Die beste deutsche Radiomoderatorin kommt derzeit aus Berlin. Diane Hielscher von „FluxFM“ erhielt vergangene Woche in Hamburg den renommierten Deutschen Radiopreis. Bereits mit 19 kam die vielseitige Moderatorin, die nebenbei Coachings gibt, bloggt und journalistische Artikel verfasst, zum Radio. Nach diversen Praktika im In- und Ausland und einem Volontariat beim „BB-Radio“ in Potsdam kam Hielscher vor sieben Jahren vom RBB-Jugendradio „Fritz“ zu „FluxFM“. Dort moderiert die 35-Jährige für gewöhnlich die Morgensendung „Superfrüh“. Derzeit geht ihre Stimme dort allerdings nicht über den Äther, denn Hielscher ist noch bis November in Babypause.

Frau Hielscher, welche Qualität lässt Sie aus der Masse der Moderatorinnen in Deutschland herausstechen?

Das ist schwierig. Das klingt jetzt banal, aber ich glaube, dass ich so rede, wie ich auch rede, wenn das Mikrofon aus ist. Es gibt ja viele Privatsender, bei denen wird man beispielsweise angeschrien. Das mache ich nicht, sondern ich rede halt, wie ich auch so rede.

Die Wettbewerbsjury begründet ihre Wahl damit, dass sich das Publikum stets auf Ihre souveräne journalistische Einordnung verlassen könne und Sie überraschende Zugänge zu komplexen Sachverhalten bieten würden. Wie sehen diese alternativen Zugänge aus?

Ich versuche, Themen so einfach wie möglich zu erklären. Auch das klingt wieder banal, aber ich überlege: Was ist das Neue, das Interessante, warum sollte mich das Thema interessieren, wenn ich mir gerade die Zähne putze oder meine Kind zur Kita bringe? Diese Frage versuche ich mir bei jedem Thema zu stellen. Das ist meine Aufgabe, dafür bin ich da. Ich versuche, das auch in den Moderationscoachings, die ich gebe zu, zu vermitteln, denn es wird oft vergessen. Dann wird irgendwie mit Worthülsen oder dem Unwichtigsten angefangen.

Sie moderieren bei „FluxFM“ die Sendung „Superfrüh“ von 6 bis 10 Uhr. War das Ihre Wunschzeit?

Nein, das hat sich so ergeben. Ich habe vorher Reporte gemacht, und vor sechs Jahren meinte jemand zu mir: „Willst du nicht mal eine Morgensendung machen?“ Am Anfang, als ich noch feiern wollte, war ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich möchte. Dann habe ich mich aber daran gewöhnt, und mittlerweile will ich es tatsächlich gar nicht mehr missen, weil es sehr praktisch ist. Man hat nachmittags Zeit für die Kinder und ist einfach früh fertig.

Als Morgenmoderatorin treffen Sie auf ein Publikum, das teils gerade erst verschlafen aus dem Bett gefallen, teils aber auch schon gestresst in der Rushhour unterwegs ist. Wie trifft man da den richtigen Ton?

Es ist einfach ein Gefühlsding. Ich mache das jetzt schon so lange, da reflektiert man das nicht mehr so sehr. Ich stelle mir schon vor, wie so das Morgengefühl der Menschen ist. Aber ich rede trotzdem normal mit ihnen. Ich sage oft die Uhrzeit, weil mir die wichtig ist, wenn ich aufstehe. Aber das macht ja jeder Radiomoderator.

Viele Morgenmoderatoren, versuchen sich ja gern in Comedy. Benötigt man für den Job Stand-Up-Comedy-Qualitäten?

Das kann sein. Wir haben keine Comedy im klassischen Sinne wie andere Privatsender, also kein „Verrücktes Telefon“ oder dergleichen. Aber wir geben uns Mühe. Wir versuchen ganz normal lustig zu sein, wie man mit seinen Freunden auch in der U-Bahn oder im Kino lustig ist. Wir haben keine aufgeschriebenen Gags, sondern wir machen, wenn das Mikro an ist, die Witze, die wir auch sonst machen würden.

Anders als bei vielen Privatsendern gibt es in Ihrer Morgensendung immer wieder journalistische Inhalte, nebenbei schreiben Sie auch Artikel für „Zeit online“. Wie wichtig ist Ihnen das Journalistische in Ihrer Arbeit?

Sehr wichtig. Ich bin freie Journalistin und Moderatorin. Beides gehört ja zusammen, denn wir sind im Programm breit gefächert, machen Politik, Kultur, Wirtschaft. Deswegen versuche ich auch, wenn ich Politiker am Telefon habe, nicht nur mit ihnen zu plaudern, sondern auch etwas Neues von ihnen zu hören. Mein Selbstverständnis ist, dass ich eine Journalistin bin, die gern Musik hört und Indiemusik spielt.

„FluxFM“ gibt es unter diesem Namen seit drei, den Vorläufer „MotorFM“ seit zehn Jahren. Laut Mediaanalyse ist der Marktanteil dennoch recht klein, 1,2 Prozent in Berlin, 0,1 Prozent in Brandenburg. Erhoffen Sie sich durch den Radiopreis auch eine Werbewirkung für Ihren Sender?

Ach, wir haben so viele Preise bekommen, einen Echo, sind „Best Radio Station Worldwide“. Die Menschen, die uns hören, gehen einfach nicht ans Telefon, die haben keine Festnetznummer und vermutlich auch keinen Bock auf stundenlange Umfragen, welchen Sender sie hören. Sie stehen selber im Leben. Ich glaube nicht an diese Umfragezahlen. Sie sind halt leider die Währung für das Radio. Das finde ich schade, aber ich glaube einfach nicht daran. Ich weiß, dass wir viel mehr Hörer haben, deswegen ist es mir auch egal.

Das Gespräch führte Robert Briest.