Man könnte auch von einem Beinahe-Unfall bei der Berliner S-Bahn sprechen. Auf der Stadtbahnstrecke in Mitte ist es zu einer gefährlichen Situation gekommen. Wie erst jetzt bekannt wurde, fuhr ein Zug am S-Bahnhof Hackescher Markt einer anderen S-Bahn auf demselben Gleis entgegen. Eine Bremsung konnte die Kollision verhindern, doch die Züge kamen sich bei der „Falschfahrt“ nahe. Die Bundespolizei bestätigte der Berliner Zeitung auf Anfrage den Vorfall, der sich in der Nacht zu Sonntag (3. April), kurz nach 1 Uhr, ereignete.

Der Fahrgast Matthias Winkler aus Spandau berichtete im Internetforum Drehscheibe Online, wie die gefährliche Situation entstand. Ein Zug der Linie S3 aus Erkner erreichte um 0.58 Uhr den S-Bahnhof Hackescher Markt, so Winkler. Eigentlich sollte die S-Bahn planmäßig in Richtung Westen zu Olympiastadion weiterfahren. Allerdings wurde durchgesagt, dass sie am Hackeschen Markt endet und in Richtung Osten nach Erkner zurückfährt. Da es östlich des S-Bahnhofs keine Weichen gibt, blieb der Zug auf demselben Gleis – Gleis 4. „Ich blieb zunächst etwas ungläubig im Zug sitzen“, so der Fahrgast. „Doch als der Triebfahrzeugführer den Zug entlang ging, stieg ich aus.“

Gefahr glücklicherweise rasch erkannt

Tatsächlich habe sich die S-Bahn auf demselben Gleis, auf dem sie gekommen war, um 1.01 Uhr in entgegengesetzter Richtung nach Osten in Bewegung gesetzt. Es handelte sich um eine „Falschfahrt“, wie Bahnexperten wissen – eine Fahrt entgegen der gewöhnlichen Fahrtrichtung. Der Mann im Führerstand muss rasch erkannt haben, dass ihm eine andere S-Bahn entgegen kam.

„Nachdem drei Wagenlängen den S-Bahnhof verlassen hatten, leitete er eine Notbremsung ein“, so der Fahrgast. Der andere Zug auf Gleis 4 war die S7 nach Potsdam. Er sei rund 125 Meter vor dem S-Bahnhof Hackescher Markt zum Stehen gekommen, hieß es. Die entgegenkommende S-Bahn hatte zu diesem Moment die Signalbrücke 71 bereits passiert. Nur hundert Meter trennten sie von der S3 nach Erkner.

Matthias Winkler
Vorn die S3 nach Erkner, hinten die S7 nach Potsdam: Zwei S-Bahnen kamen sich auf Gleis 4 ziemlich nahe.

Glücklicherweise sei es nicht zu einem Frontalzusammenstoß gekommen, berichtete der Fahrgast. „Immerhin befanden sich beide S-Bahnen im gleichen Blockabschnitt nur hundert Meter entfernt auf Kollisionskurs.“

Der Zug wurde wieder zum Hackeschen Markt zurückgezogen, wo die etwa 30 Reisenden aussteigen konnten. Der Betrieb war nach Angaben der Bundespolizei bis 2.30 Uhr unterbrochen. Gegen den 39 Jahre alten Triebwagenführer leitete die Bundespolizei ein Ermittlungsverfahren wegen Gefährdung des Bahnverkehrs ein. Warum er sich so verhielt, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, hieß es.