Berlin - Weder der neue Stadtentwicklungssenator Michael Müller noch dessen Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) nannten am Montag einen Zeitpunkt, wann aktuell damit zu rechnen ist. Beobachter gehen jetzt davon aus, dass es frühestens im Juni so weit ist. Auch die Bemühungen, das Angebot für die S-Bahn-Fahrgäste zu verbessern, stagnieren.

Die Linie S 85 geht vorerst nicht wieder in Betrieb, teilte S-Bahn-Chef Peter Buchner der Berliner Zeitung mit. Die Nord-Süd-Verbindung zwischen Waidmannslust, Ostkreuz und Grünau war im Juli 2009 auf dem Höhepunkt der S-Bahn-Krise eingestellt worden. Sie sollte Ende vergangenen Jahres wiederkehren.

Preiswerter und mit mehr Qualität

Offiziell zeigen sich die obersten Verkehrspolitiker Berlins zuversichtlich. „Schnellstmöglich“ werde Berlin in Abstimmung mit Brandenburg über die S-Bahn-Zukunft entscheiden, sagte Müller am Montag während der Regionalkonferenz des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). „Wir hoffen, dass wir das noch im März hinkriegen“, pflichtete Gaebler bei. Doch er betonte auch, dass es „zwei bis drei Wochen“ länger dauern könnte. „Wichtig ist, dass alles gut vorbereitet ist.“ Einen genauen Termin wollte auch Gaebler nicht mitteilen.

Für die drohende weitere Verzögerung sind SPD-interne Debatten verantwortlich. Viele Sozialdemokraten wollen nicht akzeptieren, dass dem Senat juristisch nichts anderes übrig bleibt, als zumindest einen Teil des S-Bahn-Betriebs auszuschreiben. Mit einem solchen Wettbewerb soll ein Unternehmen gefunden werden, das den Ring und die Strecken im Südosten ab Ende 2017 auf der Basis eines neuen Vertrags betreibt – preiswerter und mit mehr Qualität als heute.

Dabei hätte der jetzige Betreiber, die Deutsche Bahn (DB), gute Chancen. Trotzdem fürchten SPD-Mitglieder eine „Privatisierung“ – sie fänden es besser, wenn ein Landesunternehmen dieses Teilnetz betreibt. „Müller muss sie davon überzeugen, dass es keine Alternative zur Ausschreibung gibt. Eine schwierige Aufgabe, die Zeit in Anspruch nimmt“, sagte ein Insider.

Mehr Verspätungen und Ausfälle

Auch die Erweiterung des Zugangebots bei der S-Bahn stößt auf Schwierigkeiten. Weiterhin fallen viele Fahrten aus, weil es nicht genug Lokführer gibt und der Krankenstand hoch ist. „Das ist mangelhaft. Dafür muss ein Unternehmen Vorsorge betreiben“, kritisierte VBB-Chef Hans-Werner Franz.

Im Februar fanden nur 87,9 Prozent der bestellten Fahrten statt – im Januar hatte die Zuverlässigkeit noch 93,4 Prozent betragen. Auch der Anteil der Züge, die als pünktlich registriert werden, ist gesunken: von 95,7 auf 93,8 Prozent. Im Februar waren durchschnittlich nur 459 Zwei-Wagen-Einheiten im Einsatz, im Januar waren es noch 472 – bestellt sind 562.Weil die Stabilisierung des Betriebs nun Vorrang habe, werde die Reaktivierung der S 85 zurückgestellt, sagte S-Bahn-Chef Buchner.

Doch am Ende gab es noch gute Nachrichten für die Teilnehmer der VBB-Konferenz. Müller teilte mit, dass die BVG von der neuen Straßenbahn des Typs „Flexity“ mehr lange Züge kaufen wird als bisher geplant. Außerdem will der Senat dafür sorgen, dass der Bus- und Tramverkehr beschleunigt wird. So soll die lange verwaiste Koordinatorenstelle wieder besetzt werden.