, Präsident des Landesverbands Berliner Rotes Kreuz, dieser Zeitung. In den Heimen wurden am Sonntag über 1800 Bewohner geimpft, teilte die Kassenärztliche Vereinigung mit.

Die hohe Impfbereitschaft unter dem Pflegepersonal, wie es sie offenbar in Berlin gibt, ist aber nicht überall in Deutschland der Fall. Aus einigen Bundesländern treffen Meldungen ein, aus denen hervorgeht, dass Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen dem Impfstoff recht skeptisch gegenüberstehen. So wollte sich in der Pflegeeinrichtung in Sachsen-Anhalt, in der bereits am vergangenen Sonnabend die erste Deutsche gegen das Coronavirus geimpft wurde, nur ein Viertel der insgesamt 40 Beschäftigten das Serum geben lassen, wie Heimleiter Tobias Krüger erklärte. Er selbst habe die Impfung bekommen.

In den nordrhein-westfälischen Städten Gelsenkirchen und Mühlheim hätte sich am ersten Impftag nur jede zweite Pflegekraft impfen lassen, während 95 Prozent der Bewohner in den Heimen sich für den kleinen Piks gegen das Virus entschieden hatten, berichtet die Westfälische Allgemeine Zeitung. In Essen beispielsweise wollen sich am Sonntag nur 54 von 120 Mitarbeitern impfen lassen. Um keine der wertvollen Dosen wegwerfen zu müssen, die ohne extreme Kühlung nicht haltbar sind, wurden kurzerhand 24 Feuerwehrleute bedacht, hieß es weiter.

Nach Gründen für die Ablehnung wurde nicht gefragt, schließlich ist das Impfen gegen Corona freiwillig. Dass es Impfgegner unter dem Pflegepersonal gibt, scheint aber nicht überraschend. Laut einer aktuellen Umfrage der Universität Erfurt, die kurz vor den Weihnachtstagen im Auftrag des Robert-Koch-Institutes (RKI) gemacht wurde, seien insgesamt nur 49 Prozent der Deutschen bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr hatten sich noch 79 Prozent der Befragten für eine Impfung ausgesprochen.