Musiker und Jury-Mitglied Sido beim Finale der Castingshow "The Voice of Germany". 
Britta Pedersen/ dpa

BerlinDer Streit um den Angriff des Berliner Rappers Fler auf ein Kamerateam des Senders RTL geht weiter. Nachdem die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den Mann beantragt hatte, entschied ein Richter: Kein dringender Tatverdacht, Fler wird freigelassen. Zudem bekommt der 37-Jährige jetzt prominente Rückendeckung von Paul Würdig, der unter dem Namen Sido als Musiker bekannt wurde. Dieser gibt den RTL-Reportern jetzt eine klare Mitschuld an dem Vorfall.

Das war passiert: Vergangene Woche hatte ein Fernsehteam Fler vor einem Geschäft am Kudamm abgepasst, war - so der derzeitige Sachstand - mit laufender Kamera auf den Mann zugegangen und wollte ihn zu einem Streit mit einer Frauenrechtlerin und Sexismus-Vorwürfen befragen. Daraufhin entwickelte sich eine Auseinandersetzung, in dessen Folge der RTL-Kameramann verletzt und Fler vorübergehend verhaftet wurde.

„Denkt ihr kurz nach, wie das laufen könnte?“

Fler bestreitet den Angriff nicht, betont aber in einem Statement: „Bevor es zwischen mir und den zwei Männern überhaupt zu einem Streit kam, wurde die Reporterin mehrmals von mir gebeten, mich und besonders meine Freundin nicht zu filmen“. Er sei „abgepasst“ worden,  das sogenannte „spontane Interview“ sei typisches „an den Pranger stellen der Boulevard-Presse“ gewesen.

Auch Rap-Kollege Sido sieht das Vorgehen des Fernseh-Teams kritisch.  Via Instagram teilte er mit: „Also jetzt mal ohne Spaß Leute... ihr lieben Journalisten. Bevor ihr losfahrt mit einer Kamera und einem Mikrofon, weil ihr ein Statement von irgendwem haben wollt... Denkt ihr dann kurz nach, wen ihr dann trefft und wie das laufen könnte?“

„Ihr wisst, was ihr getan habt“

„Oder fahrt ihr dann mit Absicht los, weil ihr wisst, Fler ist sehr oft draußen und wird sich wahrscheinlich darüber ärgern?! Dann finde ich eine Anzeige und das überhaupt an die große Glocke zu hängen, sehr unfair. Ihr wisst, was ihr da getan habt und wen ihr getroffen habt, wem ihr aufgelauert habt mit einem Mikrofon einfach so und ohne ein Termin zu vereinbaren und so weiter.“

Die RTL-Mitarbeiterin hatte offenbar nicht mit dem Wutausbruch des Rappers sowie der anschließenden Rangelei gerechnet. Die 28-Jährige  hatte sich während der Auseinandersetzung in einen Hauseingang geflüchtet. Kurz nach dem Vorfall wurde sie sichtlich geschockt von einer Freundin umarmt und getröstet. Fler hatte ein Foto davon auf seiner Instagram-Seite veröffentlicht. Dazu hatte er unter anderem geschrieben: „Was einem als Mann passieren kann, sieht sie an ihrem Kameramann!“

Ob der Aggro-Rapper für die Attacke eine Strafe bekommt, wird sich vermutlich erst vor Gericht zeigen. Am Dienstag wurde er kurzzeitig verhaftet, ein Untersuchungsrichter setzte den Mann aber noch am selben Tag wieder auf freien Fuß. Der Grund: kein dringender Tatverdacht. Kurz nach seiner Freilassung teilte Fler via Instagram dann mit: „Ich freue mich auf das Verfahren, um dann endlich mal aufzuklären wie wirklich alles abgelaufen ist.“ Zudem grüßte er die Haftanstalt Moabit: „Die Justizbeamten waren alle korrekt zu mir.“