Calamata Extra Natives Olivenöl, stand auf den Kanistern, die kürzlich im Berliner Handel angeboten wurden. Der Inhalt der Fünf-Liter-Gefäße stammte aus Griechenland. Doch was die Lebensmittelprüfer in den Kanistern fanden, war keineswegs das, was draufstand. „Es war billigstes Sonnenblumenöl“, sagt Thomas Biederbick vom Landeslabor Berlin-Brandenburg am Montag. Ein klarer Fall von Betrug an den Verbrauchern.

175 der 500 Mitarbeiter des Landeslabors sind allein damit beschäftigt, Lebensmittelproben zu untersuchen, die von 28 Behörden in Berlin und Brandenburg zugesandt werden. „Im vorigen Jahr wurden 27.000 Proben an das Landeslabor geschickt, davon waren 1000 zu beanstanden“, erklärt Biederbick. Weil sie gesundheitsschädigend, nicht zum Verzehr geeignet oder verfälscht waren.

Verfälschte oder gepanschte oder „länger haltbar gemachte“ Lebensmittel seien ein Kriminalitätsphänomen – mit hohen Gewinnspannen bei einem relativ geringen Risiko, entdeckt zu werden, sagt Dirk Behrendt, Senator für Verbraucherschutz. „Schätzungen gehen davon aus, dass dabei die weltweiten Gewinne den Erträgen aus internationalen Drogengeschäften oder dem Menschenhandel gleichkommen“, erklärt Behrendt. Und oftmals merkten die Verbraucher noch nicht einmal, dass sie betrogen worden seien.

Nach Angaben des Grünen-Politikers werde es den Lebensmittelbetrügern in Deutschland zu einfach gemacht. Behrendt möchte daher das Risiko für Panscher, erwischt zu werden, erhöhen. Er will mögliche Whistleblower schützen und ermutigen, Betrügereien zu melden. „Seit zwei Jahren gibt es zudem eine Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft unter Berliner Leitung, die Lebensmittelkriminalität effektiv bekämpfen soll“, sagt Behrendt.

Kontrolleure müssen besser vernetzt werden

Deren Ergebnisse: Es sei notwendig, die Behörden – Lebensmittelkontrolleure, Polizei, Staatsanwaltschaft und Zoll – bundesweit besser zu vernetzen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit müsse dabei eine zentrale Rolle spielen. Ziel müsse sein, das hohe Dunkelfeld der Betrügereien zu erhellen.

Nach Angaben von Claudia Schmid, die die Arbeitsgemeinschaft leitet, müsse man vor allem den globalen Handelswegen, den Lieferketten nachgehen, um herauszufinden, wo gepanscht worden sei. „Wir reden hier nicht über den kleinen Fälscher an der Ecke, sondern um Fälschungen im ganz großen Stil.“ Große Handelsunternehmen in Deutschland hätten dabei kein Interesse, den Kunden zu täuschen. Denn jeder einzelne Fall sei für diese Ketten eine Katastrophe.

Am häufigsten gefälscht werden laut Behrendt Olivenöl, Honig und Kaffee. „Wir können mittlerweile die Herkunft der Produkte besser bestimmen und durchaus sagen, ob der Kaffee aus Äthiopien oder Costa Rica stammt.“ Bei Kaffee werde oftmals hochwertiger Hochlandkaffee mit minderwertigerem Kaffee vermischt, sagt Thomas Biederbick.

Garnelen werden mit Gel vergrößert

„Die Alarmglocken müssen beim Verbraucher schrillen, wenn das Pfund Kaffee arabica plötzlich nur noch 4,50 Euro kostet.“ Ein beliebtes Schummel-Objekt sei auch die Garnele. Sie würde schon seit Jahrzehnten mit Wasser in Gelform auf Größe gebracht. „So wird das Gewicht der Garnele erhöht“, sagt der Lebensmittelchemiker.

Honig strecken die Betrüger mit Zuckerwasser. Und in einer Haselnusspaste aus der Türkei, die für die Produktion von Nusseis bestimmt war, wurde erst im vergangenen Jahr Erdnüsse und Cashewkerne nachgewiesen. So etwas könne für Allergiker zum echten Problem werden, sagt Biederbick.

Auch Thunfisch taucht im Landeslabor immer wieder auf. „Wir hatten Thunfisch mit hohem Histamingehalt, der zeigte, dass der Fisch schon am Verderben war“, so der Lebensmittelexperte. Doch der Fisch sah immer noch schön rot und frisch aus – durch den Einsatz von Pökelsalz oder durch Begasen des eingeschweißten Thunfischs mit Kohlenmonoxid.

Schummelware ist überall zu finden: im Handel, bei Vorlieferanten, im Restaurant. „Wenn man das aber auf das gesamte Lebensmittelangebot herunterbricht, dann ist Anteil der Fälschungen gering“, sagt Biederbick. Grundsätzlich, sagt auch Claudia Schmid, seien Lebensmittel in Deutschland in Ordnung.