Der Eintritt ist frei, ein Bier kostet 50 Cent und auf dem Tresen steht eine Spendendose für die Musiker. Denn in Drugstore und Potse spielen Bands ohne Gage. Um Geld und Gewinne geht es in diesen Clubs sowieso nicht, Kultur gibt es zum Nulltarif. Unkommerziell und unangepasst, links und selbstverwaltet – so lauten die Grundsätze der jungen Leute. „Wir sind vom Punk geprägt“, sagt Domi, die seit elf Jahren zum Kollektiv gehört.

„Jetzt geht dieser Ort mit Geschichte und Tradition kaputt“

In den Clubs an der Potsdamer Straße 180 verbringen Jugendliche und junge Erwachsene ihre Zeit. Sie arbeiten in Werkstätten, es gibt ein Fotolabor, ein Aufnahmestudio und Proberäume. Regelmäßig finden Disco und Konzerte statt, Spiel- und Filmabende, Theater und Lesungen. „Wir bieten einen Freiraum für Menschen, die ihren Weg noch nicht gefunden haben“, sagt Domi. Das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg finanziert die Clubs.

Drugstore und Potse haben eine lange Geschichte, sie sind Institutionen der linken Szene, gehören zu den ältesten der Stadt. Drugstore eröffnete 1972, Potse sieben Jahre später. Doch nun müssen sie schließen. Am 3. Januar 2019 endet ihre Geschichte an diesem Ort. „Der Hauseigentümer und die neuen Mieter wollen uns hier weghaben“, sagt Domi vom Drugstore-Kollektiv. Dem Bezirk ist es nicht gelungen, einen neuen Mietvertrag mit den Eigentümern auszuhandeln. „Potse und Drugstore haben jungen Menschen, die sich sonst nicht aufgehoben fühlen, eine kulturelle Nische geboten“, sagt Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD). „Jetzt geht dieser Ort mit Geschichte und Tradition kaputt.“

Es scheint, als würden die Punk-Läden nicht mehr in diese Gegend passen

Das Gebäude gehört der Intown Property Management GmbH. Das Unternehmen will „Immobilien mit nachhaltigen Wertsteigerungskonzepten“ so optimieren, „dass sie wieder attraktiv und profitabel werden“, wirbt das Unternehmen. Robert Döring von der Hausverwaltung sagt, es gehe um „langfristige Vermietungen zu marktüblichen Konditionen“. Doch solche Preise kann der Bezirk nicht bezahlen.

Es scheint, als würden die Punk-Läden nicht mehr in diese Gegend passen. Die Potsdamer Straße ist im Wandel, neue Läden entstehen neben alten. Der Eingang zu Drugstore und Potse ist voller Parolen und politischer Plakate. Im neu eröffneten Café bestellen die Gäste frisch gepresste Säfte und veganen Kuchen.

Die Firma Rent 24 hat neben den Clubs Räume gemietet für Coworking und Coliving. Sie vermietet Arbeits- und Wohnräume an „digitale Nomaden“ und Geschäftsleute. Nach einer Party Mitte September in Drugstore und Potse rief jemand morgens gegen drei Uhr die Polizei. Es gab Lärmbeschwerden. Polizisten stürmten die Clubräume, Besucher beschwerten sich über massive Gewalt.

Die Leute von Drugstore und Potse protestieren gegen die Schließung 

Der Bezirk hat neue Räume gesucht, sie sind viel kleiner. Einige Meter weiter könnten Potse und Drugstore in Räume einer ehemalige Postfiliale ziehen. Dort darf es aber keine Konzerte geben. Im Gespräch waren auch Räume einer Bank. Doch die Fläche braucht Berlin jetzt für seine Verwaltung. Die Finanzschule wird dort einziehen.

Der Quartiersrat Schöneberger Norden fordert in einem Offenen Brief an Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD), die Verhandlungen über neue Räume „unverzüglich“ weiterzuführen. „Potse und Drugstore müssen bleiben!“, endet der Brief. Die Interessengemeinschaft Potsdamer Straße schreibt, Berlin nehme die Verdrängung beider Clubs „billigend in Kauf“. Die Leute von Drugstore und Potse protestieren am 15. Dezember vor dem Rathaus Schöneberg gegen die Schließung ihrer Clubs. „Wir sind fassungslos“, sagt Domi.