Die Postleitzahl, unter der ein Berliner Schüler gemeldet ist, entscheidet immer noch stark über seinen schulischen Erfolg – oder Misserfolg. Trotz aller Anstrengungen der SPD-dominierten Berliner Bildungspolitik samt der vor acht Jahren umgesetzten Schulreform hat sich daran wenig geändert. In Steglitz-Zehlendorf machten zum Beispiel im vergangenen Schuljahr fast zwei Drittel aller Schulabgänger das Abitur.

In Marzahn-Hellersdorf war der Anteil der Schüler mit Hochschulreife nicht einmal halb so hoch (31,8 Prozent). Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf einer parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor. Er hatte nach den Abschlüssen der Schulabgänger des vergangenen Schuljahres gefragt.

Und noch etwas sticht hervor. Auch im vergangenen Schuljahr verließ immer noch fast jeder zehnte Jugendliche die Schule ohne Abschluss (9,7 Prozent). Dieser Wert ist kaum besser als in den vergangenen Jahren. Damit wurde ein erklärtes Ziel der Schulreform, die Abbrecherquote deutlich zu senken, auch nach sieben Jahren nicht erreicht.

„Das werden wir so nicht hinnehmen“, sagte Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Die Schulen in sozialen Brennpunkten müssten weiter gestärkt werden. Immerhin wolle die Fraktion hier mehr Sozialarbeiter einsetzen und auch einen Bonus für dort arbeitende Lehrer erwirken. Ob der Anreiz über einen finanziellen Zuschlag oder über Ermäßigungsstunden geschaffen werde, sei noch unklar.

Neu ist, dass nach Neukölln nun der Außenbezirk Spandau die meisten Jugendlichen ohne Schulabschluss vorweist. Offenbar auch eine Folge davon, dass Familien mit mitunter geringerem Bildungsstand wegen der steigenden Mieten dorthin verdrängt werden, worauf einige Bezirkspolitiker hinweisen. Verwunderlich ist zudem, dass der Anteil der migrantischen Schulabbrecher in einzelnen Bezirken wie Treptow-Köpenick oder Neukölln teils mehr als doppelt so hoch wie der der deutschstämmigen Schüler, dieser Unterschied woanders aber längst nicht so groß ist wie etwa in Mitte. Insgesamt steigt der Anteil der Schüler nichtdeutscher Herkunft, die ohne Abschluss bleiben, weiter an. Ein Faktor dürfte der stark gestiegene Anteil von Flüchtlingen in der Schule sein, aber auch insgesamt der steigende Migrantenanteil an Berliner Schulen. Ohne jegliches Abschlusszeugnis droht jungen Menschen die dauerhafte Abhängigkeit von Sozialleistungen.

Auffällig ist auch ein Ost-West-Unterschied, der nachzuwirken scheint. In den betont (besitz)-bürgerlichen Bezirken wie Steglitz-Zehlendorf oder Charlottenburg-Wilmersdorf legen besonders viele Jugendliche das Abitur ab, vornehmlich an den vielen Gymnasien. Hier wird auch kräftig in Nachhilfe investiert, wie diverse Institute bezeugen. In östlichen Bezirken ist der Drang ans Gymnasium nicht so stark ausgeprägt.

Dort besuchen anteilmäßig mehr Schüler die Sekundarschulen. Sie schließen auch häufiger mit dem Mittleren Schulabschluss (MSA) – früher Realschulabschluss – ab, was eine gute Grundlage für eine duale Ausbildung ist und zeigt, dass eine Lehre hier noch einen höheren Stellenwert hat. „Wir haben fünf staatliche Gymnasien im Bezirk, damit scheinen wir auszukommen“, sagt Jörg Spieler, Direktor des Hellersdorfer Melanchthon-Gymnasiums.

Insgesamt entscheidet natürlich auch das Elternhaus über die Bildungsperspektiven. Erfährt ein Kind viel Anregung, wird ihm regelmäßig in jüngsten Jahren vorgelesen, macht sich das später positiv bemerkbar.

Berlinweit erreichten im Schuljahr 2016/17 knapp 33 Prozent eines Jahrgangs den MSA, knapp acht Prozent die erweiterte Berufsbildungsreife – früher Hauptschulabschluss – und 5,6 Prozent die Berufsbildungsreife. Unter den Abiturienten waren junge Frauen übrigens wesentlich häufiger vertreten als junge Männer. Letztere brechen hingegen häufiger die Schule ab.