Privatschulen gelten vielen Menschen wegen des oft erheblichen Schulgeldes als Angebot für die Kinder von Besserverdienenden. Das Land Berlin will nun sicherstellen, dass auch Kinder aus ärmeren Familien leichter eine Privatschule besuchen können.

„Privatschulen dürfen von Familien, die Sozialtransfers beziehen, dann nur noch ein Schulgeld von 0 bis deutlich unter 50 Euro monatlich nehmen“, sagte SPD-Bildungspolitikerin Maja Lasic der Berliner Zeitung. Sie bezieht sich auf eine neue Verordnung der Bildungsverwaltung, die in wenigen Tagen vorgestellt wird.

Schulgeld nach Tabelle

Bisher können Privatschulen deutlich mehr Geld, maximal 100 Euro monatlich, auch von bedürftigen Eltern verlangen. Das ist ein Grund dafür, dass an vielen freien Schulen relativ wenige Kinder aus ärmeren Haushalten anzutreffen sind.

Laut der neuen Verordnung soll das Schulgeld künftig anhand einer vielstufigen, einkommensabhängigen Tabelle erhoben werden, ähnlich der Tabelle, die bis vor kurzem für die Kitas galt. Tatsächlich verlangen Privatschulen derzeit Schulgeld nach unterschiedlichen Kriterien, die evangelische Schulstiftung und weitere Träger sehen bereits heute eine Schulgeld-Befreiung von Hartz IV-Familien vor – auf Antrag.

Andere Schulen verlangen selbst von ärmeren Familien 100 Euro Schulgeld und mehr. Die Neuregelung solle den Zugang zu Privatschulen erschwinglich, transparent und kontrollierbar machen, betonte Lasic. Eine Höchstgrenze für das Schulgeld soll es nicht geben.

Die Unterschiede sind groß

Der Neuköllner SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hat jetzt auf seine parlamentarische Anfrage vom Senat eine lange Liste über die Schulgeld-Regelung jeder einzelnen Privatschule erhalten. Gefragt hatte Langenbrinck auch nach der jeweiligen Quote der armen, weil lernmittelbefreiten Kinder an jeder Einrichtung – der lmb-Quote.

Die Erkenntnis: Es gibt große Unterschiede, einige Schulen ließen die Frage nach der Quote der armen Kinder unbeantwortet. Mit der Neuregelung werde der Senat Privatschulen stärker kontrollieren, betonte Langenbrinck.

Parallel wird derzeit über ein neues Finanzierungsmodell für freie Schulen verhandelt. Der Privatschulverband kritisiert seit langem, dass freie Schulen nur zwei Drittel ihrer Kosten vom Staat erstattet bekommen, und das nur nach bestimmten Wartezeiten.

Hier können Sie die Antworten des Senats auf die parlamentarische Anfrage einsehen: