Berlin - Nach langen Debatten um die Probleme an der Berliner Polizeiakademie hat am Montag eine neue Chefin die Ausbildungsstätte übernommen. Es handelt sich um die bisherige Leiterin des Polizeiabschnitts 53 in Kreuzberg, Tanja Knapp. Sie wird die Polizeiakademie kommissarisch leiten, ab Oktober dann auf der regulären Stelle.

Seit drei Jahren war Tanja Knapp sie für Teile von Kreuzberg zuständig, etwa den Bereich um das Kottbusser Tor und den Görlitzer Park.
Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte kürzlich angekündigt, am 6. Juli die Polizeiakademie zu besuchen und Gespräche mit Lehrern und Polizeischülern zu führen. Gleichzeitig hatte sie zahlreiche Reformen angekündigt.

Fehlende Lehrer und schlechtes Deutsch

Im Herbst 2017 war die schwierige Situation an der Polizeischule mit ihren fast 2500 jungen Nachwuchspolizisten und 230 Lehrern und Dozenten bekanntgeworden. In seinem Bericht zur Polizeiakademie kommt der vom Innensenator Andreas Geisel (SPD) eingesetzte externe Sonderermittler Josef Strobl aus Bayern zu dem Ergebnis, dass dort etwa 50 Lehrer fehlen. Außerdem gebe es erhebliche Defizite bei den Deutschkenntnissen der Auszubildenden.

Er kritisierte, dass der Eignungstest in Deutsch erst nach der Einstellung der Polizeischüler stattfindet und nicht davor. Strobels Recherchen ergaben, dass beim Einstufungsdiktat im Herbst 2016 knapp 63 Prozent aller Polizeischüler aufgrund fehlender Deutschkenntnisse durchgefallen sind. 2010 waren es noch rund 7 Prozent

Als Folge der Vorwürfe war der bisherige Leiter im Februar seinen Job losgeworden. Offiziell bat er um Versetzung. Die Berliner Zeitung berichtete bereits am 18. November über den geplanten Wechsel an der Spitze der Einrichtung und über die Personalie Tanja Knapp. Damals dementierten Polizei und Innenverwaltung noch, dass es einen solchen Wechsel geben würde.