Wegen fehlender finanzieller Mittel wird das neue Berliner Schloss zunächst ohne das geplante Dach-Café gebaut. „Das haben wir gestrichen“, sagte Manfred Rettig, Vorstandsmitglied der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, am Freitag. Die nötigen drei Millionen Euro für das Café, die von privater Seite aufgebracht werden sollten, seien momentan nicht da. Für den Fall, dass das Geld später bereit gestellt werde, könne das Café aber noch gebaut werden. Baulich würden die Vorkehrungen dafür getroffen, sagte Rettig.

Noch immer fehlt auch das Geld für die komplette Rekonstruktion der Kuppel sowie des Innenportals darunter. Die Bauteile sollen aus Spenden finanziert werden. Rettig sagte, es fehle ein Betrag von zehn bis zwölf Millionen Euro. Die Kuppel könne bisher nur ohne die Laterne, also den Aufsatz auf der Spitze, sowie ohne Figurenschmuck errichtet werden. Rund 20 Millionen Euro an Spenden zuzüglich von Sachspenden seien bei der Stiftung bisher eingegangen, sagte Rettig.

Teuer, aber im Zeitplan

Der Bundestags-Haushaltsausschuss hat die Kostengrenze für das Schloss-Projekt auf 590 Millionen Euro festgelegt. 32 Millionen Euro davon steuert das Land Berlin bei, 478 Millionen Euro kommen vom Bund. 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassade sollen aus Spenden aufgebracht werden. Bei den 590 Millionen Euro bleibt es jedoch nicht.

Weitere bauliche Optionen wie die Rekonstruktion der Kuppel und der Innenportale, die als wünschenswert bezeichnet werden, schlagen zusätzlich mit rund 25 Millionen Euro zu Buche. Sie sollen ebenfalls aus Spenden aufgebracht werden. Ein Eckrondell, dessen Bau mit 2,5 Millionen Euro beziffert wird, wurde bereits zusätzlich durch einen privaten Spender bezahlt. Es gibt offenbar sehr spendable Unterstützer des Projekts. Ein Mäzen will nach Angaben der Stiftung sein gesamtes Spendenvolumen mit einer weiteren Finanzspritze auf einen zweistelligen Millionenbetrag erhöhen. Nähere Angaben zu dem Spender machte die Stiftung nicht.

Die Arbeiten für das Schloss befinden sich laut Rettig im Zeitplan. Das Richtfest ist für 2015 geplant. Im nächsten Jahr soll bereits mit der Rekonstruktion der Barockfassade begonnen werden. Ab der zweiten Jahreshälfte 2019 soll das Gebäude sukzessive eröffnet werden. Gegenüber der ursprünglichen Zeitplanung gibt es damit freilich eine zeitliche Verschiebung. Noch 2011 hatte die Bundesregierung im jährlichen Projektbericht den Mai 2019 als Eröffnungstermin genannt.

Auf die Ostfassade kann nicht mehr verzichtet werden

Ein Verzicht auf die umstrittene Ostfassade des Schlosses, die in moderner Architektur geplant ist, ist laut Rettig nicht mehr möglich. „2009 hätte man darüber nachdenken können“, sagte er. Spätestens 2011 hätte der Haushaltsausschuss des Bundestags die „Notbremse“ ziehen müssen. Eine Änderung der Baupläne zum jetzigen Zeitpunkt würde keine Kosten sparen, sondern zusätzliche Ausgaben verursachen. Die Idee sei deswegen völlig unrealistisch.

Wie berichtet, fordert die Bürgerinitiative Offenes Schloss, auf den Ostflügel zu verzichten. Das Schloss würde sich dadurch mit einem großen Innenhof in Richtung Fernsehturm öffnen.

Einen Tag der offenen Tür gibt es am 1. Juni 10– 18 Uhr auf der Schloss-Baustelle. Eingang: neben der Humboldt-Box.