Berlin - Ein schwerer Verkehrsunfall ist eine Katastrophe – nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen. Dass der Senat nun prüfen will, ob er eine Ombudsperson für Unfallopfer beruft, wird von Verkehrsaktivisten begrüßt. Hilfe und Betreuung seien nötig, sagte Roland Stimpel vom Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS).

„Unterstützer für Unfallopfer gibt es einige, aber wir kennen kaum welche in Behörden“, unterstrich Stimpel. Er verwies auf regionale Beispiele, die Berlin auswerten sollte. So stünde der Opferschutzbeauftragte der Polizei Höxter (Nordrhein-Westfalen) auch Unfallbetroffenen zur Seite. In den Kreisen Emsland und Grafschaft Bentheim in Niedersachsen helfe die Polizei im Umgang mit Ämtern und Versicherungen – nicht nur Hinterbliebenen, sondern auch Zeugen und Helfern.

„Unfallopfer und ihre Angehörigen stehen oft allein da“

Ombudspersonen für Unfallopfer hätten die Aufgabe, Betroffene und Hinterbliebene durch das Ämtersystem zu lotsen, so Stimpel. „Ein pensionierter hoher Beamter wüsste, wohin er sich zu wenden hat.“

Wie berichtet haben FUSS, der Verkehrsclub Deutschland und Changing Cities für Dienstag um 17.30 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung aufgerufen. Schauplatz ist die Grunerstraße in Mitte, wo ein Jahr zuvor eine 21-Jährige gestorben war. Ihr Wagen wurde von einem Polizeiauto getroffen. Die Eltern klagen, dass sie kaum Unterstützung erfahren haben. 

Eine Forderung bei dem Gedenken wird deshalb sein: „Geschädigte schwerer Unfälle und Hinterbliebene brauchen eine Ombudsperson, die die Betroffenen unterstützt, ihre Rechte und Interessen wahrzunehmen.“ Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bekräftigte den Wunsch: „Unfallopfer und ihre Angehörigen stehen oft allein da.“

Senat zeigt sich offen für die Forderung

Der Senat zeigt sich offen für die Forderung. Jan Thomsen, Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne): „Den Vorschlag, die Stelle einer Ombudsperson für Unfallopfer einzurichten, findet die Senatsverwaltung für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz bedenkenswert und würde ihn daher ergebnisoffen prüfen. Zu klären ist aus unserer Sicht etwa, was genau der Aufgabenbereich sein könnte, welche Ansprechpartner tatsächlich infrage kämen und inwieweit der Bedarf für eine behördlich eingesetzte Ombudsperson mit diesem Titel vorhanden ist.“

Unweit jener Stelle, an der die Autofahrerin vor einem Jahr starb, hat sich am Sonntag gegen 2 Uhr eine weitere schwere Kollision ereignet. Ein Auto, das aus Richtung Alexanderplatz kam, erfasste eine 18-Jährige, die auf der Sperrfläche in Höhe Klosterstraße stand. Sie wurde schwer verletzt, das Auto fuhr weiter. Am Morgen stellte sich der Fahrer bei der Polizei in Wittenau.