Das Fahrperonal drückt auf einen Knopf - und alle Türen gehen auf. Auch die Baureihe 481, zu der dieser Zug beghört, ist dadür eingerichtet. Die Prozedur funktioniert aber nicht immer. 
Imago Images

BerlinBloß nicht anfassen! Angesichts der wachsenden Verbreitung des Coronavirus' scheuen sich viele Fahrgäste, die Türtaster mit den bloßen Händen zu berühren. Aus Angst vor Ansteckung nutzen sie Taschentücher oder Jackenärmel, um den direkten Kontakt zu vermeiden. Zumindest in einem Teil der Berliner S-Bahn-Flotte wird den Reisenden jetzt diese Entscheidung abgenommen. Nach Informationen der Berliner Zeitung  wird bei der S-Bahn Berlin GmbH angestrebt, bei jedem Stationshalt alle Zugtüren zu öffnen. "Um die Ausbreitung des Coronavius einzudämmen, werden vermehrt die Türen automatisch geöffnet. Damit wird es in vielen Fällen für den Fahrgast nicht mehr notwendig sein, den Taster zu betätigen", hieß es in einer Mitteilung auf der Website der S-Bahn.

Die Regelung sollte im Laufe dieses Freitags in Kraft treten, hieß es bei dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn (DB). Sie gilt für jeden Bahnhofshalt, nicht nur für Stopps an den stark frequentierten Stationen in der Innenstadt. An Haltepunkten mit einem geringeren Fahrgastaufkommen soll es den Fahrgästen ebenfalls erspart werden, die Türtaster zu berühren.

"Es wird aber nicht in jedem Fall so sein, dass die Türen zentral vom Triebfahrzeugführer geöffnet werden", sagte ein S-Bahner einschränkend. So seien die S-Bahnen der Baureihe 485 nicht für ein solches Verfahren eingerichtet. Deshalb gilt die Regelung nicht in den Zügen auf den S-Bahnlinien S46 (montags bis freitags), S47, S8 und S8. Bei den Zügen der Baureihen 480 und 481 könnte es zumindest nicht in jedem Fall funktionieren. Das Fahrpersonal muss den richtigen Moment erwischen, damit es klappt. Erst müssen die in den Zügen eingebauten Stillstandssensoren melden, dass die S-Bahn zum Halten gekommen ist. Dann erst bringt das Drücken des Knopfes für die zentraler Türöffnung das gewünschte Ergebnis, so der S-Bahnen.

In U-Bahnen nicht möglich - sagt die BVG

Trotzdem sei die nun in Kraft getretene Regelung für viele S-Bahn-Fahrgäste eine Erleichterung, so der S-Bahn-Mitarbeiter. Denn die Baureihen 480 und 481 stellen den größten Teil der Flotte, und in den meisten Fällen käme das Fahrpersonal mit der Technik durchaus zurecht. Wie berichtet hat die S-Bahn bereits 2018erprobt,  an stark genutzten S-Bahnhöfen in der Innenstadt wie Alexanderplatz alle Türen zentral zu öffnen. So soll das Ein- und Aussteigen beschleunigt werden, was der Pünktlichkeit zugutekommt. Die Prozedur gehörte zum Programm "Operative Exzellenz Berlin", mit der das Unternehmen seine Qualität in der Tat deutlich verbessern konnte.

Durchsagen in der S-Bahnen sollten die Fahrgäste auf die automatische Türöffnung hinweisen. Jetzt wird angestrebt, diese Information bereits auf den Bahnsteigen zu geben, hieß es.

Wie berichtet hat der Fahrgastverband IGEB gefordert, auch bei allen U-Bahnen an jeder Station die Türen automatisch zu öffnen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) entgegneten aber, dass die U-Bahn-Flotte dafür meist nicht eingerichtet sei. Die Flotte wäre zu alt.

Bislang hat Corona bei der S-Bahn Berlin zu keinen Einschränkungen geführt. "Wir fahren das, was die Länder Berlin und Brandenburg bei uns bestellt haben", hieß es dort. Wenn es auf behördliche Weisung zu Änderungen kommen soll, würden diese selbstverständlich umgesetzt. Allerdings strebe die S-Bahn an, den Fahrgästen so lange wie möglich das gewohnte Zugangebot zu offerieren.

Nicht zu viel von Desinfektion erwarten

Die Entscheidung, auch in Berlin demnächst Schulen und Kindertagesstätten zu schließen, könnte allerdings  für die S-Bahn  Folgen haben. Wenn vermehrt Kinder tagsüber zuhause betreut werden müssten, könnte das zu Ausfällen führen, hieß es. 

Als Reaktion auf die Pandemie werden die Berliner S-Bahnen nun öfter gereinigt als vorher."Unter anderem werden dabei alle Griffe, Griffmulden, Stangen, Sprechstellen und Türöffnungsschalter gesäubert. Zusätzlich finden Reinigungen an den Wendebahnhöfen und in den Werkstätten statt", teilte das Unternehmen mit.

Zu viel sollte man sich aber nicht davon erwarten. Für eine keimfreie Umgebung müsste nach jedem Fahrgast desinfiziert werden, hieß es. Das sei weder möglich noch praktikabel.