Berlin - Wie soll der Checkpoint Charlie einmal aussehen? Wenn es nach der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geht, etwa so: zwei öffentliche Plätze, freie Brandwände, Museum auf der Ostseite, keine Türme, mehr Wohnungen, kein Hotel. Das birgt einigen Sprengstoff, widerspricht es doch teils fundamental den Vorstellungen des Privatinvestors Trockland.

Ob es an einem der markantesten Punkte der jüngeren Weltgeschichte tatsächlich zum lauten Knall kommen wird, dürfte sich bereits am Sonnabend zeigen. Dann stellt die Senatsverwaltung den aktuellen Stand des Bebauungsplanverfahrens vor. Auch Trockland-Manager haben sich angekündigt.

Ort der Präsentation der Senatseckpunkte und einer Diskussion über den Stand der Planungen am Sonnabend ist eine Baracke namens BlackBox Kalter Krieg. Dieser Ort spricht quasi für sich selbst, steht die Baracke doch auf einer Freifläche östlich der Friedrichstraße. Dort wollte Trockland ein Hotel der Kette Hard Rock errichten.

Der Senat will auf dem Grundstück ein von der Stiftung Berliner Mauer geführtes Museum des Kalten Krieges. Seit Jahren will der Senat den vielen Touristen, die den ehemaligen Grenzübergang massenhaft besuchen, eine seriöse Geschichte des Ortes, der Teilung und des Kalten Krieges bieten.

Private haben keine freie Hand am Checkpoint Charlie 

Die Widersprüche beim Standort der jetzigen BlackBox mögen gering klingen, sind tatsächlich aber nur ein Beispiel unter vielen. Der Verzicht auf Hochhäuser, die Forderung nach deutlich mehr Wohnungsbau, aber auch der Wunsch nach einem zweiten Stadtplatz sind so ziemlich genau das Gegenteil dessen, was Trockland errichten möchte.

Seit rund vier Jahren beschäftigt sich Trockland mit dem unvollendet bebauten Gelände an der Kreuzung Zimmer-/ Ecke Friedrichstraße. Also schickte sich das Unternehmen an, den Checkpoint Charlie zu Ende zu planen. Nach einer Pleite des vorherigen Eigentümers hatte sich der Investor und Entwickler dessen Grundschulden gesichert und sich als Eigentümer vormerken lassen. Vier Jahre lang schien Trockland quasi freie Hand am historischen Ort zu haben – so lange das Unternehmen dabei nur ein Museum des Kalten Krieges mitplante. Ein landeseigener Bebauungsplan ließ auf sich warten.

Die Stimmung änderte sich voriges Jahr. In der Stadtgesellschaft setzte sich die Haltung durch, dass man auf so einem exponierten Platz einem Privaten nicht freie Hand lassen dürfe. Am Checkpoint schien sich einmal mehr das internationale Großkapital über Berlins Bedürfnisse hinwegzusetzen. Als dann Zweifel an der Seriosität der Geldgeber auftauchten, eskalierte der Streit.

Veröffentlichung der Senatsvorgaben am Sonnabend 

Zwischenzeitlich sah sich Trockland sogar dazu gezwungen, auf seiner Homepage auf die „Finanzstruktur des Projektes Checkpoint Charlie“ einzugehen. Vorwürfe, dass Gelder für Trockland-Projekte aus illegalen Quellen stammen, wies das Unternehmen zurück. Dennoch griff der Senat in die Planungen ein und legte im vergangenen Dezember einen Kurswechsel bei der Planung für das Areal hin. Dabei wurden erstmals auch die Eckpunkte formuliert, die jetzt im Bebauungsplanverfahren eine Rolle spielen.

Wie eine Sprecherin der Senatsverwaltung mitteilte, sei jetzt die sogenannte Trägerbeteiligung beendet. Das bedeutet, dass auch involvierte Senatsverwaltungen Stellungnahmen abgegeben haben. Diese Ergebnisse werden am Sonnabend ebenso präsentiert wie die Ergebnisse einer Bürgerbefragung zur Bebauung.

Demnächst werde die Trägerbeteiligung ausgewertet, auch diese Auswertung werde öffentlich ausgelegt, hieß es.

Interessant wird sein, ob Trockland auch unter diesen Bedingungen bauen will. Im Januar, also bereits nach der Intervention des Senats, hatte der Investor erklärt, weitermachen zu wollen. Man sei weiter in Gesprächen mit dem Senat. Ob es bei dieser Absichtserklärung bleibt, hängt nicht zuletzt von der Veröffentlichung der Senatsvorgaben an diesem Sonnabend ab.