Berlins Streifenpolizisten werden mit Elektroschockwaffen, sogenannten Tasern, ausgerüstet. Innensenator Frank Henkel (CDU) hat Polizeipräsident Klaus Kandt angewiesen, die Einführung der Distanzwaffen zu organisieren. Das umfasse nicht nur die Beschaffung, sondern auch die Ausbildung an den neuen Geräten.

Am Mittwoch will der Polizeichef die Öffentlichkeit davon informieren. Die Anzahl der Waffen und deren Preis wurden bislang nicht bekannt. Kritiker bezeichnen die Einführung der Taser als Wahlkampf. Henkel habe ja sonst keine Erfolge vorzuweisen, sagen Grüne.

Taser besser als Dienstpistole?

Seit mehr als zehn Jahren diskutieren Sicherheitsexperten, Polizisten und Politiker über den Einsatz von Tasern. Die CDU war dafür, die SPD, Grüne und Linke dagegen. Die Diskussion war vor einer Woche erneut entbrannt, als in Hellersdorf ein alkoholisierter Mann auf eine Beamtin zulief und sie mit einer Eisenkette bedrohte. Die Polizistin schoss dem Mann in den Bauch und verletzte ihn schwer. Der Angriff hätte mit einem Taser besser abgewehrt werden können, sagen Fachleute. Sie sind sich sicher, dass der Einsatz dieser Elektrowaffen eine gute Alternative sein kann zu den mittlerweile veralteten Dienstpistolen vom Typ Sig Sauer P6.

Taser sehen aus wie Pistolen. Es werden Projektile verschossen, die mit Widerhaken versehen sind. Die Geschosse sind mit Drähten mit der Pistole verbunden. Treffen die Haken auf einen Menschen, werden elektrische Impulse übertragen und der Getroffene erleidet Stromschläge und ist kurz handlungsunfähig. Die Reichweite der Drähte beträgt zehn Meter. Weil die Taser als Waffe eingestuft werden, ist deren Gebrauch im Gesetz über die Anwendung unmittelbaren Zwangs bei der Ausübung öffentlicher Gewalt (UZwG) geregelt.

Polizeigewerkschaft: Elektroschocker kein Allheilmittel

Die Einführung der neuen Technik sorgt innerhalb der Behörde für Diskussionen. Benjamin Jendro, Sprecher des Landesbezirks der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagt, dass der Taser kein Allheilmittel sei und Schusswaffen nicht ersetzen könne. Er verglich ihn mit Pfefferspray. Auch der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hält Taser nur situationsbedingt für einsetzbar. „Es ist kein pauschales Mittel.“

Für ihn und Jendro ist es wichtig, dass mit der Anschaffung auch die entsprechende Ausbildung einhergehe. Bislang nutzte lediglich das Spezialeinsatzkommando die Elektrowaffen. Offiziell waren die Geräte nicht gekauft, sondern getestet worden. Die Polizisten können auf Erfolge verweisen. So wurden etliche suizidgefährdete Menschen davon abgehalten, sich das Leben zu nehmen.