Emotional und deutlich angefasst leitete Innensenator Andreas Geisel (SPD) seine Worte zur Polizeiakademie ein: Es habe sich eine Menge getan, auch wenn die öffentliche Berichterstattung ein anderes Bild zeichne. „Ich halte es auch nicht für zielführend, wenn sich Polizeischüler anonym an die Öffentlichkeit wenden.“

Nach den Berichten über angeblich lernunwillige Schüler, mangelnde Disziplin und schlechte Deutschkenntnisse wird die Ausbildung an der Einrichtung in Ruhleben gründlich umgekrempelt. So kamen unter anderem zwölf zusätzliche Ausbilder hinzu. Da passt es Geisel und der Polizeiführung nicht ins Bild, dass sich Polizeischüler in mehreren Medien anonym zu Wort meldeten wegen Unterrichtsausfalls und mangelhafter Strukturen.

Strobl: „Die Stimmung hat sich gebessert“

Seit Juni führt die frühere Leiterin des Kreuzberger Abschnitts 53, Tanja Knapp, die Akademie mit fast 2500 Schülern. Nach den aktuellen Vorwürfen hatte sie die Kritiker aufgefordert, ihre „Kapuzen abzunehmen“ und offen mit ihr zu sprechen.

Im Innenausschuss gab es am Montag eine Bestandsaufnahme: Der ehemalige Polizeidirektor Josef Strobl hatte als externer Berater die Zustände an der Schule untersucht. Seine Empfehlungen für Sofortmaßnahmen seien alle umgesetzt worden, sagte er den Abgeordneten. Weitere Schritte würden folgen.

„Ich glaube, dass sich die Stimmung gebessert hat. Aber Sie werden in keiner Institution hundert Prozent gute Stimmung finden“, so Strobl. Laut Knapp sind Unterstützung und Fördermaßnahmen besonders im Deutschunterricht geplant, dazu würden auch zusätzliche Lehrer eingestellt.

Berufspraktika: Weniger Zeit zum Lernen

„Wenn die Hälfte der Azubis eine Prüfung nicht schafft, macht auch die Akademie etwas falsch. Damit müssen wir uns beschäftigen“, räumte die Schulleiterin ein. Laut Strobl und Knapp liegen die Gründe unter anderem darin, dass die Schüler wegen der Berufspraktika nur wenig Zeit hatten, sich auf Prüfungen vorzubereiten.

Um die Disziplin stärker zu betonen, gibt es auch wieder morgens einen gemeinsamen Dienstantritt. Wiederholte Verspätungen sollen strenger geahndet werden.