Die Botschaft ist unmissverständlich. „Keine geteilte S-Bahn in einer vereinten Stadt!“ So steht es auf einer Postkarte, mit der die S-Bahn-Betriebsgruppe der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG gegen die Pläne des Senats protestiert. Die S-Bahner befürchten, dass der zweitwichtigste Verkehrsträger der Region zerschlagen wird. Doch der Senat treibt sein Vorhaben, die S-Bahn neu zu organisieren, mit Hochdruck voran. Er spricht mit Unternehmen, die sich für das neue Modell interessieren. „Zehn Gespräche wurden vereinbart, erste Gespräche haben stattgefunden“, teilte der Senat dem Hauptausschuss mit.

Heute sind alle Funktionen noch bei einem Unternehmen konzentriert. Die S-Bahn Berlin GmbH, die der Deutschen Bahn (DB) gehört, hält die Züge in Schuss und fährt sie. Doch das Beratungsunternehmen KCW rät dem Senat, diese Funktionen Mitte der 2020er-Jahre auf mehrere Akteure aufzuteilen. Das führe zu mehr Wettbewerb, was die Kosten senkt und die Qualität verbessert – gut für Steuerzahler und Fahrgäste.

Das könnte zum Beispiel so aussehen: Ein Unternehmen, etwa ein Bahnhersteller, beschafft S-Bahnen, wartet sie und stellt sie bereit. Es gibt auch die Variante, dass das Land den Fahrzeugdienstleister später zu 100 Prozent übernimmt, was einen kommunalen Fahrzeugpool entstehen ließe. In beiden Fällen wäre für den Betrieb ein anderes Unternehmen verantwortlich – ein privater Zugbetreiber, die DB oder ein neu zu gründender Betrieb des Landes.

Auch SPD und Linke sind kritisch

Derzeit loten der Senat und KCW mit einer Markterkundung aus, wie groß das Interesse ist. Darauf habe es ein „sehr positives Echo“ gegeben, teilte die Verkehrsverwaltung mit. „Sinnvolle Markteinschätzungen werden planmäßig im Juni vorliegen.“ Nach Informationen der Berliner Zeitung haben die Bahnhersteller Siemens und Stadler, die ein Konsortium bilden wollen, sowie Bombardier Gespräche terminiert. Auch Zugbetreiber zeigen Interesse – unter anderem die DB, Abellio (Niederlande) und Go Ahead (Großbritannien). Auch Transdev steht auf der Liste. Tobias Heinemann, Deutschland-Chef des französischen Unternehmens, war Geschäftsführer der S-Bahn GmbH, bis er 2009 angesichts der dortigen Krise seinen Posten räumen musste.

Zum neuen Konzept gibt es aber noch viele Fragen – auch bei der SPD und der Linken, die es ebenfalls kritisch sehen. Die Dienstleister müssten Werkstätten bauen, aber Platz ist rar. Das vom Senat für eine Hauptwerkstatt ins Auge gefasste Gelände in Pankow, zwischen Schönerlinder und Bucher Straße neben der Autobahn A114, liegt weit außerhalb des Stadtzentrums. Fraglich ist auch, ob die neuen Akteure genug Mitarbeiter bekommen. „Die DB hat jetzt schon Probleme, Fahrpersonal zu finden“, sagte ein Insider. „Diese Lage wird sich auch 2025 nicht entspannen. Ein Privater mit schlechteren Konditionen wird wenig Chancen haben.“