Drei S-Bahn-Züge der Baureihe 485. In Zügen dieses Typs wurden Risse entdeckt 
Foto:  imago/Jürgen Heinrich

BerlinDie Fahrgäste hätten sich gefreut. Ursprünglich wollte die S-Bahn die Züge der Linie S85 zwischen Grünau und Pankow verlängern. Statt  wie bisher mit vier sollten sie demnächst mit sechs Wagen verkehren. Doch eine unerfreuliche Entdeckung hat den Planern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb muss die S-Bahn  mit weniger Wagen auskommen als geplant. Das wird auch dazu führen, dass auf der Linie S46 nach Königs Wusterhausen einzelne Züge mit sechs statt mit acht Wagen unterwegs sind. Fahrplanausdünnungen soll es aber nicht geben.

Es geht um den ältesten Zugtyp, der bei dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB) in Betrieb ist. Die Züge der Baureihe 485 kamen in den Jahren 1988 bis 1992 aus Hennigsdorf zur S-Bahn. Weil sie anfangs rot lackiert waren, hießen sie bei manchen Fans „Coladosen“. Doch offenbar sind sie in die Jahre gekommen. Als eine S-Bahn dieses Typs zur Revision im Werk Schöneweide stand, stellten Techniker Risse fest.

Auch die U-Bahn hat Probleme

„Es handelt sich um Haarrisse in einem Wagenkasten“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. Sie wurden dort entdeckt, wo Längs- und Querträger zusammengeschweißt sind. Die Werkstattleute waren alarmiert. Sie nahmen weitere Wagen der Baureihe, von der die S-Bahn 80 Zweierverbände besitzt, unter die Lupe.  Das Ergebnis: An zehn weiteren Fahrzeugen stellten sie ebenfalls Risse fest. An 59 Zwei-Wagen-Einheiten wurde nichts gefunden, von zehn weiteren gibt es noch keinen Befund – sie stehen zur Revision an.

Wie kam es zu den Schäden? „Erfahrungen zeigen, dass dieses Problem an Schienenfahrzeugen dieser Generation auftreten kann“, hieß es bei der S-Bahn. „In den 1980er Jahren wurde Aluminium verbaut, da es bei gleicher Konstruktion leichter als Stahl ist. Der Nachteil, den man erst heute kennt, ist, dass nach mehreren Millionen gefahrenen Kilometern Risse entstehen können.“

Ähnliche Probleme gibt es auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Von den 70 U-Bahn-Fahrzeugen der Bauart F79 wurden 58 ausgemustert. Davon sind 36 bereits verschrottet worden, sagte Markus Falkner, Sprecher des Landesunternehmens.

Besserung bis Ostern 2020 erhofft

 Jede S-Bahn der Baureihe 485, in der Risse festgestellt worden sind, wird jetzt von Experten weiter untersucht. Ihre Aufgabe ist es, für jedes Fahrzeug ein individuelles Konzept zu entwickeln. Was ist zu tun? Lässt sich der Wagen sanieren, ohne dass bestimmte Fehlertoleranzen überschritten sind? Oder muss er ausgemustert werden?

„Wir gehen davon aus, dass diese Konzepte im Januar vorliegen“, sagte Buchner. Derzeit gehen Fachleute der Bahn davon aus, dass die Wagen saniert werden können, ohne dass ihre komplette Zerlegung erforderlich ist. „Die S-Bahn wird die Züge sanieren, obwohl sie nur noch rund tausend Tage im Einsatz sind. Ab Januar 2021 wird die Baureihe 485 nach und nach durch Züge der neuen Baureihe 483/484 ersetzt.“  

Bis Ostern 2020 könnten wieder so viele Wagen in den Betrieb zurückkehren, dass die Züge der S85 verlängert werden und die S46 mit gewohnten Zuglängen verkehrt. So hoffen es Buchner und seine Leute.