Berliner S-Bahn: Erst Computerpanne, dann Kabelbrand

Berlin - Diesmal war es ein Kabelbrand. Er bescherte den Fahrgästen der S-Bahn Berlin am Dienstag die zweite große Störung in dieser Woche. Seitdem ist der S-Bahn-Verkehr auf dem Ring unterbrochen, und in den Südosten Berlins geht es nur per Pendelverkehr mit Umsteigen. Wann sich bei dem pannengeplagten Unternehmen der Zugbetrieb wieder normalisiert, wollte niemand bei der S-Bahn sagen. „Die Verkehrsbeeinträchtigungen werden auf jeden Fall auch am Mittwoch andauern“, teilte ein S-Bahn-Sprecher mit. Die Reparaturen seien ziemlich kompliziert.

Die Nachtschicht in der Betriebszentrale Halensee hatte unspektakulär begonnen. Doch gegen 3.30 Uhr unterbrach eine Störungsmeldung vom Ring die Ruhe. Kurz darauf wussten die Mitarbeiter, dass auch der Dienstag stressig wird – wie schon der Tag zuvor, als eine Computerpanne in der Zentrale die Strecken rund um den Gesundbrunnen lahmgelegt hatte.

Bahnmitarbeiter und Bundespolizisten fanden bald heraus, dass ein Kabelbrand an der Nordausfahrt des S-Bahnhofs Treptower Park die Ursache der Störungsmeldung war. Er hatte in der Kabeltrasse neben dem Fuß- und Radweg, der kurz darauf über die Spree führt, Signalleitungen zerstört. Die Kabelisolierungen waren auf einer Fläche von etwa 20 mal 40 Zentimetern beschädigt. Die Polizisten erstickten die Flammen mit einem Feuerlöscher.

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Zunächst ging bei der S-Bahn rund um den Treptower Park gar nichts mehr. Die Fahrgäste mussten auf Busse umsteigen. Später gelang es dann, einen S-Bahn-Pendelverkehr einzurichten. Seitdem pendelt die S-Bahn zwischen Ostkreuz und Treptower Park alle zehn Minuten und von dort bis Baumschulenweg alle 20 Minuten. Zwischen Treptower Park und Neukölln fahren weiter nur Busse.

Entzündliche Pollen

Bis zum Abend blieb unklar, ob ein technischer Defekt oder ein Anschlag die Ursache des Brandes war. Die Bundespolizei übergab die Ermittlungen am Morgen der Berliner Polizei. Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes begann Spuren zu sichern. Um die Brandursache zu klären, seien weitere Untersuchungen erforderlich, so ein Sprecher. Nach Informationen der Berliner Zeitung ergab die Analyse in den Labors des Landeskriminalamtes keine Spuren eines Brandbeschleunigers.

Zurzeit sind alle möglichen Brandursachen denkbar. Etwa ein Kurzschluss, verursacht durch eine fehlerhafte Isolierung. Nach Angaben von Ermittlern könnte auch eine weggeworfene Zigarette das Feuer ausgelöst haben. Die Kabel lagen in einem nicht abgedeckten Schacht, der nur durch einen Zaun von dem Fuß- und Radweg getrennt ist. Auch Pollen von Bäumen könnten die Ursache sein. Bei trockener und warmer Witterung muss die Feuerwehr immer wieder ausrücken, um Grasnarben-Brände zu löschen, weil eine weggeworfene Kippe eine Pollenansammlung entzündet hat. Geprüft wird auch, ob am Tag zuvor an der Stelle gebaut worden ist und dadurch ein Schwelbrand entstanden sein könnte.

Der Staatsschutz ist sensibilisiert

Bei Vorfällen dieser Art ist der Staatsschutz der Berliner Polizei hoch sensibilisiert. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte ein Anschlag am nahe gelegenen Ostkreuz die S-Bahn fast völlig lahmgelegt. Damals wurde eine Kabeltrasse mittels Brandbeschleuniger angezündet. Linksextremisten bekannten sich dazu. Die Täter konnten nicht ermittelt werden.

Im Oktober hatten Unbekannte 22 Brandsätze an Gleisen abgelegt. Die benzingefüllte 1,5 Liter-PET-Flaschen, die in den Kabelschächten lagen, waren mit elektrischen Zündern und Zeitschaltuhren versehen. In zwei Fällen explodierten sie und sorgten für massive Behinderungen im Fernbahnverkehr.

Am Dienstagnachmittag waren wieder die Fahrgäste im Norden an der Reihe. Eine erneute Rechnerstörung führte dazu, dass auf dem Ring und den Nord-Süd-Linien weniger S-Bahnen fuhren. „Es reicht“, klagte ein Fahrgast. Beeinträchtigungen gab es auch auf den U-Bahn-Linien 5 und 8 der BVG.