Das Kottbusser Tor in Kreuzberg ist einer der berüchtigtsten Orte in Berlin. Tausende Straftaten registriert die Polizei dort jedes Jahr. Jetzt soll dieser Kriminalitätsbrennpunkt eine eigene Polizeiwache erhalten – ein Vorhaben, das schon der frühere SPD-Innensenator Andreas Geisel angeschoben hatte und das jetzt von seiner Parteifreundin und Nachfolgerin Iris Spranger vorangetrieben wird.

Nach Informationen der Berliner Zeitung registrierte die Polizei dort allein im letzten Quartal vergangenen Jahres 2309 Straftaten. Darunter sind 264 Fälle von einfacher beziehungsweise schwerer Körperverletzung, 61 Delikte, die unter die Rubrik „Nötigung, Freiheitsberaubung, Bedrohung“ fallen, und 93 Mal Raub. Auch Taschendiebe sind dort zahlreich unterwegs: 455 solcher Delikte ordnet die Polizei dem Kottbusser Tor zu.

In der Gesamtbilanz sind das 152 Delikte mehr als im Vergleich zum Vorjahresquartal – aber nur auf den ersten Blick, denn in anderen Bereichen, wie etwa Diebstahl, sanken die Zahlen. Denn den größten Zuwachs in der Statistik machen die 758 registrierten Rauschgiftdelikte aus (304 mehr als im Vorjahresquartal), gefolgt von 216 Verstößen gegen die Aufenthalts- und Asylgesetze, von denen die Ordnungshüter im Vorjahreszeitraum lediglich 76 zählten. Drogen- und Aufenthaltsverstöße gehören zu den sogenannten Kontrolldelikten und werden nur durch entsprechende Polizeipräsenz aufgedeckt. Zudem stellt sich bei der Kontrolle eines mutmaßlichen Dealers mitunter auch noch heraus, dass dieser kein Aufenthaltsrecht in Deutschland hat.

198 Festnahmen im vergangenen Jahr am Kottbusser Tor

Die Polizei hat ihre Präsenz in den vergangenen Jahren am „Kotti“ massiv verstärkt. Im gesamten vergangenen Jahr verdoppelte die Polizei die Zahl ihrer Einsatzstunden und Identitätsfeststellungen gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der Festnahmen konnte sie auf 198 nahezu vervierfachen.

Umso mehr wird derzeit im Polizeipräsidium darüber diskutiert, wo eine feste Wache installiert werden könnte – ob als Neubau oder in gemieteten Räumen. Eine Entscheidung stehe noch aus, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Am Kriminalitätshotspot „Kotti“ könne eine feste Wache Sinn ergeben, sagt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei.

Um das Personal unterzubringen, brauche man mehr als 300 Quadratmeter Raum plus Sanitäranlagen und Parkfläche. „Bestandsimmobilien vor Ort scheiden aus verschiedensten Gründen aus, so dass wir einen entsprechenden Neubau direkt an der Reichenberger Straße favorisieren würden“, so Jendro. „Wenn man aber nicht nur Präsenz zeigen, sondern ernsthaft Kriminalität bekämpfen möchte, benötigt man vor Ort neben einer 24/7-Wachbesatzung auch kriminalpolizeiliche Expertise und operative Kräfte. Da reden wir über mindestens 65 Kollegen, die gefunden werden müssen, ohne dass die anderen örtlichen Direktionen weiter personell ausbluten.“