Vor allem die Gesundheitsämter sind für die Corona-Tests zuständig. 
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BerlinDer Berliner Senat ändert seine Strategie beim Testen auf Covid-19. Bisher werden in Berlin nur Menschen auf das Virus getestet, wenn sie Symptome aufweisen sowie Kontakt zu einem bereits bestätigten Covid-19-Fall hatten. In Zukunft sollen nun alle Kontaktpersonen der „Kategorien 1, 2 und 3“ durchgetestet werden, auch wenn sie keine Symptome aufweisen. Ebenso sollen Menschen mit Symptomen getestet werden, auch wenn sie keinen Kontakt zu Infizierten hatten.

Das kündigte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss an. Alle symptomatischen Personen und alle Kontaktpersonen durchzutesten sei „grundsätzlich neu“ und eine „deutliche Erweiterung“, sagte sie.  Außerdem sollen laut Kalayci perspektivisch bestimmte Berufsgruppen durchgetestet werden, darunter die Mitarbeiter an den Krankenhäusern sowie Angestellte und Bewohner von Altenheimen.

Den Anfang bei den Krankenhäusern habe die Landestochter Charité gemacht, die bereits ihr Personal getestet habe, so Kalayci. Die Charité teilte der Berliner Zeitung mit, dass man die Ergebnisse erst in den nächsten Tagen veröffentlichen werde. Im Bereich der Altenpflege soll laut Kalayci Vivantes – ebenfalls Landestochter – vorangehen.

Vivantes betreibt 18 Altenheime in Berlin mit 2300 Plätzen und 1500 Mitarbeitern. Vivantes teilte auf Nachfrage mit, dass die Bewohner der Heime bereits zuvor getestet wurden, an zwei Heimen habe man nun außerdem die Mitarbeiter auf Covid-19 getestet. „Weitere Heime sollen in den kommenden Wochen folgen“, so eine Sprecherin. Bislang seien alle Tests negativ ausgefallen.

Als Grund für den Strategiewechsel des Senats gab Kalayci an, dass Berlins Test-Kapazitäten zurzeit nicht voll ausgeschöpft würden. In der Anfangsphase der Pandemie sah das noch anders aus. Berlin hat erst in den vergangenen Wochen massiv Test-Kapazitäten aufgebaut. Diese Kapazitäten wolle man nun nutzen, so Kalayci, um die „Durchseuchung“ der Bevölkerung genauer zu untersuchen. 

Ärztekammer fordert Tests an allen Kliniken

Kritik üben jene im Gesundheitswesen, die nicht für die Landesunternehmen arbeiten. „Es ist zu fordern, dass an allen anderen Kliniken auch Testungen durchgeführt werden“, sagte Thomas Werner, Vorstand der Berliner Ärztekammer, im Gesundheitsausschuss. Das für Testungen vorgesehene Krankenhauspersonal sei außerdem „zu eng gefasst“. Auch eine Vertreterin des Landespflegerats betonte, dass Testungen nicht nur an den Vivantes-Altenheimen durchgeführt werden sollten.

Die CDU kritisiert generell die Kopflosigkeit des Senats bei den nun ausgeweiteten Testungen. „Es ist kein Plan erkennbar“, sagte CDU-Gesundheitsexperte Tim Zeelen der Berliner Zeitung. „Jetzt wird jede Woche eine neue Berufsgruppe bekanntgegeben für Testungen“, so Zeelen. „Aber wir arbeiten nicht eine mal seriös ab.“ Die CDU fordert seit Wochen zuerst ein flächendeckendes Screening für Altenheimbewohner und -Angestellte.

Auch Tests an Schulen und Kitas soll es geben, kündigte Kalayci am Montag erneut an. Ihre Verwaltung teilt auf Nachfrage aber mit, dass die Pläne dazu noch Gegenstand „senatsinterner Beratungen“ seien. Zeelen hält solche Versprechungen zurzeit für unseriös. „Der Senat vermittelt Eltern eine Sicherheit, die es noch gar nicht gibt.“