Nach Berliner Silvesternacht: Was Schreckschusswaffen anrichten können

Die Bundesinnenministerin will das Waffenrecht verschärfen. Das ist richtig, denn mit Schreckschusswaffen passieren entsetzliche Dinge. Ein Kommentar.

Eine Hochgeschwindigkeitskamera hält im Berliner Landeskriminalamt fest, wie der Gasstrahl den Lauf einer Schreckschusswaffe verlässt.
Eine Hochgeschwindigkeitskamera hält im Berliner Landeskriminalamt fest, wie der Gasstrahl den Lauf einer Schreckschusswaffe verlässt.Berliner Zeitung/Markus Wächter

Für einen Kleinen Waffenschein braucht es nicht viel. Man geht zum Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke, entrichtet 92 Euro und füllt einen Antrag aus. In der Rubrik „Zuverlässigkeit und Eignung“ ist einzutragen, ob man straffällig wurde, ob man eine Sehschwäche oder Geisteskrankheit hat, ob man Alkohol, Arznei oder Drogen missbraucht. Den Antrag kann man auch online ausfüllen oder mit der Post schicken.

Der Kleine Waffenschein berechtigt außerhalb der Wohnung zum verdeckten Führen zugelassener Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen mit dem Zulassungszeichen „PTB“ der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Schreckschusswaffen aus dem Onlineshop

Um in den Besitz einer Signal-, Gas- oder Schreckschusswaffe zu kommen, braucht es noch weniger – nicht mal einen Kleinen Waffenschein. Wer über 18 Jahre alt ist, kann sich im Laden oder Onlineshop eine Walther P99, Glock 17 oder P30 holen. Diese sehen scharfen Waffen vollkommen ähnlich. Deshalb kann man mit ihnen Spaziergänger überfallen oder Verkäuferinnen bedrohen und ausrauben.

Auch sonst kann man damit einiges anrichten. Silvester wurde einem Polizisten eine solche Pistole an den Körper gehalten. Seine Ausrüstung wurde zerfetzt, er erlitt eine tiefe Wunde. Der Gasdruck an der Mündung einer Schreckschusswaffe beträgt 400 Bar. Vor einigen Jahren hielt in Berlin ein Jugendlicher eine solche Waffe an den Hals eines Gleichaltrigen und drückte ab. Die Schlagader wurde zerfetzt, der Junge starb. Es kommt auch zu tödlichen Missverständnissen. Wenn jemand mit einer solchen täuschend echt aussehenden Waffe auf Polizisten oder Passanten zielt, kann er mit einer echten Polizeiwaffe erschossen werden.

Nach den Silvesterexzessen will Innenministerin Faeser das Waffenrecht verschärfen: Schreckschusswaffen soll man nur noch mit Kleinem Waffenschein kaufen können. Diesen soll es nur mit einer Zuverlässigkeitsprüfung geben. Gute Idee.