Berlin - Der Fahrgastverband IGEB befürchtet eine neue Krise bei der S-Bahn Berlin, weil in fünfeinhalb Jahren viele Züge fehlen würden. Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) sieht die Zukunft gelassener. Ob es tatsächlich zu einem gravierenden Fahrzeugmangel kommt, „lässt sich derzeit schwer abschätzen“, sagte er der Berliner Zeitung. Da ist Gaebler aber optimistischer als seine eigenen Planer.

Zum einen könnten die Alt-Züge, die Ende 2017 ausgemustert werden sollen, möglicherweise noch etwas länger eingesetzt werden, so der Politiker. „Wir müssen sehen, dass man sich mit dem Eisenbahn-Bundesamt auf Übergangsfristen verständigt.“ Zum anderen lasse sich zum weiteren Zeitplan derzeit noch nichts mit Sicherheit sagen. „Unser Ziel bleibt es, zügig in das Verfahren zur Beschaffung neuer S-Bahnen einzusteigen“, bekräftigte Gaebler.

In anderthalb bis zwei Jahren werde klar sein, wie viel Zeit die Planung, Herstellung und Zulassung in Anspruch nehmen wird. Wie berichtet, hat eine SPD-interne Debatte eine Senatsentscheidung zur S-Bahn-Zukunft bislang verhindert.

Allerdings teilt nicht jeder in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Gaeblers Zuversicht, dass die nötigen 190 Zwei-Wagen-Einheiten rechtzeitig als Ersatz für die Züge der älteren Baureihen 480 und 485 zur Verfügung stehen werden. Nach der bisherigen internen Prognose werden Ende 2017 gerade mal zwei Dutzend Wagen der neuen S-Bahn als Probezüge einsatzfähig sein.

Neue Wagen kommen erst 2019

Mit der Serienproduktion rechnen die Senatsleute erst später: Im Februar 2019 könnte als Erstes die S 46 nach Königs Wusterhausen mit neuen Wagen bestückt werden, im Juni 2019 die S 8 nach Zeuthen. Für den Ring stünden ab Januar 2020 neue Züge parat. Fragt sich nur, mit welchen Wagen die Reisenden so lange fahren. Denn die S-Bahn hat sich dazu verpflichtet, die Alt-Baureihe 485 Ende 2017 aus dem Betrieb zu nehmen. Falls das Bundesamt einem weiteren Einsatz zustimmt, wird es dies wohl mit zusätzlichen Sicherheitsauflagen verbinden. Ob die Baureihe 480 auf das neue Sicherungssystem der S-Bahn umgestellt werden kann, „darüber streiten sich die Gelehrten“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner.

Damit nicht genug: Die 300 Wagen der Alt-Baureihen müssten zudem auf das neue Funksystem GSM-Rail umgerüstet werden – und bei vielen Zügen stünden nach 2017 Hauptuntersuchungen an. Damit ist klar: Es wird sehr teuer, die Züge über dieses Jahr hinaus einzusetzen. „Diesen Aufwand wird sich die S-Bahn von Berlin teuer bezahlen lassen“, sagte ein Experte.