BerlinDer Bau des Berliner Schlosses verteuert sich voraussichtlich um weitere rund 33 Millionen Euro. Das geht aus einem Bericht des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat an den Bundestags-Haushaltsausschuss hervor, der der Berliner Zeitung vorliegt. Die Kosten für das Schloss steigen danach laut einer aktuellen Kostenprognose von zuletzt rund 644 Millionen Euro auf 677 Millionen Euro. Die exakten Mehrkosten sollen dem Bericht zufolge im vierten Quartal dieses Jahres ermittelt werden.

Als Grund für die Kostensteigerung werden in dem Bericht die Auswirkungen der Corona-Krise genannt. Die Pandemie habe zu gestörten Bauabläufen „insbesondere in den technischen Gewerken und im Ausstellungsbau“ geführt, wodurch sich die Ausführungsdauer der Arbeiten verlängert habe. Außerdem habe es „erhöhte Aufwendungen für Hygienemaßnahmen“ gegeben. Auf der Baustelle seien bis zu 30 Prozent weniger Arbeitskräfte tätig gewesen, was auf Quarantäne, Kurzarbeit und Beschränkungen im Reiseverkehr zurückzuführen sei. Auch Schäden aus einem Brand auf der Baustelle „beeinträchtigen den Baufortschritt“, heißt es. 

Am Ziel, das Humboldt-Forum im Berliner Schloss vom Dezember an schrittweise zu eröffnen, ändere sich nichts. Es bestehen dem Bericht zufolge aber  „Terminrisiken“, da der Verlauf der Pandemie nicht prognostizierbar sei. 

Das neue Schloss soll ein modernes Kulturzentrum werden. Hauptnutzer wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Im Erdgeschoss entsteht ein Museum des Ortes, zu dem die freigelegten historischen Schlosskeller gehören. Im ersten Obergeschoss will das Land Berlin eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt präsentieren. Ein weiterer Teil der Flächen wird von der Humboldt-Universität bespielt.

Zweite Kostensteigerung binnen zwölf Monaten

Die Kostensteigerung beim Bau des Schlosses ist die zweite innerhalb von zwölf Monaten. Im November 2019 war bekannt geworden, dass sich das Bauprojekt um fast 50 Millionen Euro verteuert – von 595 Millionen Euro auf gut 644 Millionen Euro. Grund für die damalige Kostensteigerung waren zahlreiche technische Mängel, zum Beispiel an Heizung und Kühlanlagen. Sie hatten dazu geführt, dass die zunächst für November 2019 geplante Eröffnung der Ausstellungsräume auf 2020 verschoben werden musste.

Nach einer Vereinbarung zwischen Bund und Land Berlin aus dem Jahre 2011 müssen die Mehrkosten allein vom Bund übernommen werden. Der Anteil Berlins bleibt bei 32 Millionen Euro. Die nun geschätzten Baukosten von 677 Millionen Euro sind aber bereits nach den aktuellen Berechnungen nicht der aktuelle Endbetrag. In dem offiziellen Budget nicht enthalten sind nämlich Ausgaben in Höhe von 20 Millionen Euro für die sogenannten baulichen Optionen, wozu die vollständige Rekonstruktion der Kuppel und mehrerer Innenportale gehört. Diese 20 Millionen Euro sind allerdings bereits finanziert - sie wurden komplett aus Spenden aufgebracht.

Rechnet man die 20 Millionen Euro zu den Baukosten von 677 Millionen Euro hinzu, ergeben sich Gesamtkosten von 697 Millionen Euro für das Projekt. Aus Spenden sollen dabei neben den 20 Millionen Euro für die baulichen Optionen weitere 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der historischen Fassaden aufgebracht werden. Für die Rekonstruktion der Fassaden sind laut dem Bericht Spenden in Höhe von 72 Millionen Euro eingegangen. Der Betrag erhöht sich auf 77,9 Millionen Euro, wenn Sachspenden in Form von Planungsleistungen und die anteiligen Einnahmen der Stiftung aus Vorsteuererstattungen angerechnet werden. Demnach müssen aber noch 2,1 Millionen Euro an Barspenden eingeworben werden.

Ausgaben wurden runtergerechnet, um Bau zu forcieren

Rückblick: Im Jahr 2002 waren von einer Expertenkommission Kosten in Höhe von 670 Millionen Euro für das Vorhaben angesetzt worden. Der Preis war damals so hoch, dass eine Realisierung des Projekts über Jahre aufgeschoben wurde. Der Bundesregierung fehlte schlicht das Geld. Die Planung kam erst  wieder in Gang, als der damalige Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) im Jahr 2007 Pläne für eine abgespeckte Version des Schlosses präsentierte, die für 480 Millionen Euro zu haben sein sollte. Damit blieb das Projekt unter der Grenze von 500 Millionen Euro - und war politisch mehrheitsfähig. Dass schon kurze Zeit später die Kosten um 72 Millionen Euro auf 552 Millionen Euro stiegen, konnte dem Vorhaben nichts anhaben. Später wurde das Budget nach einer Anpassung an die gestiegenen Baukosten zunächst auf 590 Millionen Euro angehoben und nach dem Beschluss für den Bau eines Dachcafés auf 595 Millionen Euro erhöht.

Die Opposition kritisiert die neuerliche Kostensteigerung. „Die Kostenobergrenze ist ein Witz“, sagt die Berliner Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linke). „Uns wurde ein Schloss für 590 Millionen Euro (2011) versprochen und jetzt sind wir schon bei 677 Millionen Euro.“ Selbst dabei werde es nicht bleiben. „Ich frage mich, ob wirklich alle Mehrkosten auf die Pandemie zurückzuführen sind“, sagt Lötzsch. Bekanntlich sei die Kostenobergrenze schon vor Corona mehrfach angehoben worden. „Ich weiß auch nicht, warum immer der Steuerzahler für Mehrkosten aufkommen soll“, sagt Lötzsch. „Warum werden nicht die Spender gefragt, ob sie in diesen Krisenzeiten nicht das Projekt finanziell unterstützen wollen?“

Das Schloss ist nicht die einzige Baustelle, die die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren bekommt. Von 93 großen Bauvorhaben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung in Berlin waren bis Mai 41 Projekte von Auswirkungen der Pandemie betroffen. So kam es auf der Baustelle des Pergamonmuseums zum Ausfall von Personal und zu Lieferengpässen. Und beim geplanten Anbau für den Bundesrat in der Leipziger Straße, bei dem auch ein Besucherzentrum entstehen soll, verzögerten sich behördliche Genehmigungsverfahren - zum Beispiel bei der Bearbeitung von Anträgen auf Sondernutzung von Straßenland für die Baustelleneinrichtung. Außerdem ist es bei der Staatsbibliothek Unter den Linden zu verzögerten Abnahmen durch die Sachverständigen gekommen.