Dilek Kalayci (SPD), Berliner Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung
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BerlinKostenlose Corona-Tests für alle, wie Bayern sie plant, wird es in Berlin wohl erst einmal nicht geben. Man wolle zwar mehr Menschen testen, auch ohne Symptome, aber „gezielter“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss. Sie denke etwa an direkte Kontaktpersonen von Infizierten oder Menschen, die in Risikobereichen mit Publikumsverkehr arbeiten. Dazu gehören zum Beispiel Supermärkte oder Busse. Weiterhin sei es aber das Allerwichtigste, „dass jeder, der Symptome hat, zügig getestet wird“, um sicherzustellen, dass sich nicht andere bei möglichen Betroffenen ansteckten.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hatte am Sonntag angekündigt, dass sich im Freistaat bald jeder auf das Coronavirus werde testen lassen können, auch ohne Symptome. Wenn die Kassen nicht einspringen, werde der Freistaat die Kosten übernehmen. Kalayci sagte am Montag, die Verantwortung für die Kosten der Tests liege in erster Linie bei den Kassen und betonte die wichtige Rolle der Hausärzte für die Durchführung.

Senat will Anzahl der Teststellen erhöhen

Allerdings will der Senat auch die Anzahl der Teststellen erhöhen: Geplant sei momentan eine in jedem Bezirk, sagte Kalaycis Staatssekretär Martin Matz im Gesundheitsausschuss. Zuletzt seien in Berlin pro Woche zwischen 19.000 und 25.000 Menschen auf das Coronavirus getestet worden.

Massentests vorgesehen waren bisher vor allem für die Angestellten von Krankenhäusern und Pflegeheimen, außerdem haben Lehr- und Erziehungskräfte und anderes Personal ausgewählter Schulen und Kitas die Möglichkeit, sich auch ohne Symptome testen zu lassen. Wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) der Berliner Zeitung am Wochenende sagte, soll dieses Angebot nun auf alle, die in Kitas arbeiten, und ab Mitte Juli auch auf alle Lehrkräfte ausgeweitet werden.

Wie berichtet gab es seit der Wiederaufnahme des Schul- und Kitabetriebs mehrere Fälle von Corona-Infektionen unter Kindern und Jugendlichen, in deren Folge sich Dutzende Kinder, Schüler und Lehrkräfte sowie Erzieherinnen in Quarantäne befinden.

Auch die Ausbrüche in mehreren Wohnhäusern in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg waren Thema im Gesundheitsausschuss. Diese seien lokalisier- und eingrenzbar gewesen, sagte Kalayci am Montag: „Wir sehen keine Streuung bei diesen Ereignissen.“ Auffällig ist das junge Alter der Infizierten: In Friedrichshain-Kreuzberg habe der Altersdurchschnitt der 54 positiv Getesteten bei 19,5 Jahren gelegen. Generell sinke der Altersdurchschnitt der positiv Infizierten, sagte Kalayci am Montag: „Bei den neu Infizierten beobachten wir, dass im Durchschnitt weniger Ältere betroffen sind, stärker im Bereich Altersgruppe Kinder und deren Eltern, aber auch Jugendliche.“

Am Sonntag war die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen um acht auf 8175 gestiegen. Davon sind laut Senatsgesundheitsverwaltung 7217 Menschen genesen und 213 gestorben. 121 Menschen liegen mit Covid-19 im Krankenhaus, 30 davon auf einer Intensivstation.