Berlin - Ein Linksextremist war mehrere Monate Hausmeister bei der Berliner Polizei – ausgerechnet am Sitz der Spezialeinheiten in Lichterfelde. In der Dienststelle am Augustaplatz sind unter anderem das SEK und die Aufklärer untergebracht, die sich als Zivilbeamte zum Beispiel unter 1.-Mai-Demos mischen, um zu beobachten, wer sich mit Pflastersteinen aufmunitioniert.

Nach Informationen der Berliner Zeitung hatte der 54-jährige Hausmeister im Juli dieses Jahres in der Dienststelle angefangen. Er war auch für das Gebäude an der Ringbahnstraße zuständig, wo derzeit das neue Anti-Terror-Zentrum aufgebaut wird.

Vor wenigen Tagen wurde er auf dem Gelände am Augustaplatz beim Kiffen ertappt. Bei den Ermittlungen, die die Polizei aufnahm, stellte sich heraus, dass der Hausmeister unter der Rubrik „PMK – Links“ (Politisch motivierte Kriminalität Links) als Straftäter geführt wird. Der 54-Jährige war nach Informationen dieser Zeitung bei einem Dienstleister angestellt, mit dem die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH, welche die Polizeiliegenschaften verwaltet, einen Vertrag hat. Seitens der Polizei Berlin erfolgte laut einem Behördensprecher anhand der vorgelegten Personalien eine sogenannte Zuverlässigkeitsüberprüfung. Warum der „PMK-Links“-Eintrag nicht auffiel, ist unklar.

Dem Mann sei seitens der Polizei Berlin mit sofortiger Wirkung ein Hausverbot ausgesprochen worden, sagte der Polizeisprecher. „Die Zutrittsschlüssel wurden selbstverständlich umgehend eingezogen.“

„Ein Vorfall, der an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist“

Einen ähnlichen sicherheitsrelevanten Vorfall gab es schon einmal 2018. Im Dezember jenes Jahres kam heraus, dass sich ein zu einer Haftstrafe verurteilter Linksextremist in zwei Objekten der Kriminalpolizei in der Brunnen- und der Invalidenstraße in Mitte frei bewegen konnte. Er betätigte sich als Umzugshelfer. Bereitschaftspolizisten hatten ihn auf dem Gelände wiedererkannt.

Die erneute Sicherheitspanne bei der Berliner Polizei löst Empörung aus. Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei sprach auf Anfrage von einem unglaublichen Vorfall, der an Peinlichkeit kaum zu überbieten sei. „Wir reden hier von einer Dienststelle mit hoch sensiblen Tätigkeiten und Einheiten, für die Anonymität überlebenswichtig ist.“ Der Fall zeige, wie lückenhaft die obligatorische Sicherheitsüberprüfung sei. „Außerdem muss Berlins Politik endlich verstehen, dass wir ein eigenes Facility Management für die Polizei und andere staatliche Liegenschaften benötigen, um mit eigenen Leuten zu arbeiten, eine engere Bindung herstellen und genau so etwas zu verhindern.“