In Berlin kosten Anwohner-Parkzonen jährlich 10,20 Euro.
Foto: imago/Steinach

BerlinFür 10,20 Euro kann man in Berlin eine Menge tun: bei Edeka knapp fünf Kilo südafrikanische Weintrauben kaufen. Oder einen Monat lang einen Quadratmeter in einer neuvermieteten Wohnung in Weißensee bewohnen. Man kann fast viermal U- oder S-Bahn fahren, knapp acht Liter Diesel tanken – oder ein Jahr lang in einer der Anwohner-Parkzonen vor der Tür parken.

Der Vergleich beweist, wie absurd günstig – zumindest aus Sicht von Verkehrspolitikern – das Parken in der Stadt ist. Doch das könnte bald vorbei sein. Der Senat will das Parken für die Berliner Autobesitzer so teuer machen, dass diese am besten gleich ihre Privatwagen abschaffen. Und selbst der Auto-Lobbyverband VDA will die Privatwagen großflächig von den Straßen räumen.

Mehr Parkzonen in Berlin

Der nächste Schritt des Senats ist es, in der Innenstadt noch dieses Jahr etliche Parkzonen mehr auszuweisen. Damit wären zum Jahresende große Teile des S-Bahnrings abgedeckt (siehe Karte).
Mit den steigenden Parkpreisen will der Senat Verkehrspolitik machen. Das Ziel ist klar: Es soll generell weniger Autos in der Stadt geben.

Zum Jahresende sollen große Teile des S-Bahnrings mit Parkzonnen abgedeckt werden.
Graphik: BLZ/Hecher, Quelle: SEN UVK

Dabei hat Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten deutlich weniger Autos je Einwohner. In der Stadt sind im Schnitt rund 390 Autos auf 1000 Einwohner gemeldet. An der Spitze liegt München (570 Autos auf 1000 Einwohner), vor Köln (515), Frankfurt am Main (512) und Köln (500 Autos). Insgesamt waren 2018 in Berlin 1,4 Millionen Autos gemeldet.

„Wir müssen darüber reden, wie sich die Preise für das Anwohnerparken entwickeln sollen, damit wir wirklich nur noch die Autos in der Stadt haben, die unvermeidlich sind“, sagt Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Stattdessen soll es   mehr Platz für Busse und Bahnen, für Carsharing-Autos, aber auch für Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer geben.

Unterstützung durch Automobilindustrie

Unterstützung erhält der Senat ausgerechnet vom Verband der Automobilindustrie. Der hat zum Jahreswechsel ein Konzept vorgelegt, das Anwohnerparkausweise teurer macht, Elektroautos Sonderparkplätze zuweist – und Kommunen mehr Spielräume gibt, um Preise zu erhöhen oder zu senken. Gefordert sei eine grundlegende Reform des Parksystems.

Dabei hat der VDA allerdings nicht in erster Linie den Umstieg vom Privatwagen auf den ÖPNV im Blick. „Alle, die auf einen Parkplatz angewiesen sind, sollten einen freien Stellplatz möglichst ohne Suchverkehr erreichen können“, heißt es. Doch das ist nur möglich, wenn weniger Anwohner ihre Autos am Straßenrand abstellen.

Auch der Deutsche Städtetag, ein Zusammenschluss kreisfreier und kreisangehöriger Städte, will das Parken für Anwohner teurer machen. Die Städte sollten für die Parkausweise selbst einen Jahrespreis von 20 bis 200 Euro festsetzen dürfen, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Saarbrücker Zeitung.

City-Maut für Kommunen

Derzeit darf ein Anwohnerparkausweis für ein Jahr zwischen 10,20 und 30,70 Euro kosten. „Das deckt oft nicht einmal den Verwaltungsaufwand für Schilder und die Ausweise“, so Dedy. Während Berlin mit 10,20 Euro jährlich exakt an der Untergrenze bleibt, schöpfen die anderen Millionenstädte Hamburg, München und Köln den maximalen Wert fast komplett aus (siehe Kasten).


Anwohner-Parken: Die Gebühren in deutschen Großstädten

  • Die Gebührenordnung schreibt den deutschen Kommunen bei einem Bewohnerparkausweis eine Bandbreite von 10,20 Euro bis 30,70 Euro pro Jahr vor. Tatsächlich gibt es große Unterschiede von Stadt zu Stadt, Berlin liegt mit 10,20 Euro am untersten Ende. Ein Vergleich.
  • Hamburg
    In der Hansestadt betragen die Gebühren für die Beantragung oder Verlängerung eines Parkausweises für ein Jahr 25 bis 30 Euro. Bei Verlust, Änderung des Kennzeichens, oder Umzug in ein anderes Gebiet wird kostenlos ein Ersatz ausgestellt.
  • München
    In der bayerischen Landeshauptstadt werden pro Jahr 30 Euro fällig. Ein für zwei Jahre gültiger Parkausweis kostet entsprechend 60 Euro.
  • Köln
    In der Rheinmetropole ist eine Vignette für 12, 18 und 24 Monate erhältlich. Die Kosten betragen 30, 45 beziehungsweise 60 Euro. Eine Besonderheit ist der Monats-Parkausweis für   4,20 Euro.

Der Städtetag wolle keine bundesweiten neuen Abgaben, sagte Dedy. Aber die Kommunen müssten eine City-Maut einführen dürfen.
In der Verkehrsverwaltung trifft der Vorstoß auf Zustimmung. „Es ist wichtig, dass die Kommunen diese Fragen möglichst bald selbst entscheiden können“, sagte Staatssekretär Ingmar Streese der Berliner Zeitung. Die aktuellen Gebühren spiegelten den Wert der genutzten Stadtflächen in keinster Weise   wider.

Jahresgebühr von 50 Euro?

Bleibt die Frage, wie teuer Parken konkret sein soll. Für Michael Müller-Görnert, Sprecher des Verkehrsclub Deutschlands (VCD), sind die Preise „ein Witz – zumal die Autos durchschnittlich 23 Stunden am Tag rumstehen. Das Privatauto ist kein Fahrzeug, sondern ein Stehzeug, das Platz frisst“, sagte er. Als Jahresgebühr seien 50 Euro denkbar.

Staatssekretär Streese hält dagegen die Kalkulation des Städtetags „für eine gute Grundlage“. Bei einer neuen Festsetzung müsse man auch „den internationalen Kontext anschauen.“ Dieser „internationale Kontext“ stellt sich überaus divers dar: Während in Kopenhagen 158 Euro Jahresparkgebühr gezahlt werden muss, sind die Stockholmer mit 827 Euro dabei.


Anwohner-Parken im Ausland: Das sind die Preise

  • Kopenhagen
    In der dänischen Hauptstadt müssen die Bewohner jährlich 158 Euro für das Parken in der Innenstadt bezahlen.
  • London
    Die Bewohner der britischen Kapitale werden jährlich mit 165 Euro zur Kasse gebeten, wenn sie dort parken wollen.
  • Amsterdam
    Der Platz in der niederländischen Metropole ist extrem knapp. Bewohner mit Auto müssen jährlich 535 Euro für das Parken in der Innenstadt bezahlen.
  • Riga
    Jeder dritte Lette wohnt in Riga. Entsprechend knapp ist dort der Platz – und hoch der Preis fürs Parken: 660 Euro.
  • Stockholm
    Schwedens Hauptstadt gilt als eine der teuersten Metropolen des Kontinents. Da macht das Parken keine Ausnahme. 827 Euro werden jährlich fällig.