Berlin - U-Bahnen und Straßenbahnen fahren längst elektrisch, bis 2030 sollen die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) folgen. Nun bemüht sich der Senat darum, dass in einem weiteren Teil des Nahverkehrs der Elektroantrieb an Bedeutung gewinnt: im Taxiverkehr. Vom 1. Juli an können Taxibetriebe für die Anschaffung von rein batterieelektrisch betriebenen Fahrzeugen, die als Taxis zum Einsatz kommen, eine Förderung von bis zu 15.000 Euro je Fahrzeug erhalten. Auch für Brennstoffzellen- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge können Zuschüsse beantragt werden. Damit wird das Elektro-Förderprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ (WELMO) der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe um ein weiteres Modul ergänzt.

Taxi-Unternehmen erfüllen mit ihrer Betriebs- und Beförderungspflicht einen Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und garantieren durch die Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge emissionsfreie Mobilität rund um die Uhr, heißt es dort. „Gerade durch die hohen Kilometerleistungen der Taxis leistet der Umstieg auf Elektromobilität einen wichtigen Beitrag für mehr Klima- und Gesundheitsschutz im Verkehr“, sagte Senatorin Ramona Pop (Grüne) am Dienstag. „Mit dem neuen WELMO-Fördermodul bieten wir der Berliner Taxibranche einen attraktiven Anreiz zur Elektrifizierung ihrer Flotten.“

Neue Konkurrenz fürs Taxi

Mit der Förderung könnten sowohl gesundheitsschädliche Stickoxide wie auch der Kohlendioxidausstoß wirksam reduziert werden, so die Senatspolitikerin. „Vom grünen Strom in der Batterie profitieren Umwelt und Klima.“

Bislang stand die Taxibranche Elektrofahrzeugen skeptisch gegenüber. Ein Problem sei, dass es nicht genug Ladesäulen gebe, heißt es. Wenn ein Fahrer nach seiner Schicht die Batterie laden wolle, bestünde das Risiko, dass im Umkreis alle Ladepunkte belegt seien. Hinzu komme, dass große Fahrzeuge mehr Energie benötigen. An Schnellladern, mit denen sich die Standzeit verringern ließe, sei der Strom aber oft teurer als an herkömmlichen Ladegeräten. Von 70 Cent pro Kilowatt ist die Rede.

Die Branche zeigte sich auch deshalb bislang sehr zurückhaltend, weil sie seit vielen Monaten andere Probleme als die Erderhitzung und den Klimaschutz hat. Fahrdienstanbieter wie Uber haben auch in Berlin inzwischen einen großen Marktanteil errungen. Mit Bolt aus Estland kam jüngst weitere Taxikonkurrenz dazu. Weil während der Corona-Krise Touristen sowie Messebesucher lange Zeit ausgeblieben sind und Einheimische abends kaum noch Anlass zum Ausgehen hatten, sind die Einnahmen stark geschrumpft. Viele Unternehmen mussten aufgeben.

Ende 2019, vor Beginn der Pandemie, waren in Berlin noch 2889 Taxibetriebe mit insgesamt 8044 Taxis registriert. Bis April dieses Jahres schrumpfte die Zahl auf 2383 Betriebe mit insgesamt 6630 Taxis, teilte die Innung des Berliner Taxigewerbes mit. Am Ende der dritten Corona-Welle ist allerdings eine Trendumkehr erkennbar. Die Zahl der Neukonzessionen in Berlin steigt inzwischen wieder an, so der Branchenverband.

Wie berichtet hat die Innung im vergangenen Jahr ein Elektroauto des Typs Nissan Leaf gekauft, das Unternehmen als E-Taxi überlassen wird. Schon damals gab es einen Zuschuss des Senats – der aber mit 4000 Euro niedriger ausfiel. Der Bund steuerte weitere 2000 Euro bei, sodass sich die Rechnung für die Innung auf 37.400 Euro belief. „Bislang haben 15 Taxifahrer das Fahrzeug genutzt“, sagte Innungschef Leszek Nadolski am Dienstag. Nun werde erwogen, ein weiteres E-Auto anzuschaffen.

Abgesehen von dem Nissan Leaf des Verbands gebe es in Berlin nur eine Handvoll weiterer Taxis mit vergleichbarem Antrieb – die Rede ist von zwei batteriegetriebenen London-Taxis des Herstellers LEVC sowie einigen wenigen Plug-in-Hybriden. Doch in Hamburg ist man optimistisch, dass auch dieser Bereich des Nahverkehrs rasch elektrifiziert wird. Von 2025 an sollen dort nur noch emissionsfreie Taxis fahren und Taxikonzessionen nur noch für solche Fahrzeuge vergeben werden.