Berlin - Der frühere Berliner Abgeordnete Marcel Luthe ist aus der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ausgeschlossen worden. Dort war er bislang Ehrenmitglied. Grund für den Rauswurf: Luthe hatte Anfang Februar bundesweit eine eigene Gewerkschaft gegründet, die Good Governance Gewerkschaft (GGG). Sie will unter anderem „gegen restriktive Corona-Maßnahmen und die drohende Impfpflicht in Betrieben kämpfen“.

Polizisten und Polizeiangestellte wurden bislang von der GdP und der Deutschen Polizeigewerkschaft vertreten. Nun versucht sich die GGG als Konkurrenz – auch zu Gewerkschaften wie Verdi.

Die Good Governance Gewerkschaft kann, wie jede Gewerkschaft, zum Beispiel ihre Mitglieder zum Streik aufrufen. Sie verzeichnet nach eigenen Angaben Zulauf von Bediensteten öffentlicher Behörden und landeseigener Betriebe wie etwa der Berliner Stadtreinigung (BSR). Mittlerweile sitzt im BSR-Aufsichtsrat unter den Arbeitnehmervertretern mit Dennis Braun ein GGG-Vertreter.

„Wir haben bei der BSR sicher schon an die hundert Mitglieder, sagte Braun der Berliner Zeitung. „Und das ohne aktiv Werbung gemacht zu haben.“ Wenn die Werbekampagne anlaufe, dann könnten bis Jahresende 500 der 6000 Beschäftigen der GGG angehören, schätzt er.

Auch Marcel Luthe gibt sich optimistisch. Bundesweit sei die Mitgliederzahl „deutlich vierstellig“, sagt der 44-Jährige. Darunter seien auch mehrere Hundert Mitarbeiter von Polizeibehörden. Nach Luthes Angaben sind auch Beschäftige der Berliner Polizei und der Feuerwehr seiner Gewerkschaft beigetreten. In Berlin gebe es etwa 50 Mitglieder, die unter anderem im Polizeipräsidium arbeiten, im Landeskriminalamt, in den örtlichen Direktionen sowie in der Senatsverwaltung für Inneres. Genaue Zahlen will Luthe nicht nennen.

„Es ist nicht mit unserer Satzung in Einklang zu bringen, wenn man als GdP-Fördermitglied in einer Interessenvertretung aktiv ist, die gegen uns agiert“, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro zu Luthes Rauswurf. Eine Mitgliedschaft in der GdP sei freiwillig, man könne passiv bleiben oder sich für Interessen einsetzen. „Wir erwarten aber in jedem Fall, dass sie unsere Werte teilen.“

Luthe will seine Beiträge künftig anstatt der GdP der Volker-Reitz-Stiftung spenden, die sich unter anderem der Unterstützung von in Not geratenen Polizisten und der Kriminalprävention widmet.