Berlin - Freitagfrüh am Ostbahnhof geht erst mal überhaupt nichts mehr. „Bitte Ansage beachten“, heißt es auf den digitalen Anzeigetafeln. Menschen ziehen ihre Mobiltelefone aus den Taschen und versuchen im Internet eine Möglichkeit zu finden, ganz ohne S-Bahn zur Arbeit zu kommen. Denn die S-Bahn fährt nicht mehr. Eine technische Störung, so heißt es über Lautsprecher, sei die Ursache. Wie lange die andauern wird, ist erstmal vollkommen unklar.

Eine Stellwerksstörung zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg hat am frühen Freitagmorgen auf den Stadtbahnlinien S3, S5, S7 und S9 zu Ausfällen und Verzögerungen geführt. Fahrgäste mussten auf Busse und U-Bahnen ausweichen, die dadurch zum Teil überfüllt waren und an manchen Stationen gar nicht alle Fahrgäste aufnehmen konnten.

Stellwerksstörung: Pendler berichteten von Chaos

Gegen 6 Uhr war der Zugbetrieb auf der Stadtbahn vorübergehend eingestellt worden. Pendler berichteten von Chaos und beklagten fehlende Durchsagen am Bahnsteig. So schreibt es die Deutsche Presseagentur am späteren Vormittag.
Aber den Erregungszustand der Betroffenen im Berufsverkehr spiegelt der trockene Nachrichtentext natürlich nicht wieder. Auf dem Kurznachrichtenkanal Twitter klingt die Sache dann so: „Liebe Grüße aus dem Verkehrschaos in Berlin. Frau Schumacher ist jetzt zwei Stunden Öffis gefahren. Ausfall von 2!!!!!! Stellwerken der S-Bahn. Es war der Horror in den verzweifelten Menschenmassen, die sich dann in den U Bahnen drängten. Kinder und alte Menschen und Hunde schön mit dabei“.
Kollegen erzählen sich gegenseitig auch in der Redaktion, wie sie auf abenteuerlichen Wegen an diesem Tag zur Arbeit gekommen sind. Und dann ist auch noch Klimastreik. Die Stadt ist voll mit Schülern, die auf dem Weg zur Demonstration die S-Bahn nutzen wollten.

Am späteren Vormittag verkehrten die meisten S-Bahnen zwar wieder im Fünf-Minuten-Takt. Wie die Bahn mitteilte, sollten Pendler nach Potsdam und Berlin-Mitte jedoch weiter auf andere Nahverkehrsmittel ausweichen. Die S7 entfiel am Vormittag zwischen Westkreuz und Potsdam Hauptbahnhof, so dass Pendler nach Potsdam auf den Regionalverkehr oder Busse ausweichen mussten.

Technische Probleme der Berliner S-Bahn: „Wir suchen noch nach den Ursachen“

Vom Bahnhof Lichtenberg nutzten Fahrgäste nach Berlin-Mitte und in den Westen zunächst die Regionalbahn bis Ostkreuz, um von dort aus mit anderen Regional- und U-Bahnen zum Alexanderplatz oder zur Friedrichstraße zu kommen. 

Es war ein Notfallkonzept, nachdem die S-Bahn am Vormittag verkehren musste. Von einem solchen spricht gegen Mittag S-Bahn-Sprecherin Sandra Spieker. „Es war eine technische Störung. Betroffen war die Betriebszentrale der S-Bahn in Halensee“, sagt sie. Computerprobleme in der Leitzentrale von DB Netz in Halensee, der wichtigsten Koordinierungsstelle für den Zugverkehr der Deutschen Bahn und der Berliner S-Bahn, hatten vor zehn Tagen schon einmal für Zugausfälle, damals sogar über zehn Stunden gesorgt. Betroffen war auch der Fernverkehr. Diesmal waren es nur zwei Stunden und nur die S-Bahn. Ob die Probleme allerdings diesmal ähnliche waren, kann die S-Bahn-Sprecherin nicht sagen. „Wir suchen noch nach den Ursachen“, sagt Sandra Spieker.

Die S-Bahn transportiert in Berlin jeden Tag 1,5 Millionen Fahrgäste. Gezählt werden ein- und aussteigende Fahrgäste. Wie viele Menschen von der Störung am Freitag insgesamt betroffen waren, kann die S-Bahn nicht sagen.

Berliner S-Bahn: Verbesserung der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit

Orientiert man sich am eigenen Gefühl, nehmen Ausfälle bei der S-Bahn eindeutig zu. Stimmt allerdings nicht. Laut Statistik nehmen nur äußere Einflüsse zu, die den Betrieb des Tochterunternehmens der Deutschen Bahn (DB) stören. Im ersten Halbjahr gab es 2.120 Fremdeinwirkungen, die zu Störungen führten. Im Vergleich zum selben Zeitraum des Jahres 2018 ist das ein Anstieg um rund elf Prozent. Verantwortlich sind Unfälle, Menschen auf den Gleisen, Notarzteinsätze bei Fahrgästen. 

Gleichzeitig hat die S-Bahn allerdings Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auf den Linien gesteigert. Die Zahl der Zugausfälle nahm laut Bilanz aus dem Hause der S-Bahn um 33 Prozent ab. Die Zahl der Fahrzeugstörungen sank um 23 Prozent – von 3.740 auf 2.885. Bei der Leit- und Sicherungstechnik, für die DB Netz zuständig ist, gingen die Störungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent zurück – von 1.132 auf 998. Das passt natürlich zum Gefühl an einem Freitagmorgen im Berufsverkehr. (mit dpa)