Polizisten ermahnen vor der GutsMuths-Grundschule in Mitte den Fahrer eines Elterntaxis.
Berliner Zeitung/Volkmar Otto

BerlinDie Berliner Polizei und die Ordnungsämter mehrerer Bezirke haben das neue Schuljahr mit einem Einsatz gegen Elterntaxis begonnen. Mitarbeiter kontrollierten am Montag vor den Schulen, ob Eltern ordnungswidrig parken oder durch ihr Fahrverhalten Kinder gefährden. Auch die Schulwege und große Kreuzungen wurden überwacht.

Vor der GutsMuths-Grundschule in Mitte beispielsweise hatten drei Polizisten die Halteverbotszone im Blick. Sie ermahnten Eltern, die mit ihren Fahrzeugen unerlaubt vor dem Schultor in der Singerstraße hielten. Es gehe nicht darum, sofort Strafzettel zu schreiben, hieß es. Man wolle Autofahrer über mögliche Gefahren für Kinder aufklären.

In Reinickendorf schickte Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD) am Montag zwei Ordnungsamtsstreifen zur Märkischen Grundschule im Dannenwalder Weg und zur Grundschule am Schäfersee. „Eltern sollten nicht kurz vor 8 Uhr mit quietschenden Reifen vor der Schule halten“, sagte Maack auf Anfrage. Seine Mitarbeiter hätten am Morgen des ersten Schultags insgesamt 16 Verkehrsordnungswidrigkeiten aufgenommen und 23 Aufklärungsgespräche geführt.

Parken im absoluten Halteverbot und in Kurven

In Marzahn-Hellersdorf trafen Ordnungsamtsmitarbeiter ebenfalls auf Autofahrer, die es mit den Verkehrsregeln nicht so genau nahmen. Eltern hätten vor Schulen im absoluten Halteverbot, an abgesenkten Bordsteinen und in Kurvenbereichen geparkt, sagte Verkehrsstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) auf Anfrage. Die Kontrollen seien von insgesamt sechs Mitarbeitern an der Johann-Strauß-Grundschule in der Cecilienstraße, der Kiemal-Grundschule am Hultschiner Damm und der Franz-Carl-Achard-Grundschule in der Adolfstraße durchgeführt worden.

Die Berliner Polizei hatte für den ersten Schultag insgesamt 229 Einsätze und Maßnahmen zur Förderung der Verkehrssicherheit geplant. „In den kommenden zwei Wochen werden wir insbesondere vor Grundschulen verstärkt kontrollieren“, so eine Polizeisprecherin. Im Visier habe man nicht nur Elterntaxis und das Parken in zweiter Reihe, sondern beispielsweise auch Geschwindigkeitsübertretungen und die Situation an Fußgängerüberwegen. Eine Zwischenbilanz der Kontrollen werde voraussichtlich am Montag kommender Woche vorliegen.

Ein erhöhter Bedarf an Einsätzen gegen Elterntaxis wird allerdings nicht überall in Berlin gesehen. Im Bezirk Pankow fanden zum Schulbeginn keine Schwerpunktkontrollen des Ordnungsamts statt. „Wir waren ein Jahr lang wöchentlich vor den Schulen präsent und konnten kaum Verstöße feststellen“, sagte Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (für AfD) am Montag. Die Eltern verhielten sich disziplinierter als es häufig behauptet werde. Gleichwohl wolle man in der kommenden Woche, wenn die Erstklässler eingeschult werden, auch in Pankow vermehrt Kontrollen durchführen. 

Den Schulweg zu Fuß meistern

Die Senatsverwaltung für Schule rät Familien, auf Fahrten mit dem Elterntaxi möglichst zu verzichten und so einen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssituation vor den Schulen zu leisten. „Eltern sollten ihre Kinder im ersten Schuljahr noch begleiten, aber ab dem zweiten Schuljahr können sie in der Regel den Schulweg gemeinsam mit Klassenkameraden meistern“, sagte Behördensprecher Martin Klesmann auf Anfrage.  

Zu Fuß zur Schule zu gehen sei nicht nur aus Gründen der Verkehrssicherheit sinnvoll, es stärke auch das Selbstvertrauen der Kinder, so Klesmann. Schüler sollten die Chance erhalten, ihr Lebensumfeld eigenständig zu entdecken. Eltern könnten ihre Kinder beispielsweise auch mit dem Fahrrad begleiten. „In diesem Fall sollte natürlich ein Helm getragen werden“, so Klesmann. Grundsätzlich sei der Weg zur Grundschule in Berlin nach dem Motto „Kurze Beine, kurze Wege“ so bemessen, dass auf eine Autofahrt in aller Regel verzichtet werden könne.   

Die Schulverwaltung unterstütze, so Klesmann, die Bemühungen der Polizei und der Ordnungsämter, in den Tagen und Wochen nach Schulbeginn verstärkt auf die Sicherheit vor den Schulen zu achten.